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Hüftarthrose (Coxarthrose)

Hüftarthrose (Coxarthrose)
Aktualisiert am: 10.05.2024· Nächstes Update: 2027
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Bei einer Hüftarthrose ist es wichtig, die Gelenke in Bewegung zu halten und zu stärken. Kräftigungs- und Dehnübungen sowie Ausdauertraining können Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern. Bei Übergewicht ist es sinnvoll, etwas abzunehmen, um die Hüfte zu entlasten.

Viele Menschen mit Arthrose meiden Bewegung und Sport. Sie haben Angst, die Gelenke zu belasten und dadurch weiter zu „verschleißen“. Aber das Gegenteil ist richtig: Man weiß heute, dass es den Gelenken schadet, wenn sie zu wenig bewegt werden. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Bewegung kurbelt den Stoffwechsel und den Blutfluss an und versorgt die Gelenkflüssigkeit mit Nährstoffen.
  • Bewegung sorgt dafür, dass die Gelenkflüssigkeit in den Gelenkknorpel gelangt: Unter Belastung gibt der Knorpel Abfallprodukte ab, bei Entlastung nimmt er neue Nährstoffe aus der Gelenkflüssigkeit auf.
  • Sport stärkt die Muskulatur, verbessert die Stabilität der Gelenke und fördert die Beweglichkeit – auch im Alltag.

Manchmal lässt sich durch regelmäßiges Training ein Gelenkersatz, also das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks, vermeiden oder hinauszögern.

Anfangs muss sich der Körper vielleicht erst an ein konsequentes Bewegungsprogramm gewöhnen. Deshalb ist es normal, wenn man zunächst Muskelkater bekommt oder die Gelenke bei den Übungen etwas wehtun. Studien zeigen aber, dass sich die Mühe lohnt. Schon nach einigen Wochen kann ein Kräftigungs- und Beweglichkeitstraining die Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern. Außerdem tut Bewegung meist auch gut, weil sie das allgemeine Wohlbefinden steigert und das Vertrauen in den eigenen Körper stärkt.

Entzündungshemmende Schmerzmittel können helfen, in Bewegung zu bleiben. Sie sollten aber in der geringsten möglichen Dosierung und nur nach Bedarf eingesetzt werden. Wenn die Hüfte stark schmerzt, dies den Alltag und die Lebensqualität beeinträchtigt und andere Behandlungen nicht ausreichen, kann ein künstliches Hüftgelenk eine Möglichkeit sein.

Kommt ein künstliches Hüftgelenk für mich infrage?

Vor der Entscheidung für oder gegen ein künstliches Hüftgelenk ist es sinnvoll, sich gut über die Vor- und Nachteile der Behandlungsalternativen zu informieren. Diese Entscheidungshilfe unterstützt dabei.

Symptome

Eine Hüftarthrose beginnt in der Regel schleichend – über mehrere Monate, oft sogar Jahre. Zunächst schmerzt das Gelenk meist nur bei Belastung oder auch am Ende eines anstrengenden Tages. Typisch sind Schmerzen im betroffenen Hüftgelenk und im Leistenbereich, meist beim Gehen und Treppensteigen sowie beim Bewegen des Oberschenkels nach innen – zum Beispiel beim Übereinanderschlagen der Beine. Die Schmerzen können auch ins Gesäß, zur Innenseite des Oberschenkels oder sogar bis ins Knie ausstrahlen.

Nach längerer Ruhepause kann sich das Hüftgelenk für bis zu 30 Minuten etwas steif anfühlen, zum Beispiel morgens. Länger andauernde Morgensteifigkeit spricht eher für eine andere Erkrankung, wie zum Beispiel eine rheumatische Gelenkentzündung. Schmerzt die Hüfte auch in Ruhe oder nachts, ist die Arthrose meist schon fortgeschritten.

