InformationenAlkohol zu trinken, war für mich ein Feierabendritual

Alkohol zu trinken, war für mich ein Feierabendritual

Alkohol zu trinken, war für mich ein Feierabendritual
Aktualisiert am: 24.01.2023· Nächstes Update: 2026
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Einleitung

Ein Glas Wein zum Essen, ein Feierabendbier beim Fernsehen oder ein Gläschen Sekt zum Anstoßen im Freundeskreis: Alkohol gehört für viele Menschen zum täglichen Leben dazu. Da ist es nicht verwunderlich, dass in Deutschland etwa 20 % der Erwachsenen mehr Alkohol trinken, als empfohlen wird. Dies gilt unabhängig von Alter, Bildung und Geschlecht.

Ab und an etwas Alkohol zu trinken, ist unbedenklich. Größere Mengen können aber zu Problemen führen. Viele Menschen nehmen sich deshalb vor, ihre Trinkgewohnheiten zu ändern – zum Beispiel, weil

  • sie für sich festgestellt haben, dass ihnen Alkohol nicht guttut,
  • sie Medikamente nehmen müssen, die sich nicht mit Alkohol vertragen,
  • sie gemerkt haben, dass sie Alkohol trinken, um Stress abzubauen oder Probleme zu vergessen,
  • sie unter Alkoholeinfluss etwas getan haben, was sie danach bereut haben oder ihnen peinlich war,
  • der Alkohol zu Konflikten in der Familie, im Umfeld oder bei der Arbeit geführt hat oder
  • es zu gesundheitlichen Problemen gekommen ist, etwa mit der Bauchspeicheldrüse, dem Magen, der Leber, dem Herz oder den Gelenken.

Trinkgewohnheiten zu ändern, ist nicht immer einfach. Es gibt jedoch viele Strategien und Unterstützungsangebote, die helfen können, weniger zu trinken. Zum Beispiel kann man sich kostenlos und anonym beraten lassen – persönlich, telefonisch oder über das Internet.

Ein einschneidendes Erlebnis

Vor etwa sechs Jahren haben wir ein paar Tage Urlaub in meiner Heimat gemacht: Ich habe alte Freunde getroffen und mit ihnen getrunken. Außerdem haben wir mit meinen Eltern gut gegessen und dazu getrunken. Am Tag unserer Rückkehr bekam ich daheim plötzlich Schmerzen im oberen Bauch, die immer stärker wurden. Meine Frau hat mich schließlich ins Krankenhaus gebracht, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe.

Dort wurde schnell festgestellt, dass ich eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse hatte. Ich wurde dann einige Tage stationär behandelt, zu Beginn auf der Intensivstation. Das waren heftige Tage. Es hat relativ lange gedauert, bis die Ärzte die starken Schmerzen im Griff hatten. Das war ein sehr einschneidendes Erlebnis für mich.

Es stellte sich die Frage: Was war die Ursache? Es gibt viele Gründe für eine solche Entzündung und oft weiß man es auch nicht. Alkohol ist als häufiger Auslöser bekannt, das könnte also auch bei mir eine Rolle gespielt haben. Ich beschloss, eine Zeit lang keinen Alkohol mehr zu trinken.

Ich dachte über die Rolle von Alkohol in meinem Leben nach

Ich hatte angefangen mich zu fragen, ob ich meinen bisherigen Umgang mit Alkohol problematisch finde. Ich hatte keine Entzugserscheinungen und auch kein Verlangen nach Alkohol. Ich war nicht vom Alkohol abhängig. Aber mir sind ein paar Sachen aufgefallen, die ich bedenklich fand.

Zum Beispiel haben wir an einem Abend, als ich mit meinen Eltern zusammensaß, Wein getrunken. Da ist mir plötzlich aufgefallen, wie schnell ich mein Glas leer getrunken hatte. Ich habe schon immer schnell getrunken, aber diese Geschwindigkeit fiel mir auf. Bei meinen Eltern waren die Gläser fast noch voll und ich hatte schon ausgetrunken.

