Operationen

Einleitung
Über 16 Millionen stationäre Eingriffe finden in Deutschland jährlich allein in Krankenhäusern statt. Hinzu kommen viele ambulante Operationen in ärztlichen Praxen. Am häufigsten sind Eingriffe an Gelenken wie Hüfte, Knie oder Schulter und an inneren Organen wie Magen, Gallenblase, Gebärmutter oder Darm.
Was eine Operation bedeutet, hängt sehr von der Situation ab: Derselbe Eingriff kann bei dem einen kurz und unkompliziert sein, bei einem anderen langwierig und risikoreich. Bei einigen Operationen reicht eine lokale Betäubung, andere erfordern eine Vollnarkose. Oft sind Operationen eine Behandlungsmöglichkeit unter mehreren, und manchmal sind sie unumgänglich. Sie können lebensrettend sein, aber auch überflüssig.
Eins haben aber alle Operationen gemeinsam: Die meisten Menschen würden sie lieber vermeiden – sie haben Respekt oder sogar Angst davor, sich „unters Messer zu legen“. Viele möchten deshalb so gut wie möglich über die Erfolgsaussichten und Risiken eines bevorstehenden Eingriffs Bescheid wissen. Dazu zählt auch, wie man mit Angst vor der Operation umgehen kann, und wie sich Schmerzen danach lindern lassen.
Ob eine Operation ihr Ziel erreicht, hängt nicht nur vom Eingriff an sich ab: Oft sind eine gute Vorbereitung und Nachsorge für den langfristigen Erfolg entscheidend. Dabei sind Patientinnen und Patienten auch selbst gefordert.
Vorbereitung
Wie umfangreich die Vorbereitung ist, richtet sich nach der Art der Operation und danach, ob eine ansonsten gesunde Person, ein älterer Mensch oder ein Kind operiert werden soll. Muss in einem Notfall rasch operiert werden, ist zudem oft keine Zeit für eine Vorbereitung.
Bei größeren Eingriffen können viele Voruntersuchungen in einer Arztpraxis oder im Krankenhaus nötig sein. Bei den meisten Operationen reicht es aber aus, kurz vorher in die Klinik zu gehen.
Wichtig ist, dass die operierenden Ärztinnen und Ärzte über Vorerkrankungen, Allergien oder Blutgerinnungsstörungen sowie über die Einnahme von Medikamenten informiert sind.
Das Aufklärungsgespräch
Im Aufklärungsgespräch vor einer OP erklärt die Ärztin oder der Arzt den Eingriff, seinen Umfang und Ablauf. Bei der Aufklärung müssen außerdem die Erfolgsaussichten und die Risiken der Operation beschrieben werden. Thema ist auch, welche Folgen wie etwa Schmerzen die OP hat, was in der Zeit der Nachbehandlung zu beachten ist und wie lange man nicht arbeiten kann. Im Krankenhaus gehört zur Aufklärung zudem ein Gespräch mit einer Narkoseärztin oder einem Narkosearzt. Es kann helfen, sich Fragen vorab aufzuschreiben. Außer in Notfällen darf ohne Aufklärungsgespräch nicht operiert werden. Nach dem Gespräch wird per Unterschrift bestätigt, dass man über den Eingriff und seine Risiken aufgeklärt wurde und der OP zustimmt.
Zur Vorbereitung auf das Aufklärungsgespräch ist es hilfreich, alle noch offenen eigenen Fragen zur OP aufzuschreiben. Im Gespräch selbst sollte man sich nicht scheuen, Ängste und Unsicherheiten anzusprechen. Auch organisatorische Fragen können geklärt werden – zum Beispiel, wer einen nach einer ambulanten Operation nach Hause begleitet.
Wie lange muss man vor einer Vollnarkose nüchtern bleiben?
In der Regel dürfen Kinder und Erwachsene sechs Stunden vor einer Vollnarkose nichts mehr essen und zwei Stunden vorher nichts mehr trinken. Säuglinge dürfen meist vier Stunden vor einer Operation nicht mehr gestillt werden oder Flaschennahrung erhalten.
Vor der OP werden meist Medikamente gegeben, die das Einleiten der Narkose erleichtern – zum Beispiel Beruhigungsmittel oder Mittel, die die Speichel- oder Magensäureproduktion hemmen.
Die Operation
Bei größeren Eingriffen im Krankenhaus wird man zuerst in den sogenannten Einleitungsraum des OP-Bereichs gebracht. Meist wird hier die Narkose (Anästhesie) vorbereitet und eingeleitet. Sie ist nötig, damit während des Eingriffs keine Schmerzen spürbar sind. Es gibt drei verschiedene Arten der Narkose:
- örtliche Betäubung (lokale Anästhesie) bei kleineren, meist oberflächlichen Eingriffen.