Wenn die Hüftarthrose die Knochen verändert und den Hüftkopf verformt, kann die Beweglichkeit eingeschränkt sein. Das erschwert zum Beispiel das Anziehen von Strümpfen oder die Fußpflege. Je weiter die Arthrose fortschreitet, desto größer können die Einschränkungen etwa im Beruf, im Haushalt oder bei Freizeitaktivitäten sein. Diese Folgen für den Alltag sind bei einer Hüftarthrose oft die größte Belastung.

Bei manchen Menschen mit Hüftarthrose kommt es auch zu Schüben mit plötzlich stärkeren Schmerzen und Gelenksteifigkeit. Die Schmerzen fühlen sich bei einem solchen Schub eher stechend, pulsierend oder brennend an. Meist lassen sie aber innerhalb weniger Tage wieder nach.

Ursachen

Ein Hüftgelenk besteht aus dem Hüftkopf des Oberschenkelknochens und der Gelenkpfanne am Beckenknochen. Beide sind mit schützendem Knorpel überzogen. Hüftarthrose entsteht, wenn der Gelenkknorpel aufweicht, rissig und dünner wird. Die Knochen sind dann nicht mehr so gut vor Druckbelastungen geschützt. Sie reagieren darauf, indem sie Knochenauswüchse bilden, um den Druck auf eine größere Fläche zu verteilen (sogenannte Knochenspangen oder Osteophyten).

Umgangssprachlich wird Arthrose oft „Gelenkverschleiß“ genannt. Diese Bezeichnung ist jedoch irreführend, denn das Gelenk wird nicht durch Nutzung „verbraucht“ – im Gegenteil: Der Knorpel ist auf Bewegung angewiesen, um mit Nährstoffen versorgt zu werden. So sind Bewegungs- und Trainingsarten wie Walking oder Radfahren für Knorpel und Gelenke günstig.

Sportarten wie Handball oder Fußball können dagegen überlasten und zu Arthrose beitragen. Dies gilt auch für schwere körperliche Arbeit oder starkes Übergewicht. Denn bei Überlastung können die Stoffwechselvorgänge im Gelenk aus dem Gleichgewicht geraten. Dann werden zu viele Stoffe und Enzyme gebildet, die Entzündungen fördern und zu einem Gewebeabbau führen – und zu wenige, die dem entgegenwirken.

Gesundes Hüftgelenk (links) und Hüftgelenk mit fortgeschrittener Arthrose (rechts)
Gesundes Hüftgelenk (links) und Hüftgelenk mit fortgeschrittener Arthrose (rechts)

Risikofaktoren

Verschiedene Faktoren erhöhen das Risiko für eine Hüftarthrose, unter anderem:

  • familiäre Veranlagung
  • starkes Übergewicht
  • angeborene Hüfterkrankungen oder Fehlstellungen
  • schwere körperliche Arbeit, zum Beispiel auf dem Bau
  • Dauerbelastung durch intensives Training, besonders bei Sportarten mit starken Stoßbelastungen wie Fußball oder Handball
  • entzündliche Gelenkerkrankungen wie rheumatoide Arthritis
  • frühere Hüftverletzungen, zum Beispiel Knochenbrüche im Bereich des Hüftgelenks oder ein ausgerenktes Hüftgelenk
  • das sogenannte Hüftimpingement: Hierbei führen knöcherne Auswüchse am Gelenk zu Engstellen zwischen Hüftkopf und Gelenkpfanne.

Meist spielen bei der Entstehung einer Hüftarthrose mehrere Faktoren eine Rolle.

Häufigkeit

Schätzungsweise 5 % der Erwachsenen in Deutschland haben eine Hüftarthrose mit spürbaren Beschwerden. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.

Verlauf

Wie eine Hüftarthrose verläuft, lässt sich nicht sicher vorhersagen. Oft bleiben die Beschwerden über viele Jahre in etwa gleich. In einer großen niederländischen Studie berichteten Menschen mit Hüftarthrose fünf Jahre lang regelmäßig über den Verlauf ihrer Erkrankung. Von ihnen hatten ungefähr

  • 40 % leichte, über die fünf Jahre etwa gleichbleibende Schmerzen,
  • 20 % mittelstarke, ebenfalls etwa gleichbleibende Schmerzen,
  • 25 % mittelstarke Schmerzen, die im Laufe der fünf Jahre stärker wurden, und
  • 15 % andauernde starke Schmerzen.