In den Jahren zuvor war meine Frau oft beruflich unterwegs. Ich war dann allein mit den Kindern und hatte neben dem Job relativ viel um die Ohren. Mir ist aufgefallen, dass ich dann am Abend schon mehr als üblich und statt einem auch mal 2 oder 3 Bier getrunken habe, oder auch zwei Gläser Wein. Das hat sich so eingeschlichen, besonders, wenn ich mich sehr belastet gefühlt habe. Das Getränk am Abend war wie eine Belohnung, ein Schlussstrich unter dem Tag. Das ist mir beim Nachdenken mit etwas Abstand aufgefallen.

Früher habe ich auch auf Partys gern etwas mehr getrunken. Einen über den Durst, wie man so sagt. Das ist damals auch meiner Frau aufgefallen und sie hat mich immer mal wieder darauf angesprochen.

Es gab noch ein Erlebnis: Vor einiger Zeit haben wir Freunde besucht, da war unser Sohn noch klein. Ich hatte etwas mehr getrunken und ihn auf dem Arm. Und ich bin dann irgendwie ausgerutscht. Das wäre mir wahrscheinlich nicht passiert, wenn ich nicht 5 oder 6 Bier getrunken hätte.

Insgesamt war es ein schleichender Prozess: Ich habe ganz allmählich immer mehr getrunken und es gar nicht bemerkt.

Erfahrungen mit Alkohol in meiner Kindheit

Ich komme aus einem Haushalt, in dem das Trinken von Alkohol völlig normal war. Er gehörte einfach zum Alltag dazu. Es wurde zu allen möglichen Anlässen Alkohol getrunken, auch immer mal wieder etwas mehr. Mein Vater ist regelmäßig nach der Arbeit in die Wirtschaft gegangen und sonntags zum Frühschoppen. Mit diesen Gewohnheiten bin ich aufgewachsen. Aber ich verbinde damit nichts Negatives, sondern im Gegenteil Spaß und schöne Momente. Bei uns wurde niemand durch Alkohol aggressiv, wir waren eigentlich immer lustig. Von daher war Alkohol für mich immer positiv besetzt. Ich habe gelernt regelmäßig zu trinken, ohne wirklich darüber nachzudenken.

Eine Pause vom Alkohol

Diese Beobachtungen und Erlebnisse sind mir nach der Bauchspeicheldrüsenentzündung durch den Kopf gegangen. Egal, ob der Alkohol jetzt wirklich die Ursache für die Entzündung war oder nicht – ich nahm es als Anlass, erstmal auf Alkohol zu verzichten.

Das war auch kein Problem, weil ich ja nie ein Verlangen nach Alkohol hatte. Aber ich hatte meine Rituale. Und die Frage war: Wenn ich keinen Alkohol mehr trinke, was trinke ich dann? Ich habe verschiedene alkoholfreie Getränke probiert: Cola, Säfte, oder einfach nur Wasser, dann verschiedene nicht süß schmeckende Varianten wie Bitter Lemon oder Tonic. Letztlich bin ich bei alkoholfreiem Bier gelandet, davon habe ich aber auch zahllose Sorten durchprobiert, die leider auch fast alle recht süß schmecken und daher keinen Durst löschen. Schließlich fand ich eine der wenigen herben Varianten eines alkoholfreien Bieres, die mir sehr gut schmeckt und die ich bis heute trinke. Das richtige Ersatzgetränk zu finden, erscheint mir wichtig, weil man damit das alte Ritual des „Feierabendgetränks“ wirklich beibehalten kann. Ich glaube, man sollte nicht unterschätzen, wie wichtig solche Verhaltensrituale sind.

Nach meiner Erkrankung habe ich etwa 1,5 bis 2 Jahre alkoholfrei gelebt. Was mich auch motiviert hat: Meine Frau hat mein Alkoholkonsum schon vorher gestört, sie hat mich auch öfter darauf angesprochen. Das war ein weiterer Grund, wirklich und nachhaltig etwas zu ändern.

Meine Freunde haben zuerst schon etwas erstaunt reagiert, dass ich gar nichts mehr trinke. Aber für viele war es nach der Bauchspeicheldrüsenentzündung auch nachvollziehbar. Das war anfangs ungewohnt, weil wir immer zusammen getrunken haben, wenn wir uns gesehen haben. Auch so ein Ritual. Das gehörte einfach dazu, wir haben darüber nicht mehr nachgedacht. Deshalb gab es schon viele Rückfragen. Aber unter Druck gesetzt hat mich niemand. Ich wurde eher unterstützt. Vielleicht liegt es auch am Alter, dass man sich etwas mehr Gedanken um seine Gesundheit macht. Mittlerweile sind sie wiederum überrascht, wenn ich ab und zu ein Bier trinke.