- Betäubung größerer Bereiche (regionale Anästhesie) wie ein Arm, ein Bein oder auch die untere Körperhälfte.
- Vollnarkose bei größeren Eingriffen oder wenn keine Lokal- oder Regionalanästhesie möglich oder gewünscht ist. Eine Vollnarkose kann auch bei Kindern oder Menschen nötig sein, die große Angst vor dem Eingriff haben.
Bei einer Klinik-OP unter Vollnarkose sind im Operationssaal neben den operierenden Ärztinnen und Ärzten auch OP-Schwestern, -Pfleger und andere Fachkräfte anwesend. Eine Narkoseärztin oder ein Narkosearzt überwacht während der gesamten OP den Kreislauf, die Herzfunktion und die Atmung. Dazu wird man an spezielle Geräte angeschlossen, bei einer Vollnarkose auch an ein Beatmungsgerät.
Die Operationsrisiken hängen sehr stark von der Art des Eingriffs ab, aber auch vom Alter oder den Vorerkrankungen einer Patientin oder eines Patienten. Auch die Erfahrungen der Operateure spielen eine Rolle. Bei jeder Narkose besteht zudem ein Risiko für Komplikationen, zum Beispiel für Abfall oder Anstieg des Blutdrucks oder des Pulses. Bei Vollnarkosen sind Nebenwirkungen häufiger als bei Teilnarkosen. Ernsthafte Probleme durch die Narkose sind heute jedoch sehr selten.
Nachbehandlung
In Krankenhäusern werden frisch Operierte nach einer Vollnarkose in den sogenannten Aufwachraum gebracht. Hier werden sie noch eine Zeit lang von Anästhesie-Pflegekräften, Ärztinnen und Ärzten betreut und überwacht, bevor sie wieder zurück auf die Station verlegt werden. Geräte messen den Puls, den Blutdruck und die Herzaktivität.
Zu den häufigsten Nebenwirkungen direkt nach Operationen gehören Benommenheit, Übelkeit, Kreislaufprobleme durch die Vollnarkose, aber auch Schmerzen infolge des Eingriffs. Es ist wichtig, das medizinische Personal auf solche Beschwerden aufmerksam zu machen, damit sie ausreichend behandelt werden können. Denn wer starke Schmerzen hat, erholt sich meist nur langsam von einem Eingriff. In der Regel lassen sich Neben- und Folgewirkungen einer OP gut mit Medikamenten lindern.
Nach einer Bauchoperation darf meist solange nichts gegessen werden, bis sich der Darm wieder bewegt. Nach anderen Operationen ist Essen und Trinken wieder möglich, sobald die Narkose abgeklungen ist.
Nach größeren Eingriffen ist es normalerweise nötig, noch einige Tage im Krankenhaus zu bleiben. In der Zeit der Nachbehandlung kommt es vor allem darauf an, dass die Operationswunden gut heilen und man so schnell es geht wieder auf die Beine kommt. Längere Bettruhe nach Operationen ist heute die Ausnahme. Meist werden Patientinnen und Patienten dazu ermuntert, nach dem Eingriff sobald es geht wieder aufzustehen und sich zu bewegen.
Nach kleineren Eingriffen ist es oft möglich, sich schon kurz nach dem Abklingen der Betäubung abholen zu lassen und nach Hause zu gehen.
Rehabilitation
An manche Operationen schließt sich eine Rehabilitation an, die mehrere Wochen dauern kann. Diese „Anschlussheilbehandlung“ kann ambulant oder stationär angeboten werden. Durch eine Rehabilitation sollen Patientinnen und Patienten nach einem Eingriff so zu Kräften kommen, dass sie ihren normalen Alltag wiederaufnehmen können. Ein wichtiger Bestandteil einer Rehabilitation ist oft eine physiotherapeutische Behandlung. Ihr Ziel ist, zum Beispiel ein operiertes Gelenk wieder beweglich zu machen und die Muskulatur zu kräftigen.
Weitere Informationen
Vor jeder Behandlung haben Patientinnen und Patienten das Recht, sich ausführlich und verständlich über Vor- und Nachteile und über Alternativen aufklären zu lassen. Diese Rechte sind im deutschen Patientenrechtegesetz verankert.
Bei bestimmten Eingriffen sind Ärzte dazu verpflichtet, auf das Recht auf eine zweite Meinung hinzuweisen.
In Deutschland gibt es zudem ein breites Angebot zur persönlichen Beratung und Unterstützung im Krankheitsfall.
Weitere Informationen bietet die Broschüre „Ratgeber Krankenhaus“ des Bundesministeriums für Gesundheit. Suchportale für Kliniken wie zum Beispiel die „Weisse Liste“ helfen bei der Suche nach dem passenden Krankenhaus für eine bestimmte Operation.
Welche Operationsverfahren gibt es bei Myomen?