Eine Nachuntersuchung nach zehn Jahren bestätigte die Studienergebnisse. Für ein künstliches Hüftgelenk entschieden sich innerhalb von 10 Jahren 12 von 100 Personen.

Arthroseschmerzen können von Tag zu Tag schwanken: Dann wechseln sich Phasen stärkerer Beschwerden mit beschwerdefreien oder beschwerdearmen Phasen ab. Beim Schmerzempfinden spielen auch persönliche Einstellungen, das Sozial- und Arbeitsleben, der Lebensstil und psychische Faktoren wie Ängste, Sorgen und Stress eine Rolle. Sie alle können beeinflussen, wie sich die Beschwerden anfühlen, wie stark sie sind und wie man damit umgeht.

Diagnose

Häufig kann die Ärztin oder der Arzt eine Hüftarthrose anhand der typischen Symptome feststellen. Dazu fragt sie oder er, seit wann die Schmerzen bestehen, wie sie sich anfühlen und wann sie auftreten – zum Beispiel nur bei Bewegung oder auch in Ruhe. Typisch ist der sogenannte Anlaufschmerz, der nach längeren Bewegungspausen auftritt und durch Bewegung schnell verschwindet. Auch Angaben zu anderen Beschwerden wie Morgensteifigkeit oder früheren Verletzungen helfen bei der Diagnose.

Nach dem Gespräch tastet die Ärztin oder der Arzt das Gelenk ab und untersucht die Hüftbeweglichkeit im Liegen. Dabei wird das Bein in gestreckter Position und mit angewinkeltem Knie in verschiedene Richtungen bewegt. Sie oder er betrachtet auch den Gang und prüft, ob das Becken schief steht oder die Beine eine unterschiedliche Länge haben.

Bildgebende Untersuchungen wie Röntgenbilder, Ultraschall, Computer-Tomografie oder Magnetresonanz-Tomografie sind bei einer Arthrose nur begrenzt aussagekräftig. So gibt es Menschen mit starken Veränderungen am Gelenk, die kaum Beschwerden haben, und andere mit starken Beschwerden, deren Gelenk gesund aussieht. Studien zeigen, dass nur ein Viertel aller Menschen mit im Röntgenbild sichtbarer Arthrose Schmerzen hat.

Wegen ihrer begrenzten Aussagekraft sind bildgebende Untersuchungen also oft nicht hilfreich. Die Behandlung sollte sich ohnehin nach den Beschwerden und der persönlichen Situation richten.

Sinnvoll sind bildgebende Untersuchungen oder Bluttests, wenn der Verdacht auf eine andere Erkrankung besteht, wie zum Beispiel eine rheumatoide Arthritis oder Gicht – oder wenn nach einem Sturz oder Unfall ein Knochenbruch ausgeschlossen werden soll. Auch für die Planung einer Operation werden sie benötigt.

Behandlung

Eine Hüftarthrose lässt sich nicht heilen. Verschiedene Behandlungen können aber die Beschwerden lindern. Vor allem kann man selbst viel tun, um das Gelenk zu stärken.

Zu den empfohlenen Behandlungen gehören vor allem:

  • Bewegungstherapien wie zum Beispiel Physiotherapie mit Übungen zur Stärkung der Oberschenkel- und Hüftmuskulatur
  • Reha-Sport, Funktionstraining, Wassergymnastik und Tai-Chi
  • entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) zum Einnehmen – sie können auch dabei helfen, trotz Schmerzen in Bewegung zu bleiben
  • bei starkem Übergewicht eine Gewichtsabnahme

Außerdem wird empfohlen, gut dämpfende, stützende und bequem sitzende Schuhe ohne Absätze zu tragen.

Auch Kortisonspritzen können die Beschwerden einer Hüftarthrose nachweislich lindern. Die Wirkung lässt aber mit der Zeit nach und endet nach 2 bis 3 Monaten. Kortisonspritzen gelten eher als sinnvoll, wenn nur ein einzelnes Gelenk von Arthrose betroffen ist, das Hüftgelenk akut entzündet ist oder stark schmerzt.