Jetzt trinke ich bewusst und in besonderen Situationen

Das alles ist jetzt etwa 5 bis 6 Jahre her. Ich trinke nach wie vor unter der Woche am Abend nichts Alkoholisches, also nicht mehr aus Routine oder Gewohnheit. Ab und zu trinke ich mit meiner Frau ein Glas Wein zum Essen. Oder wenn wir Freunde zum Essen treffen. In besonderen Situationen. Ich bin dann auch mal ein wenig angetrunken oder anders gesagt: Ich merke die Wirkung des Alkohols. Aber das war es dann auch. Das ist kein Vergleich zu früher.

Was ich nicht mehr mache: In stressigen Zeiten oder wenn ich geschafft bin, abends Alkohol zu trinken. Ein ritualisierter, regelmäßiger Alkoholkonsum ist problematisch für mich und etwas, das ich sehr unterschätzt habe. Das Ritual konnte ich beibehalten, aber eben ohne Alkohol.

Ich habe auch oft allein getrunken. Gerade in den Zeiten, in denen meine Frau nicht da war und wenn die Kinder im Bett waren. Das mache ich auch nicht mehr: Ich trinke Alkohol nicht mehr allein.

Außerdem weiß ich jetzt viel mehr zu schätzen, am nächsten Tag keinen dicken Schädel zu haben und fit zu sein. Das war damals schon anders.

Rituale sind mir wichtig – aber ohne Alkohol

Mein Ritual ist jetzt ein alkoholfreies Bier, schön kühl am Ende des Tages. Es ging für mich damals um die Wirkung des Alkohols, aber auch um ein Ritual im Tagesablauf. Ein Feierabendritual. Der Alkohol hatte eine dämpfende, betäubende Wirkung und hat mir beim Abschalten geholfen. Aber das schaffe ich jetzt sehr gut ohne Alkohol. Und ich habe nicht das Gefühl, dass mir etwas fehlt.

Wie viel Alkohol ist zu viel?

Die meisten Länder haben Empfehlungen für einen „risikoarmen“ Alkoholkonsum. Damit sind Mengen gemeint, die keine oder nur sehr geringe gesundheitliche Auswirkungen haben.

Wichtig ist: Diese Empfehlungen sind als Orientierung für gesunde Erwachsene ohne Alkoholproblem gedacht.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen empfiehlt,

  • dass Frauen höchstens 12 Gramm Alkohol pro Tag trinken: zum Beispiel ein kleines Bier (0,3 Liter) oder ein kleines Glas Wein (0,125 Liter).
  • dass Männer höchstens 24 Gramm Alkohol pro Tag trinken: zum Beispiel zwei kleine Bier (0,6 Liter) oder ein großes Glas Wein (0,25 Liter).
  • an mindestens zwei Tagen in der Woche keinen Alkohol zu trinken.

Letzteres ist ratsam, damit das Trinken nicht zur Gewohnheit wird. Denn zwei Dinge sind unbestritten:

  • Gesundheitliche Vorteile hat Alkohol nicht.
  • Je mehr Alkohol man trinkt, desto schädlicher ist er.
Grafik: Alkoholgehalt unterschiedlicher Getränke

Die empfohlenen Grenzwerte gelegentlich etwas zu überschreiten, bedeutet nicht, dass man ein Alkoholproblem hat. Die meisten Menschen trinken zudem nicht jeden Tag gleich viel: Sie trinken zum Beispiel unter der Woche weniger und am Wochenende etwas mehr. Solange man sich keinen Rausch antrinkt, kann man sich daher auch an wöchentlichen Höchstgrenzen orientieren: Studien zeigen, dass es der Gesundheit nicht oder kaum schadet, wenn man im Durchschnitt weniger als 100 Gramm Alkohol pro Woche trinkt.

Was ist Rauschtrinken und warum ist es problematisch?

