Hepatitis B

Hepatitis B
Aktualisiert am: 22.02.2023· Nächstes Update: 2026
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Bei Erwachsenen heilt eine akute Hepatitis-B-Infektion meist von allein aus und muss nicht behandelt werden. Falls sie chronisch wird, kann sie aber ernsthafte Folgen haben. Gegen das Hepatitis-B-Virus gibt es eine , die für alle Säuglinge und Kleinkinder sowie für Erwachsene mit hohem Ansteckungsrisiko empfohlen wird.

Das Hepatitis-B-Virus wird vor allem durch Blut, aber auch durch andere Körperflüssigkeiten übertragen. Meistens geschieht dies bei ungeschütztem Sex, wobei sich vor allem Männer anstecken, die Sex mit Männern haben. Auch wechselnde Sexpartnerinnen und -partner sowie wiederholt auftretende sexuell übertragbare Krankheiten erhöhen das Risiko für eine Hepatitis-B-Infektion. Weitere Übertragungswege sind nicht sterile Spritzen beim Drogengebrauch und nicht sterile Nadeln beim Tätowieren. Insgesamt ist das Ansteckungsrisiko in Deutschland aber gering.

Ist eine schwangere Frau mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert, kann sie das bei der Geburt auf ihr Kind übertragen. Deshalb wird allen Schwangeren ein Bluttest angeboten, mit dem sich eine solche feststellen lässt.

Symptome

Eine Hepatitis-B-Infektion kann verschiedene Symptome auslösen: Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, gelblich verfärbte Haut und Augen (Gelbsucht, Ikterus), allgemeines Unwohlsein, Gelenkschmerzen und Fieber.

Viele Menschen, die sich anstecken, haben jedoch keine oder keine typischen Beschwerden. Wenn es zu Beschwerden kommt, kann die Ansteckung bereits 1 bis 6 Monate zurückliegen. Das heißt, die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung kann recht lang sein. Während dieser Zeit können infizierte Personen das Virus unbemerkt übertragen.

Risikofaktoren

Meistens wird das Virus bei ungeschütztem Sex – also ohne Kondome – übertragen, wobei sich vor allem Männer anstecken, die Sex mit Männern haben. Andere Risikofaktoren sind Geschlechtsverkehr mit vielen wechselnden Partnerinnen oder Partnern sowie nicht sterile Spritzen oder Nadeln, etwa beim Drogengebrauch oder Tätowieren. Auch wer mit einer Person zusammenlebt, die mit Hepatitis B infiziert ist, oder sich dauerhaft in einem Land mit einer starken Verbreitung des Virus aufhält, hat ein höheres Infektionsrisiko.

Wenn eine schwangere Frau mit Hepatitis B infiziert ist, kann sie bei der Geburt ihr Baby anstecken. Die Schwangerschaftsvorsorge sieht aber eine Untersuchung auf Hepatitis B vor, sodass bei einer Infektion einer Übertragung auf das Kind während oder nach der Geburt vorgebeugt werden kann.

Häufigkeit

Hierzulande hat weniger als 1 von 100 Menschen eine Hepatitis-B-Infektion. Dem Robert Koch-Institut wurden in Deutschland im Jahr 2020 etwa 6800 Infektionen mit dem Hepatitis-B-Virus neu gemeldet.

Verlauf

Eine Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus kann zu einer Leberentzündung führen. Eine akute Hepatitis B heilt bei Erwachsenen meist von allein aus und muss nicht behandelt werden. Sehr selten kommt es zu einem plötzlichen Leberversagen.

Nach einer überstandenen Infektion hat das Immunsystem des Körpers Antikörper gebildet, die das Virus bei den allermeisten Menschen in Schach halten. Selten werden die Hepatitis-B-Viren erneut aktiv – etwa wenn das Immunsystem aufgrund einer Chemotherapie sehr geschwächt ist.

Bei einigen Menschen bleibt die Infektion aber dauerhaft bestehen. Eine chronische Hepatitis-B-Infektion kann mit der Zeit zu ernsthaften Komplikationen wie etwa Leberzirrhose, Bauchwasser (Aszites), Blutungen und Leberkrebs führen.