Kortisonspritzen sind aber keine langfristige Lösung. Zum einen können wiederholte Spritzen langfristig den Gelenkknorpel schwächen. Zum anderen kann jede Spritze Nebenwirkungen haben und selten auch zu ernsthaften Komplikationen wie einer Infektion führen.

Weil nur wenige Studien die Wirksamkeit von Kortisonspritzen bei Hüftarthrose untersucht haben, gibt es unterschiedliche Anwendungsempfehlungen. Wenn Kortisonspritzen eingesetzt werden, ist es wichtig, dass die Ärztin oder der Arzt Erfahrung damit hat und auf eine ausreichende Hygiene achtet. Sie oder er sollte zum Beispiel ein Ultraschallgerät verwenden, um die Spritze richtig zu setzen, damit sie optimal wirken kann und möglichst keine Nerven, Gefäße oder andere Strukturen verletzt werden.

Wenn eine fortgeschrittene Arthrose den Alltag und die Lebensqualität stark beeinträchtigt und andere Behandlungen nicht ausreichen, kommt ein künstliches Hüftgelenk infrage. Nach der Operation ist eine aktive Rehabilitation wichtig – und etwas Geduld. Bis man sich an das neue Gelenk gewöhnt und der Körper sich von dem Eingriff erholt hat, kann es einige Wochen oder Monate dauern.

Für andere Behandlungen ist nicht nachgewiesen, dass sie bei Hüftarthrose helfen – dazu gehören unter anderem:

  • Schmerzmittel zum Auftragen auf die Hüfte
  • Paracetamol
  • Hyaluronsäure-Spritzen
  • Röntgenreizbestrahlung (auch: Orthovolttherapie)
  • Nahrungsergänzungsmittel, zum Beispiel mit Chondroitin, Glucosamin oder Vitaminen
  • pflanzliche Präparate, zum Beispiel auf Basis von Teufelskralle oder Brennnesseln
  • Akupunktur
  • Lebensmittel oder Lebensmittelextrakte zum Beispiel auf Basis von Soja oder Avocado
  • therapeutischer Ultraschall, Laserbehandlungen, TENS-Behandlungen oder spezielle Wärmebehandlungen (Diathermie)

Entscheiden

Menschen mit leichten Beschwerden aufgrund einer Hüftarthrose können ihren Alltag meist gut bewältigen und bekommen ihre Schmerzen beispielsweise mithilfe von gezielter Bewegung in den Griff. Ein künstliches Hüftgelenk kommt bei leichten Beschwerden nicht infrage – die Risiken und der Aufwand des Eingriffs wären zu groß. Bei sehr starken Beschwerden kann ein künstliches Gelenk hingegen eine große Erleichterung sein – vor allem, wenn nichts anderes hilft.

Oft ist die Entscheidung für oder gegen einen solchen Eingriff aber nicht so einfach. Dabei spielen verschiedene Aspekte eine Rolle:

  • wie stark die Schmerzen sind und wann sie auftreten,
  • die Auswirkungen der Arthrose auf Alltag, Beruf, Sozialleben, psychisches Wohlbefinden sowie Mobilität und
  • welche Behandlungen man schon ausprobiert hat.

Mit der Ärztin oder dem Arzt lassen sich diese Aspekte besprechen – und auch, ob die persönlichen Ziele durch eine Operation erreicht werden können.

Ärztinnen und Ärzte, die ein künstliches Hüftgelenk empfehlen, müssen außerdem auf das Recht auf eine kostenlose zweite ärztliche Meinung hinweisen.

Leben und Alltag

Menschen mit Arthrose wird manchmal der Eindruck vermittelt, dass es sich um eine unaufhaltbare Erkrankung handelt, gegen die man nichts tun kann – oder eine normale Alterserscheinung, die man akzeptieren muss. Dies ist aber nicht der Fall, deshalb sollte man sich durch solche Äußerungen nicht verunsichern lassen. Auch wenn eine Arthrose nicht heilbar ist: Es gibt vieles, was man für die Gelenke und gegen die Beschwerden tun kann.