Von Rauschtrinken spricht man, wenn jemand große Mengen Alkohol auf einmal trinkt. Damit sind sechs oder mehr alkoholische Getränke zu einer Gelegenheit gemeint. Dies entspricht mehr als 60 Gramm Reinalkohol, zum Beispiel 1,5 Liter Bier oder 0,6 Liter Wein.

Rauschtrinken ist problematisch, weil man bei Trunkenheit dazu neigt, größere Risiken einzugehen und weniger Hemmungen hat als sonst. Dann kommt es leicht zu Unfällen – oder zu Handlungen, die man später bereuen könnte. Nicht zuletzt können sehr große Trinkmengen zu einer Alkoholvergiftung führen.

Rauschtrinken ist in Deutschland weit verbreitet. Etwa 40 % der Männer und 25 % der Frauen haben mindestens einmal im Monat einen Alkoholrausch.

Habe ich ein Problem mit Alkohol?

Alkoholprobleme haben viele Gesichter. So gibt es Menschen, die sich mit Alkohol schaden, weil sie täglich moderate Mengen trinken – ohne jemals betrunken zu sein („Spiegel- oder Pegeltrinken“). Sie haben sich meist schon an den Alkohol gewöhnt und brauchen ein Mindestmaß an Alkohol im Blut, damit sie keine Entzugserscheinungen wie zum Beispiel Zittern bekommen. Andere Menschen trinken dagegen nur selten, können dann aber nicht mehr aufhören und werden so betrunken, dass sie in Schwierigkeiten geraten („Quartalstrinken“).

Ob Sie ein Problem mit Alkohol haben, hängt neben der getrunkenen Menge vor allem von Ihren Trinkgewohnheiten ab und davon, welche Rolle der Alkohol in Ihrem Leben spielt:

  • Trinken Sie häufig, um Sorgen wegzuschieben oder im Alltag zu „funktionieren“?
  • Neigen Sie zum Rauschtrinken? Verlieren Sie die Kontrolle darüber, wie viel Sie trinken?
  • Ist Alkohol in Ihrem Leben ein häufiger Begleiter, um den oft auch Ihre Gedanken kreisen? Haben Sie ein schlechtes Gewissen wegen Ihres Alkoholkonsums?
  • Hat der Alkohol bei Ihnen bereits zu Schwierigkeiten geführt? Streiten Sie zum Beispiel mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner über Ihre Trinkgewohnheiten? Kommen Sie zu spät zur Arbeit, weil Sie einen Kater haben?
  • Haben Sie schon einmal versucht, Ihre Trinkgewohnheiten zu verändern, es aber nicht geschafft?

Wenn Sie eine oder mehrere dieser Fragen mit „Ja“ beantworten, kann dies ein Hinweis auf ein problematisches Trinkverhalten sein. Bei psychischen Erkrankungen wie Angsterkrankungen oder Depression ist es besonders wichtig, sich Hilfe zu holen – und die Probleme nicht noch durch Alkohol zu vergrößern.

Aber auch wenn Sie alle Fragen mit Nein beantworten, kann es sein, dass Sie sich mit Alkohol schaden. Um ein mögliches Alkoholproblem zu erkennen, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Fragebogen-Tests entwickelt. Bei diesen Tests geht es darum, riskanten Alkoholkonsum frühzeitig zu erkennen, um schädlichen Folgen vorzubeugen.

Ein solcher Test ist zum Beispiel der von Fachleuten empfohlene AUDIT-Fragebogen, mit dem Sie Ihr eigenes Trinkverhalten überprüfen können.

Wenn die Testergebnisse auf ein Alkoholproblem hinweisen, ist es sinnvoll, etwas zu verändern. Eine erste Möglichkeit sind Selbsthilfe-Programme im Internet, zum Beispiel das Angebot www.selbsthilfealkohol.de. Sie können sich auch anonym an eine Suchtberatungsstelle wenden. Wenn ein vertrauensvolles Verhältnis zur Hausärztin oder zum Hausarzt besteht, können Sie dort einen Beratungstermin vereinbaren.

Wann ist es besser, auf Alkohol zu verzichten?

Es gibt Situationen und Tätigkeiten, in denen Alkohol dazu führen kann, dass man sich und andere Menschen gefährdet oder sich strafbar macht. Nüchtern zu sein, ist besonders wichtig

  • im Straßenverkehr,
  • bei der Arbeit und
  • beim Sport.

