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Nahrungsmittelallergie

Nahrungsmittelallergie
Aktualisiert am: 12.07.2023· Nächstes Update: 2027
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Die Behandlungsmöglichkeiten von Nahrungsmittelallergien sind begrenzter als bei anderen . Sie bestehen vor allem darin, den Kontakt mit dem Auslöser zu vermeiden und zu lernen, mit akuten Beschwerden umzugehen.

Nahrungsmittelallergie und Nahrungsmittelintoleranz werden häufig verwechselt. Die folgende Tabelle zeigt, worin sie sich unterscheiden.

Tabelle: Unterschiede zwischen Nahrungsmittelallergie und -intoleranz
Nahrungsmittelallergie Nahrungsmittelintoleranz
  • Das Immunsystem reagiert auf eigentlich harmlose Eiweiße und bildet .
  • Häufige Beschwerden sind Juckreiz, Schwellung in Mund und Rachen, Hautausschlag, Übelkeit und Durchfall. Es können auch stärkere Reaktionen wie Blutdruckabfall und Bewusstlosigkeit auftreten.
  • Beschwerden treten meist unmittelbar auf.
  • Schon kleine Mengen führen zu teils starken Reaktionen.
  • Der Körper kann bestimmte Stoffe schlecht verdauen oder abbauen.
  • Häufige Beschwerden sind Blähungen, Magenkrämpfe, Erbrechen und Durchfall.
  • Die Beschwerden treten meist nach einigen Stunden auf.
  • Kleine Mengen werden meist vertragen.

Symptome

Bei einer Nahrungsmittelallergie können schon kleine Mengen eines Lebensmittels ausreichen, um Beschwerden auszulösen. Die Symptome können sehr unterschiedlich sein und verschiedene Organe betreffen:

  • Reaktionen in Mund und Rachen und auf der Haut: Sie treten am häufigsten auf. Es kommt dabei zu Juckreiz und Schwellung oder zu Hautausschlägen mit Rötung und Quaddeln.
  • Magen-Darm-Beschwerden: Typisch sind Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. Die Beschwerden zeigen sich meist innerhalb einer halben Stunde nach dem Essen, spätestens einige Stunden danach.
  • Atemprobleme: Anzeichen sind Husten, Heiserkeit oder pfeifende Atmung.

Nahrungsmittel können auch stärkere anaphylaktische Reaktionen auslösen. Dabei kann es zu Blutdruckabfall und Bewusstlosigkeit kommen. Außerdem können Gesicht und Atemwege anschwellen, was zu Atemnot führen kann.

Die Beschwerden können je nach Auslöser unterschiedlich ausfallen. So führen Obst und Gemüse in der Regel eher zu leichteren Symptomen wie Hautausschlägen, während Nüsse oder Schalentiere häufiger starke Beschwerden auslösen.

Die Symptome einer Nahrungsmittelallergie können leicht mit denen anderer Erkrankungen oder mit Unverträglichkeiten wie einer Laktoseintoleranz oder einer Zöliakie verwechselt werden. Manche Nahrungsmittel enthalten Zusatz- und Aromastoffe wie Glutamat, die allergieähnliche Beschwerden verursachen können. Auch bei Magen-Darm-Infekten oder dem Reizdarmsyndrom können ähnliche Verdauungsprobleme auftreten. Eine genaue Abklärung der Beschwerden ist deshalb wichtig.

Ursachen und Risikofaktoren

Bei einer Nahrungsmittelallergie reagiert das Immunsystem auf eigentlich harmlose Eiweiße in der Nahrung, als wären sie Fremdkörper.

Manche Menschen haben familiär bedingt eine erhöhte Neigung zu Allergien. Eine Nahrungsmittelallergie kann zudem mit einer Kreuzallergie auf Pollen einhergehen. Das heißt, dass Menschen mit einer Pollenallergie dann auch auf bestimmte Nahrungsmittel allergisch reagieren. Der Grund dafür ist, dass deren Eiweiße denen von Pollen sehr ähneln. Meist sind Birkenpollen der Auslöser, zum Beispiel für eine Kreuzallergie auf Äpfel, Sellerie, Nüsse oder Karotten.