Bei Säuglingen, die sich während oder nach der Geburt bei der Mutter mit dem Hepatitis-B-Virus angesteckt haben, wird die Erkrankung meist chronisch: Dies geschieht bei 90 von 100 Kindern.

Diagnose

Ob sich jemand mit dem Virus infiziert hat, lässt sich mithilfe eines Bluttests feststellen. Dabei wird das Blut auf bestimmte Bestandteile des Virus (zum Beispiel Virus-Antigene) untersucht. Zudem werden Antikörper gegen Virusbestandteile bestimmt.

Der Bluttest kann auch zur Früherkennung eingesetzt werden – also bei Menschen, die bisher keine Beschwerden haben, die auf eine Infektion hinweisen.

Seit 2021 können gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren ihr Blut im Rahmen des Gesundheits-Check-ups einmalig auf Hepatitis-B-Viren testen lassen. Die Kosten übernimmt die gesetzliche Krankenkasse.

Für schwangere Frauen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten des Tests auf Hepatitis B im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge.

Vorbeugung

Es gibt eine Impfung gegen Hepatitis B. Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut empfiehlt, alle Säuglinge und Kleinkinder gegen Hepatitis B impfen zu lassen. Ob sich eine Impfung für Erwachsene lohnt, hängt davon ab, wie hoch das persönliche Ansteckungsrisiko ist. Dies hängt von den oben genannten Risikofaktoren ab.

Eine Impfung wird zum Beispiel empfohlen

  • bei einem geschwächten Immunsystem,
  • wenn eine medikamentöse Behandlung geplant ist, die das Immunsystem unterdrückt,
  • bei engem Kontakt mit Menschen, die eine chronische Hepatitis-B-Infektion haben,
  • wenn man beruflich in Kontakt mit dem Virus kommen kann – das gilt beispielsweise für medizinisches Personal oder Reinigungspersonal im Krankenhaus.

Es kann auch sinnvoll sein, sich vor einer Reise in Länder impfen zu lassen, in denen Hepatitis-B-Infektionen sehr verbreitet sind. Informationen zu Reiseimpfungen finden sich auf der Website des Robert Koch-Instituts.

Behandlung

In den meisten Fällen bekämpft das Immunsystem die Virusinfektion erfolgreich. Beschwerden wie Übelkeit und Schmerzen können mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden. Einige Monate nach Feststellung der Hepatitis B kann ein erneuter Bluttest zeigen, ob sich im Blut noch Bestandteile des Virus finden. Auch wenn das Blut virenfrei ist, können geringe Virusmengen in den Leberzellen zurückbleiben. Sie verursachen bei den allermeisten Menschen aber keine weiteren Probleme.

Eine chronische Infektion wird dauerhaft mit Tabletten behandelt, die das Virus bekämpfen und Leberschäden vorbeugen sollen (Nukleotid-/ Nukleosidanaloga). Außerdem kann zeitweise eine Behandlung mit Alpha-Interferon infrage kommen.

Weitere Informationen

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. In unserem Thema „Gesundheitsversorgung in Deutschland“ informieren wir darüber, wie man die richtige Praxis findet – und mithilfe unserer Frageliste möchten wir dabei helfen, sich auf den Arztbesuch vorzubereiten.

Welche Folgen kann eine Hepatitis-B-Infektion haben?

Bei über 90 von 100 Erwachsenen, die sich mit dem Hepatitis-B-Virus angesteckt haben, kann das das erfolgreich allein bekämpfen. Ist die von selbst ausgeheilt, sind nach sechs Monaten keine Virusspuren mehr im Blut nachweisbar. Es können geringe Virusmengen in den Leberzellen zurückbleiben, die aber keine Beschwerden verursachen.

Eine akute Hepatitis-B-Infektion hat nur sehr selten langfristige gesundheitliche Folgen. Wer sie überstanden hat, besitzt , die bei den allermeisten Menschen verhindern, dass das Hepatitis-B-Virus erneut aktiv wird. Bleibt eine Hepatitis-B-Infektion länger als sechs Monate bestehen, spricht man von einer chronischen Hepatitis-B-Infektion. Sie kann mit der Zeit zu Leberschäden () und Leberkrebs führen. Solch schwere Lebererkrankungen machen sich nicht unbedingt durch Beschwerden bemerkbar oder die Beschwerden sind unspezifisch.