Wichtig ist, selbst aktiv zu werden und gemeinsam mit den Ärztinnen und Ärzten, Therapeutinnen und Therapeuten Behandlungen und Wege zum Umgang mit der Erkrankung zu finden, die zur eigenen Situation passen.

Auch wenn eine Arthrose die Lebensqualität einschränken kann, lohnt es sich, eine positive Grundhaltung zu bewahren. Denn auch die eigenen Gefühle, Gedanken und das Verhalten beeinflussen, wie belastend die Schmerzen sind.

Menschen mit Arthrose werden viele Therapien ohne Nutzen angeboten, die teils mit unrealistischen Versprechen beworben werden. Hier ist eine gesunde Skepsis angebracht, denn eine Wunderwaffe gegen Arthrose gibt es nicht. Es kann hilfreich sein, realistische Erwartungen zu entwickeln, zu lernen, gut mit der Erkrankung zu leben und sich auf nachweislich nützliche Behandlungen zu konzentrieren.

Wenn eine Hüftarthrose fortschreitet, kann sie viele Lebensbereiche beeinträchtigen. Viele Menschen lernen aber mit der Zeit, den Alltag trotz Erkrankung zu meistern – zum Beispiel nehmen sie sich mehr Zeit für anfallende Arbeiten und passen ihre körperlichen Aktivitäten an.

Gehhilfen wie Gehstöcke, Gehgestelle und Rollatoren können die Gelenke entlasten und die Fortbewegung in und außerhalb der Wohnung erleichtern. Wie man Hilfsgeräte richtig einstellt und mit ihnen umgeht, können Physio- oder Ergotherapeutinnen und -therapeuten und Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen wie Orthopädie, Rheumatologie und Geriatrie zeigen.

Weitere Informationen

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Informationen zur Gesundheitsversorgung in Deutschland helfen dabei, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und eine passende Arztpraxis zu finden. Mit einer Frageliste kann man sich auf den Arztbesuch vorbereiten.

Welches Bewegungstraining eignet sich bei Hüftarthrose?

Bei Hüftarthrose kommen unterschiedliche Bewegungsarten infrage. Empfohlen werden zum Beispiel:

  • Kräftigungstraining und Dehnübungen
  • Wassergymnastik
  • Ausdauertraining
  • Tai-Chi und Yoga

Sinnvoll ist zudem, im Alltag aktiv zu bleiben – zum Beispiel, indem man möglichst viele Wege mit dem Fahrrad oder zu Fuß erledigt und Treppen steigt, statt den Aufzug oder die Rolltreppe zu nehmen.

Als Ausdauersportarten eignen sich vor allem solche mit gleichmäßigen Bewegungsabläufen, bei denen die Gelenke nicht durch ruckartige Bewegungen belastet werden – wie , Radfahren oder Schwimmen.

Wer unsicher ist, welche Übungen oder Sportarten gut geeignet sind, lässt sich am besten in einer physiotherapeutischen oder ärztlichen Praxis beraten und anleiten, die sich mit Arthrose auskennt. Wichtig ist, dass die Übungen zu den eigenen Voraussetzungen passen: zum einen zum Arthrose-Stadium, zum anderen zur vorhandenen Beweglichkeit, Muskelkraft und Koordinationsfähigkeit. Es kommt darauf an, ein Training zu finden, für das man sich möglichst dauerhaft motivieren kann.

Wie finde ich das richtige Maß an Bewegung?

Häufig und eher kurz zu trainieren, ist besser als selten und lang – unter anderem, weil der Körper sich dann schneller erholt und anpasst. Idealerweise trainiert man 2- bis 3-mal pro Woche für etwa 45 Minuten.