Davon abgesehen ist unklar, wie es zu einer Nahrungsmittelallergie kommt. Typische Auslöser sind:

  • Nüsse und Hülsenfrüchte: vor allem Erdnuss, Walnuss und Haselnuss
  • Hühnerei, Kuhmilch, Soja, Weizen
  • Kern- und Steinobst, Sellerie, Möhren
  • Fisch, Meeresfrüchte, Fleisch

Bei Kindern sind Allergien gegen Nüsse, Kuhmilch, Soja, Weizen und Hühnerei am häufigsten. Erwachsene sind meist gegen Nüsse, Soja, Sellerie oder Meeresfrüchte allergisch. Die meisten Betroffenen reagieren auf 1 bis 3 verschiedene Nahrungsmittel.

Häufigkeit und Verlauf

Etwa 4 % der Bevölkerung haben eine Nahrungsmittelallergie. Sie kann in jedem Lebensalter erstmals auftreten. Je nach Alter und Auslöser verläuft die Allergie sehr unterschiedlich.

Wie sich eine Nahrungsmittelallergie langfristig entwickelt, lässt sich nur schwer vorhersagen: Je stärker die Beschwerden und je deutlicher die Reaktionen in Allergietests, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Allergie bestehen bleibt. Bei Kindern mit einer Milcheiweiß-, Weizen- oder Sojaallergie klingen die Beschwerden allerdings oft nach wenigen Jahren ab, da der Körper lernt, die Allergene zu tolerieren.

Tritt eine Allergie erstmals im Erwachsenenalter auf, ist sie meist von Dauer – wie zum Beispiel eine Allergie gegen Fisch oder Meeresfrüchte. Auch Nussallergien bleiben häufig länger oder dauerhaft bestehen.

Etwa die Hälfte der Kinder mit einer Nahrungsmittelallergie entwickelt später ein allergisches Asthma oder einen allergischen Schnupfen.

Diagnose

Besteht der Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie, helfen Haut- und Bluttests, den Auslöser ausfindig zu machen. Bei diesen Tests wird untersucht, ob das Immunsystem auf bestimmte Auslöser übermäßig reagiert.

Beim Hauttest (Prick-Test) werden mögliche Allergene mit etwas Abstand voneinander auf den Unterarm aufgetragen. Anschließend wird die Haut an diesen Stellen leicht eingeritzt, damit die Substanzen in die Haut gelangen. Dann wird beobachtet, ob sie sich rötet oder juckende Quaddeln entstehen. Bei der Blutuntersuchung prüft die Ärztin oder der Arzt, ob der Körper bestimmte Antikörper (vor allem IgE-Antikörper) gegen ein Nahrungsmittel gebildet hat.

Diese Untersuchungen reichen aber meist nicht aus, um eine Nahrungsmittelallergie nachzuweisen oder auszuschließen. Oft ist ein Provokationstest nötig, bei dem kleine Mengen des verdächtigen Nahrungsmittels unter ärztlicher Beobachtung gegessen werden.

Je nach Situation können auch ein Ernährungs- und Beschwerde-Tagebuch oder eine Auslassdiät weiterhelfen.

Behandlung

Die wichtigste Behandlung besteht darin, die entsprechenden Nahrungsmittel zu vermeiden.

Medikamente werden in der Regel nur bei stärkeren Beschwerden kurzfristig eingesetzt, eine medikamentöse Dauertherapie spielt bislang kaum eine Rolle.

Eine anaphylaktische Reaktion wird mit einem Notfallset behandelt. Dieses enthält Medikamente, um eine schwere Reaktion zu behandeln und einer Verschlimmerung vorzubeugen.

Weitere Informationen

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. In unserem Thema „Gesundheitsversorgung in Deutschland“ informieren wir darüber, wie man die richtige Praxis findet – und mit unserer Frageliste möchten wir dabei helfen, sich auf den Arztbesuch vorzubereiten.

Wie werden Nahrungsmittelallergien festgestellt?

Im Diagnosegespräch fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst danach, welche Beschwerden aufgetreten sind und was gegessen und getrunken wurde. Bei dauerhaften Beschwerden kann es zudem sinnvoll sein, dies für einige Tage bis Wochen in einem Ernährungs- und Beschwerde-Tagebuch festzuhalten.

Wie bei anderen können ein Hauttest und eine Blutuntersuchung Aufschluss geben. Bei der Blutuntersuchung wird geprüft, ob der Körper bestimmte Antikörper (meist IgE-Antikörper) gegen ein Nahrungsmittel gebildet hat. Beim Hauttest wird eine Lösung mit Nahrungsmitteleiweiß auf die leicht angeritzte Haut gegeben und beobachtet, ob sie sich rötet oder juckende Quaddeln entstehen.