Wichtig ist

Schwangere Frauen sollten keinen Alkohol trinken, da bereits kleine Mengen dem ungeborenen Kind schaden können.

Für Menschen, die wegen einer Alkoholabhängigkeit behandelt wurden und keinen Alkohol mehr trinken, ist es ebenfalls wichtig, abstinent zu bleiben. Das Risiko für einen ist sonst sehr hoch. Auch Menschen mit einer anderen Drogenabhängigkeit trinken besser keinen Alkohol. Denn zum einen sind sie oft auch für eine Alkoholabhängigkeit anfällig, zum anderen senkt Alkohol die Hemmschwelle und kann deshalb erneut zum Drogenkonsum verleiten.

Bei bestimmten Erkrankungen kann Alkohol ebenfalls zu Problemen führen. Das gilt auch für die Einnahme mancher Medikamente wie zum Beispiel Schlafmittel und bestimmte Schmerzmittel. Der Grund: Alkohol kann die Wirkung bestimmter Medikamente verstärken oder abschwächen – und dadurch manchmal zu ernsthaften Komplikationen führen.

Was kann ich ausprobieren, um weniger Alkohol zu trinken?

Auch wenn man sich das Ziel gesetzt hat, weniger oder gar keinen Alkohol mehr zu trinken, ist es gar nicht so einfach, dies in die Tat umzusetzen – so wie es auch nicht einfach ist, eine strenge Diät einzuhalten. Weil Alkohol die Hemmschwelle senkt, fällt es manchen Menschen zudem mit jedem alkoholischen Getränk schwerer, aufzuhören.

Ein risikoarmer Alkoholkonsum setzt voraus, seine Trinkmengen und -gewohnheiten zu kennen. Weil man sich dabei leicht verschätzt, ist es hilfreich, für einige Wochen zu notieren, wie viele und welche alkoholischen Getränke man zu sich nimmt. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen hat eine App entwickelt, mit der sich die Trinkgewohnheiten einfach festhalten lassen: www.trinktagebuch.org. Ein Trinktagebuch können Sie natürlich auch schriftlich führen, etwa mithilfe eines Vordrucks.

Darüber hinaus gibt es verschiedene hilfreiche Strategien für ein risikoarmes Trinkverhalten. Sie können zum Beispiel Situationen meiden, in denen Sie leicht zum Trinken verleitet werden. Wenn Sie auf einer Feier sind, lassen Sie sich erst nachschenken, wenn Sie ausgetrunken haben. So behalten Sie leichter den Überblick. Sich vorzunehmen, nur ein alkoholisches Getränk zu trinken, kann ebenfalls helfen. Eine Liste mit vielen weiteren hilfreichen Tipps finden Sie hier:

Was ist eine Alkoholabhängigkeit?

Eine Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit. Sie entwickelt sich oft schleichend und äußert sich dadurch, dass man

  • ein starkes Verlangen nach Alkohol verspürt,
  • immer mehr Alkohol benötigt, um eine Wirkung zu spüren,
  • ohne Alkohol Entzugserscheinungen wie Zittern oder Angst hat,
  • weiter trinkt, obwohl dies bereits zu Problemen geführt hat (zum Beispiel Fehlzeiten, Abmahnungen, Unfällen oder Konflikten),
  • durch das Trinken das Interesse an anderen Dingen verloren hat oder Verpflichtungen nicht mehr nachkommt,
  • die Kontrolle über das eigene Trinkverhalten verloren hat (also nicht mehr entscheiden kann, wann, wie viel, wie oft und wo man Alkohol trinkt).

Treffen mindestens drei dieser Kriterien zu, ist die medizinische für eine Alkoholabhängigkeit erfüllt.

Auf eine Abhängigkeit deuten auch kurzfristige Entzugserscheinungen hin, etwa Schlafstörungen, Unruhe, Übelkeit, Reizbarkeit und Schweißausbrüche. Nach Stunden und Tagen des Verzichts können Symptome wie Herzrasen, Krämpfe und manchmal auch Halluzinationen hinzukommen.

Wie wird eine Alkoholabhängigkeit behandelt?

Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit benötigen Hilfe, denn die allermeisten schaffen es nicht mehr von allein, ihre Trinkgewohnheiten zu ändern. Eine Alkoholabhängigkeit ist keine Charakterschwäche, sondern eine Krankheit, die behandelt werden kann.

Wichtig ist

Bei Alkoholabhängigkeit kann ein „kalter“ Entzug, also ein plötzlicher Alkoholverzicht, ohne ärztliche Begleitung ernsthafte Komplikationen wie starke Krampfanfälle auslösen. Um solchen Problemen vorzubeugen, ist eine ärztliche Unterstützung notwendig.

Nach einem rein körperlichen Entzug ist die Wahrscheinlichkeit für einen sehr hoch. Deswegen haben Fachleute die sogenannte qualifizierte Entzugsbehandlung entwickelt. Sie umfasst mehrere Elemente:

  • Bei der körperlichen Entzugsbehandlung wird der Körper vom Alkohol entgiftet – bei Bedarf mithilfe von Medikamenten.
  • Zur Behandlung von psychischen und körperlichen Begleit- und Folgeerkrankungen sowie zur Unterstützung bei sozialen Problemen sind vor allem psychotherapeutische Angebote wichtig. Dabei erlernt man Strategien, um im Alltag ohne Alkohol zurechtzukommen.

Manchmal wird zuerst eine Kurztherapie über fünf Sitzungen angeboten, um dabei zu unterstützen, weniger oder gar nicht mehr zu trinken.

Im Anschluss an die qualifizierte Entzugsbehandlung wird eine Langzeittherapie geplant. Sie ist sehr wichtig, um Rückfällen vorzubeugen. Dazu gehören zum Beispiel regelmäßiger Kontakt mit einer Beratungsstelle und die Behandlung möglicher körperlicher und seelischer Begleiterkrankungen. Vielen hilft zudem der Besuch einer Selbsthilfegruppe, in der man sich mit anderen Betroffenen austauschen und gegenseitig motivieren kann.

Ist es nach einer Entwöhnung nötig, ganz auf Alkohol zu verzichten?

Viele alkoholabhängige Menschen fragen sich, ob es auch möglich ist, den Alkoholkonsum auf risikoarme Mengen umzustellen, anstatt ganz aufzuhören. Es gibt aber keine verlässlichen Forschungsergebnisse, die zeigen, dass „reduziertes“ oder „kontrolliertes“ Trinken für Menschen mit Alkoholabhängigkeit möglich ist.

Erfahrungsgemäß ist das Rückfallrisiko schon bei einem „kleinen Gläschen“ sehr hoch. Nach einer Entwöhnung ist es daher wichtig, gar keinen Alkohol mehr zu trinken.

Auch auf alkoholhaltige Speisen wie zum Beispiel bestimmte Saucen, Pralinen oder Nachspeisen sollte man verzichten. Sie können im Gehirn ein starkes Verlangen nach Alkohol auslösen und dadurch das Risiko für Rückfälle erhöhen.

An wen kann ich mich bei Alkoholproblemen wenden?

Wenn Sie Ihre Trinkgewohnheiten ändern möchten, können Sie sich im Internet an einem Selbsthilfeprogramm wie www.selbsthilfealkohol.de beteiligen oder anonym an verschiedene Beratungsstellen wenden. Das heißt, Sie müssen weder Ihren Namen noch Ihre Adresse oder Krankenkassendaten angeben. Auch wenn Sie sich um den Alkoholkonsum eines nahestehenden Menschen sorgen, finden Sie hier Rat und Unterstützung.

Viele Betroffene versuchen eine Zeitlang, ihre Alkoholprobleme ohne Hilfe in den Griff zu bekommen – bis sie merken, dass sie Unterstützung benötigen. Scham und Schuldgefühle spielen oft eine große Rolle. Für Alkoholprobleme gibt es aber viele Ursachen, die nichts mit Schuld oder persönlicher Schwäche zu tun haben. Wer es schafft, sie anzugehen und sich Unterstützung zu holen, zeigt Mut und Verantwortungsbewusstsein. Oft braucht es mehrere Anläufe, um Trinkgewohnheiten zu verändern. Davon sollte man sich aber nicht entmutigen lassen.

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