Übungen zur Stärkung der Muskulatur müssen anstrengend sein – sonst haben sie keinen Trainingseffekt. Es ist auch normal, wenn es dabei zu leichten vorübergehenden Schmerzen kommt. Starke Schmerzen sollten aber nicht auftreten. Anzeichen für ein zu intensives Training sind

  • Schmerzen, die sich auf einer Skala von 0 (keine Schmerzen) bis 10 (maximale Schmerzen) stärker als eine 5 anfühlen,
  • Schmerzen, die noch Stunden nach dem Training anhalten, und
  • geschwollene Gelenke am Tag danach.

Bei solchen Anzeichen sollte man weniger Wiederholungen machen oder leichtere Übungen wählen. Bei Problemen ist es zudem immer sinnvoll, eine physiotherapeutische Fachkraft zu fragen, ob man die Übungen richtig ausführt oder ob sich andere besser eignen.

Warum sollte man die Angst vor Schmerzen überwinden?

Vor allem, wenn man mit einem Training anfängt, können die Gelenke schmerzen. Das bedeutet aber nicht, dass sie dadurch geschädigt werden. Wer beim Training leichte Schmerzen bekommt, muss es also deshalb nicht abbrechen.

Schmerzen bei Arthrose sind noch aus anderen Gründen nicht immer ein guter Ratgeber: Wie man sie empfindet, hängt stark von der Stimmung und der aktuellen Situation ab. Wer zum Beispiel unter Anleitung in einer Gruppe trainiert, wird sich um leichte Schmerzen möglicherweise weniger Sorgen machen oder sie viel weniger spüren als jemand, der allein zu Hause übt und sich dabei unsicher ist.

Wer aktiv bleibt, hat viele Vorteile: Zahlreiche Studien zeigen, dass körperliches Training Arthroseschmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern kann. Durch das Training werden körpereigene Stoffe freigesetzt, die eine schmerzlindernde Wirkung haben. Bewegung senkt auch das Risiko für Stürze.

Wie komme ich an ein geeignetes Bewegungsprogramm?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

  • physiotherapeutisch angeleitetes Training
  • Funktionstraining oder Reha-Sport in Gruppen
  • Präventionskurse der gesetzlichen Krankenkassen (zum Beispiel Tai-Chi)

Das Ziel einer ist, Übungen zu erlernen, die dann langfristig und eigenständig umgesetzt werden können. Ärztinnen und Ärzte können bei einer Arthrose bis zu sechs Einheiten verordnen – wenn es medizinische Gründe gibt, auch mehr. Nach sechs Monaten kann ein neues Physiotherapie-Rezept ausgestellt werden.

Für Menschen mit Arthrose werden auch viele Gruppenkurse angeboten. Zum Beispiel organisieren größere Sportvereine oder Selbsthilfegruppen oft Trainingsgruppen, die speziell auf die Bedürfnisse bei Arthrose zugeschnitten sind. Dazu gehört das sogenannte Funktionstraining: Gymnastik oder Wassergymnastik, die von einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten angeleitet wird. Der Vorteil: Wenn der Veranstalter von den Krankenkassen anerkannt ist, kann Funktionstraining in Gruppen 2-mal pro Woche für bis zu 24 Monate auf Kosten der gesetzlichen Krankenkasse in Anspruch genommen werden. Die Ärztin oder der Arzt kann das Funktionstraining auf einem speziellen Formular verordnen, ohne ihr oder sein Budget zu belasten. Dies gilt auch für sogenannten Rehasport zur Verbesserung von Ausdauer, Kraft, Koordination und Beweglichkeit. Rehasport wird in der Gruppe angeboten, in der Regel an 50 Terminen über 18 Monate.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen außerdem ganz oder teilweise die Kosten für verschiedene Präventions- und Gesundheitskurse. Diese können sich auch für Menschen mit Arthrose eignen – zum Beispiel Kurse zur Kräftigung der Muskeln und Gelenke oder Tai-Chi. Manche werden auch als Online-Kurse angeboten. Die eigene Krankenkasse informiert dazu, in welcher Höhe sie die Kosten erstattet.

Was hilft dabei, in Bewegung zu bleiben?