Auch eine Auslassdiät (Eliminationsdiät) kann bei der helfen. Dabei wird für 1 bis 4 Wochen auf die verdächtigen Nahrungsmittel verzichtet und in einem Ernährungs-Tagebuch festgehalten, wie sich die Beschwerden entwickeln.

Um eine Nahrungsmittelallergie nachzuweisen, ist meist ein Provokationstest nötig, bei dem man kleine Mengen des verdächtigen Nahrungsmittels unter ärztlicher Beobachtung zu sich nimmt. Dies soll die Beschwerden gezielt auslösen. Je nach vermuteter Schwere der allergischen Reaktion wird der Test in der Praxis oder in der Klinik unter Notfallbereitschaft gemacht.

Allergietests werden bei Kindern und Jugendlichen regelmäßig wiederholt, um zu überprüfen, ob sie die Nahrungsmittel wieder vertragen. Der Zeitpunkt hängt von der Art des Auslösers ab: Bei Milchallergien wird beispielsweise in kürzeren Zeitabständen getestet als bei Schalenfrüchten oder Erdnüssen, da sich eine Milchallergie häufiger nach wenigen Jahren wieder zurückbildet. Bei Säuglingen und Kleinkindern wird nur das Blut untersucht und auf Hauttests verzichtet.

Welche Tests sind zur Diagnose ungeeignet?

Die Bestimmung anderer im Blut (sogenannte IgG/IgG4-Antikörper) wird in manchen Praxen als Privatleistung angeboten. Diese Untersuchung wird derzeit allerdings nicht empfohlen, da sie nicht sehr aussagekräftig ist.

Vor allem Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker bieten „alternative“ Allergietests an. Dazu zählen zum Beispiel die Bioresonanz, die Haaranalyse, die Irisdiagnostik oder der ALCAT-Test, eine Blutuntersuchung auf Entzündungsreaktionen. Solche Verfahren sind zur Feststellung einer jedoch ungeeignet.

Wie werden Nahrungsmittelallergien behandelt?

Die wichtigste Behandlung besteht darin, auf die auslösenden Nahrungsmittel zu verzichten. Wie dies gelingt, hängt vom Nahrungsmittel ab. Eine Ernährungsberatung oder ein Schulungsprogramm können helfen: Dort erfährt man, wie sich die Allergieauslöser vermeiden und bei Bedarf ersetzen lassen. Man lernt, die entsprechenden Nahrungsmittel beim Kauf, bei der Zubereitung oder bei Restaurantbesuchen zu erkennen. Zudem ist der Umgang mit anaphylaktischen Reaktionen ein Thema.

Medikamente spielen bei der Behandlung leichterer Beschwerden bislang fast keine Rolle. Wie gut sie helfen, ist kaum untersucht. Die wenigen Studien sprechen jedoch dafür, dass sogenannte H1-Antihistaminika akute Hautbeschwerden etwas lindern können. Medikamente werden in der Regel nur bei stärkeren Beschwerden kurzfristig eingesetzt, eine medikamentöse Dauertherapie wird bislang kaum angeboten.

Immer wieder wird behauptet, dass Prä- und Nahrungsmittelallergien wirksam behandeln. Dafür gibt es jedoch keine Belege.

Wie wird eine anaphylaktische Reaktion behandelt?

Um eine anaphylaktische Reaktion sofort behandeln zu können, ist es wichtig, ein Notfallset in der Nähe zu haben. Es enthält eine Adrenalin-Spritze, ein und eine kortisonhaltige Tablette oder Flüssigkeit. Bei leichteren Beschwerden ohne Luftnot oder Kreislaufsymptome können zunächst das und die Kortisontablette eingenommen werden. Bei schweren Reaktionen mit Atemnot und Kreislaufproblemen ist es wichtig, zuerst möglichst rasch das Adrenalin in einen Muskel zu spritzen – am besten in den Oberschenkelmuskel. Dazu muss man nicht auf die Notärztin oder den Notarzt warten. Die Adrenalinspritze kann man sich selbst setzen oder von Angehörigen geben lassen.

Kann eine Hyposensibilisierung helfen?

Eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie), wie sie bei anderen möglich ist, wird bei Nahrungsmittelallergien bislang noch nicht angeboten. Die dazu nötigen Wirkstoffe sind in Deutschland derzeit nicht zugelassen. Es gibt einige Studien, die die Wirksamkeit einer bei verschiedenen Nahrungsmittelallergien überprüft haben – etwa bei gegen Erdnüsse oder Hühnerei. In diesen Studien kam es aber häufig zu anaphylaktischen Reaktionen auf die Behandlung. Deshalb wird empfohlen, eine nur im Rahmen von Studien durchführen zu lassen.

Welche Nahrungsmittel muss ich ersetzen?

Auf manche Nahrungsmittel wie Nüsse, Fisch oder Fleisch kann meist ohne gesundheitliche Nachteile verzichtet werden. Andere müssen vielleicht ersetzt werden, da sonst wichtige Nährstoffe wie Eiweiß oder fehlen können. Ein Beispiel dafür ist Kuhmilch für Kinder. Vor allem bei Kindern sollte man regelmäßig überprüfen, ob der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel noch nötig ist.

Kuhmilch kann für Säuglinge durch eine allergenarme Spezialnahrung ersetzt werden, die sogenannte Hydrolysatnahrung. Sojamilch wird für Kinder unter einem Jahr nicht empfohlen, da manche Säuglinge sie nicht gut vertragen.

Wie erkenne ich, ob ein Nahrungsmittel Allergieauslöser enthält?

Es gibt eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht für die 14 wichtigsten Nahrungsmittel und -bestandteile, die auslösen können:

  1. glutenhaltiges Getreide wie Weizen, Roggen, Gerste oder Hafer
  2. Krebstiere
  3. Eier
  4. Fisch
  5. Erdnüsse
  6. Sojabohnen
  7. Milch
  8. Schalenfrüchte wie Mandeln, Hasel- und Walnüsse
  9. Sellerie
  10. Senf
  11. Sesamsamen
  12. schwefelhaltige Konservierungsstoffe (Sulfite)
  13. Lupinen
  14. Schalen- und Weichtiere wie Muscheln, Austern oder Tintenfische

Diese Nahrungsmittel und Stoffe müssen auf der Verpackung hervorgehoben werden, etwa durch eine besondere Schriftart oder Hintergrundfarbe. Unbeabsichtigte Spuren solcher Nahrungsmittel müssen laut Gesetz nicht gekennzeichnet werden. Allerdings wird bei vielen Lebensmitteln darauf hingewiesen.

Auch bei unverpackten Lebensmitteln muss über Allergene informiert werden. Das betrifft beispielsweise Kuchen und Brot aus der Bäckerei, Gerichte im Restaurant oder Wurst aus der Metzgerei. Die Informationen können mündlich oder schriftlich zur Verfügung gestellt werden – etwa in der Speisekarte, auf einem Informationsblatt oder elektronisch auf der Website des Geschäfts.

Weitere Informationen zur Kennzeichnung von Lebensmitteln finden sich auf der Internetseite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

Was kann ich tun, wenn ich durch die Allergie im Beruf belastet bin?

Manche Menschen sind durch Nahrungsmittelallergien im Beruf beeinträchtigt. Meist betrifft dies Menschen, die über die Atemwege oder die Haut Kontakt mit den Allergenen haben. So können Beschäftigte in Bäckereien eine Mehlstauballergie bekommen, die allergischen Schnupfen und asthmatische Beschwerden auslösen kann. Manche Köchinnen und Köche bekommen durch den Kontakt mit Lebensmitteln einen Hautausschlag an den Händen.

Die Folgen einer Nahrungsmittelallergie können als Berufskrankheit anerkannt werden. Dann übernimmt die gesetzliche Unfallversicherung die Kosten für bestimmte Maßnahmen wie Schutzkleidung. Sie kann auch dabei helfen, den Kontakt mit Allergenen zu vermeiden oder zu verringern. Wie gut dies gelingt, hängt von der Art der Tätigkeit und der ab.

Quellen

Biedermann T, Heppt W, Renz H et al. Allergologie. Berlin: Springer; 2016.

De Silva D, Geromi M, Panesar SS et al. Acute and long-term management of food allergy: systematic review. Allergy 2014; 69(2): 159-167.

Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). Leitlinie zum Management IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien (S2k-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 061-031. 2021.

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). AR101 (Erdnussallergie): Dossierbewertung; Auftrag A21-135. 2022.

Kurowski K, Boxer RW. Food allergies: detection and management. Am Fam Physician 2008; 77(12): 1678-1686.

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