Säuglinge und Kinder stecken sich zwar seltener mit dem Hepatitis-B-Virus an, reagieren aber empfindlicher auf die Viren. Sie haben ein hohes Risiko für einen chronischen Verlauf: Bei nur etwa 10 von 100 Säuglingen und Kindern, die sich mit B angesteckt haben, kann das das erfolgreich bekämpfen. Bei den übrigen etwa 90 von 100 Säuglingen und Kindern wird die Hepatitis-B-Infektion chronisch.

Für wen wird die Impfung empfohlen?

Für Impfempfehlungen ist in Deutschland die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut zuständig. Sie empfiehlt eine Hepatitis-B-Impfung für Erwachsene, wenn sie bestimmte Risiken haben – das heißt, wenn sie

  • in ihrem Beruf oder Ehrenamt in Kontakt mit dem Hepatitis-B-Virus kommen können (etwa medizinisches Personal, Polizei, betriebliche Ersthelfende),
  • in engem Kontakt mit Menschen stehen, die eine chronische Hepatitis-B-Infektion haben (zum Beispiel Familienangehörige),
  • Erkrankungen haben, bei denen eine Hepatitis-B-Infektion ein zusätzliches Risiko bedeutet (etwa Personen mit HIV, einer chronischen Lebererkrankung oder Menschen, die eine Dialyse oder häufig Bluttransfusionen erhalten),
  • sich Drogen spritzen,
  • häufig ihre Sexualpartnerinnen und -partner wechseln oder als Mann Sex mit Männern haben,
  • in ein Land reisen, in dem das Hepatitis-B-Virus verbreitet ist.

Die STIKO empfiehlt außerdem, alle Säuglinge und Kleinkinder gegen B impfen zu lassen. Für die von Kindern stehen Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung, die vor weiteren Erkrankungen wie , Wundstarrkrampf (Tetanus), Kinderlähmung (Polio), Keuchhusten (Pertussis) und Haemophilus influenzae Typ b schützen. Für einen ausreichenden Schutz vor B sind in der Regel 3 Impfungen erforderlich. Noch nicht geimpften Jugendlichen wird empfohlen, die bis zum 18. Lebensjahr nachzuholen.

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die empfohlenen Impfungen für alle unter 18-Jährigen. Für Risikogruppen oder als Reiseimpfung ist die Kostenübernahme nicht einheitlich geregelt – die meisten gesetzlichen Krankenkassen übernehmen aber die Kosten. Für Reiseimpfungen werden meist Kombinationsimpfstoffe gegen A und B verwendet. Informationen zu Reiseimpfungen finden sich auf der Website des Robert Koch-Instituts.

Wie verträglich ist die Impfung gegen Hepatitis B?

Der Hepatitis-B-Impfstoff ist gut verträglich. Schwere Nebenwirkungen nach der von gesunden Menschen sind nicht bekannt.

Eine ist jedoch nicht geeignet für Personen,

  • die eine akute Erkrankung wie Grippe haben, die mit hohem Fieber verbunden ist oder behandelt werden muss. Die kann später nachgeholt werden.
  • die bei einer vorangegangenen auf den Hepatitis-B-Impfstoff überempfindlich reagiert haben.
Quellen

Cornberg M, Protzer U, Petersen J et al. Aktualisierung der S3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion. AWMF-Register-Nr.: 021-011. 2021.

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Screening auf Hepatitis B: Abschlussbericht; Auftrag S16-03. 2018.

Poethko-Müller C, Schmitz R. Impfstatus von Erwachsenen in Deutschland. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsbl 2013; 56: 845–857.

Robert Koch-Institut (RKI). Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut 2022 (Epidemiologisches Bulletin 4/2022). 2022.

Robert Koch-Institut (RKI). Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2020. 2021.

Robert Koch-Institut (RKI). RKI-Ratgeber: Hepatitis B und D. 2016.

Robert Koch-Institut (RKI). Virushepatitis B und D im Jahr 2020 (Epidemiologisches Bulletin 29/2021 ). 2021.

Trépo C, Chan HL, Lok A. Hepatitis B virus infection. Lancet 2014; 384(9959): 2053-2063.

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