Regelmäßiges Training in den Alltag einzubauen, erfordert Motivation und kann zunächst schwerfallen. Vielen Menschen gelingt das auf Dauer besser, wenn sie Kurse an festen Terminen besuchen oder sich mit Freundinnen oder Freunden zum Training verabreden. Manche richten sich auch auf dem Smartphone Erinnerungen ein, packen schon vor der Arbeit die Sporttasche oder motivieren sich durch kleine Belohnungen. Nicht zuletzt sind Fitnessuhren und Smartphone-Apps eine Möglichkeit, einen Überblick über die eigenen Aktivitäten zu behalten, sich Ziele zu setzen und zu motivieren. Sinnvoll sind zudem regelmäßige Kontrolltermine zum Beispiel in einer Physiotherapie- oder Arztpraxis. Dabei kann auch das Bewegungsprogramm angepasst werden.

Mit ein wenig Geduld stellen sich irgendwann Erfolgserlebnisse ein, die helfen, am Ball zu bleiben. Gehört das Training schließlich ganz selbstverständlich zum Alltag, möchten viele Menschen es nicht mehr missen.

Kann eine Gewichtsabnahme die Gelenke entlasten?

Bei Arthrose und starkem Übergewicht wird oft empfohlen, abzunehmen. Denn das Hüftgelenk muss dann weniger tragen und wird entlastet. Es gibt aber noch einen anderen Grund: Körperfett bildet entzündungsfördernde Stoffe (Adipokine). Sie können den Knorpel angreifen und zu Gelenkschwellungen führen.

Ob eine Gewichtsabnahme bei Hüftarthrose hilft, ist bislang nicht gut erforscht. Für Kniearthrose konnten Studien jedoch zeigen, dass eine Gewichtsreduktion von mehr als 5 % die Beweglichkeit verbessern und die Gelenkschmerzen lindern konnte.

Abzunehmen ist nicht ganz einfach, erfordert Motivation und Geduld. Es gibt jedoch verschiedene Programme, die helfen können, durchzuhalten. Langfristig das niedrigere Gewicht zu halten, gelingt am besten durch eine angemessene Ernährung, die dem Energiebedarf des Körpers entspricht, zusammen mit ausreichend Bewegung.

Was kann ich noch tun?

Für Menschen mit Arthrose ist es sinnvoll, gut sitzende Schuhe mit dämpfenden Sohlen zu tragen. Sie sollten das Fußgewölbe stützen und ausreichend Platz für die Zehen bieten. Enge Schuhe mit hohen Absätzen sind dagegen ungünstig.

Auch Hilfsmittel wie eine Gehhilfe oder ein Gehstock können die Gelenke entlasten – zum Beispiel, wenn das selbstständige Gehen schwerfällt oder Sturzgefahr besteht. Gehstöcke werden in der Regel auf der nicht oder weniger stark betroffenen Körperseite benutzt. Dadurch wird das schmerzende Bein beim Gehen entlastet.

Viele Menschen nutzen auch Wärme- oder Kälteanwendungen, um ihre Beschwerden zu lindern – zum Beispiel Wärmflaschen und Wärmekissen oder Kühlpacks. Wärmeanwendungen regen die Durchblutung an. Dies soll die Muskulatur entspannen und die Gelenke lockern. Bei akut entzündeten oder geschwollenen Gelenken wird jedoch von Wärme abgeraten, da sie die Beschwerden noch verstärken kann. Dann ist meist eher Kühlung angenehm. Kälteanwendungen sollen die Beschwerden lindern, indem sie die Durchblutung verringern und die Nerven betäuben.

Wichtig bei Wärme- und Kälteanwendungen ist, die Haut vor Verbrennungen oder Erfrierungen zu schützen – zum Beispiel, indem man ein Tuch um die Wärmflasche oder das Kühlpack wickelt und sie nur einige Minuten auf der Haut lässt. Vor allem Menschen mit Nervenschäden, zum Beispiel aufgrund von Diabetes, sollten vorsichtig sein. Das Gleiche gilt bei Hautverletzungen und Hauterkrankungen.

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