Lecanemab (Leqembi) bei leichter kognitiver Beeinträchtigung

Einleitung
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat zuletzt 2026 geprüft, ob Lecanemab für Erwachsene mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI), die die weiteren Anforderungen an die Behandlung erfüllen, im Vergleich zu abwartendem Beobachten Vor- oder Nachteile hat.
Der Hersteller legte eine Studie mit knapp 1800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor. Für die Frage wurden aus dieser Studie die Daten von knapp 500 Patientinnen und Patienten ausgewertet: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser relevanten Untergruppe erfüllten alle Anforderungen an die Behandlung mit Lecanemab:
- Sie hatten eine leichte kognitive Beeinträchtigung (Gedächtnis- und Denkprobleme).
- Sie wiesen die für eine Alzheimer-Krankheit typischen Eiweißablagerungen (Amyloid-Beta-Plaques) im Gehirn auf.
- In ihrem Erbgut fand sich nur eine oder keine Kopie einer bestimmten Genvariante (ApoE4).
- Sie wurden zu Beginn der Studie nicht mit einem Gerinnungshemmer behandelt.
Von diesen Teilnehmenden erhielten 252 Lecanemab und 245 ein Scheinmedikament (Placebo). Alle wurden wie üblich ärztlich betreut. Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer, die mit Cholinesterasehemmern (Donezepil, Galantamin, Rivastigmin) oder Memantin behandelt wurden, wurden nicht berücksichtigt. Diese Medikamente sind zur Behandlung einer leichten kognitiven Störung nicht zugelassen und entsprechen nicht der Standardtherapie.
Nach einer Behandlungsdauer von 18 Monaten zeigten sich folgende Ergebnisse:
Welche Vorteile hat Lecanemab?
Welche Nachteile hat Lecanemab?
Wo zeigte sich kein Unterschied?
Lebenserwartung: Aus den Studiendaten wird abgeleitet, dass es während der Studiendauer von 18 Monaten zwischen den Gruppen keinen Unterschied in der Lebenserwartung gab.
Schwere Nebenwirkungen und Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen: In beiden Gruppen traten bei etwa 11 bis 15 von 100 Personen schwere Nebenwirkungen auf. Insgesamt brachen etwa 3 bis 4 von 100 Personen die Teilnahme an der Studie ab.
Beschwerden durch Schwellungen und Blutungen im Gehirn: Für diese Nebenwirkungen zeigte sich kein relevanter Unterschied zwischen den Gruppen: Es hatten bis zu 2 von 100 Personen damit zu tun.
Bei den folgenden Aspekten zeigte sich ebenfalls kein Unterschied. Das IQWiG zog dafür die vom Hersteller gelieferten Responderanalysen heran. Sie ermöglichen eine Aussage dazu, wie viele Personen nach 18 Monaten eine spürbare Verschlechterung erlebten.
- Demenz-Beschwerden: Bei etwa 10 bis 12 von 100 Personen verschlechterten sich die Demenz-Beschwerden spürbar, unabhängig davon ob sie Lecanemab erhalten hatten oder ein Placebo. Die Beschwerden wurden mit dem sogenannten CDR-SB-Fragebogen erfragt.
- Gedächtnis- und Denkleistung: Die Gedächtnis- und Denkleistung verschlechterte sich in beiden Gruppen bei etwa 5 von 100 Personen spürbar.
- Gesundheitszustand: Etwa 17 von 100 Personen wiesen einen spürbar schlechteren Gesundheitszustand auf, unabhängig von der Behandlung.
- Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Sie verschlechterte sich in beiden Gruppen bei etwa 10 von 100 Personen spürbar.
Welche Fragen sind noch offen?
Weitere Informationen
Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse der Gutachten zusammen, die das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Lecanemab (Leqembi).
Quellen
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.
Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.