Es gibt zwei Verfahren zur Entfernung von Myomen:
- Entfernung einzelner Myome (Myomektomie)
- Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie)
Wenn möglich, wird eine Myomektomie empfohlen, um die Gebärmutter zu erhalten. Dieser Eingriff ist jedoch nicht sinnvoll, wenn die Gebärmutter zu stark vernarben könnte oder das Risiko für Blutungen während oder nach der OP zu hoch ist. Außerdem ist nicht immer sicher, dass sich die Beschwerden danach bessern. Dann kann die Gebärmutter entfernt werden.
Möglicherweise kommt aber auch eine nicht operative Behandlungsmethode wie die Myomembolisation infrage. Dabei wird die Blutversorgung des Myoms blockiert.
Gut zu wissen:
Vor einer Operation kann es sinnvoll sein, über einige Monate Hormonpräparate wie GnRH-Agonisten anzuwenden. Sie sollen die Myome schrumpfen lassen. Dann kann schonender operiert werden.
Was passiert bei der Entfernung der Myome (Myomektomie)?
Bei der Myomektomie werden nur die Myome operativ entfernt. Die Gebärmutter bleibt erhalten. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Myom zu entfernen:
- über die Vagina (hysteroskopische Myomektomie)
- über eine Bauchspiegelung (laparoskopische Myomektomie)
- über einen Bauchschnitt (Myomektomie per Laparotomie)
Für alle Eingriffe ist eine Vollnarkose nötig. Welches Verfahren infrage kommt, hängt davon ab, wie viele Myome vorhanden sind, wo sie liegen und wie groß sie sind. Fast immer wird versucht, einen Bauchschnitt zu vermeiden. Denn dieser ist belastender als die anderen Eingriffe und hinterlässt eine größere Narbe in der Bauchdecke. Bei sehr großen Myomen oder einer durch viele Myome vergrößerten Gebärmutter ist eine Bauchspiegelung oder ein Eingriff über die Vagina (Scheide) aber nicht immer möglich.
Mit einer Bauchspiegelung oder einem Bauchschnitt können Myome entfernt werden, die nach außen in den Bauchraum hineinwachsen. Das sind unter anderem:
- Myome außen auf der Gebärmutter (subseröse Myome)
- Myome in der Gebärmutterwand (intramurale Myome), die sich nach außen vorwölben
- Myome neben der Gebärmutter (intraligamentäre Myome)
Ein Eingriff über die Vagina eignet sich besonders, wenn ein Myom in die Gebärmutterhöhle hineinragt. Dies kann vorkommen bei:
- Myomen in der Gebärmutterwand (intramurale Myome)
- Myomen unter der Gebärmutterschleimhaut (submuköse Myome)
- Myomen in der Muskelschicht des Gebärmutterhalses (Zervixmyome)
Myome durch die Vagina zu entfernen, kann dann schonender sein als eine Bauchspiegelung. Studien deuten darauf hin, dass ein Eingriff über die Vagina schneller geht und Frauen dabei weniger Blut verlieren.
Wie wirkt sich die Myomentfernung auf die Beschwerden aus?
Die meisten Frauen, die durch ihre Myome lange Zeit Beschwerden hatten, spüren nach der Operation eine deutliche Besserung oder haben gar keine Beschwerden mehr. Studien zeigen, dass etwa 90 von 100 operierten Frauen noch 1 bis 2 Jahre nach dem Eingriff mit dem Ergebnis zufrieden sind. Bei bis zu 25 von 100 operierten Frauen bilden sich in den Jahren nach dem Eingriff erneut Myome.
Welche Risiken hat die Myomentfernung?
Studien zeigen, dass etwa 5 von 100 Frauen bei einer Myomentfernung mit Komplikationen wie Verletzungen im Bauchraum oder einer erneuten Operation rechnen müssen. Bei weniger als 1 von 100 Frauen muss wegen unstillbarer Blutungen die Gebärmutter entfernt werden. Es können vorübergehende Beschwerden wie Fieber oder Wundinfektionen auftreten.
Bei der Bauchspiegelung verliert man während der Operation weniger Blut als beim Bauchschnitt. Komplikationen sind bei beiden Eingriffen ähnlich selten.
Langfristig kann es nach Operationen zu Verwachsungen im Bauchraum kommen. Solche Stränge aus Bindegewebe können Organe mit der Bauchdecke verkleben. Narben und Verwachsungen verursachen manchmal Schmerzen im Unterbauch. Je nachdem wo sie liegen, können sie auch Darmprobleme zur Folge haben oder die Fruchtbarkeit einschränken.
Wie wirkt sich die Myomentfernung auf die Fruchtbarkeit aus?
Myome zu entfernen, beeinträchtigt die Fruchtbarkeit meistens nicht – es sei denn, es bilden sich später Verwachsungen, die zum Beispiel die Funktion der Eierstöcke oder Eileiter behindern.
Studien haben untersucht, ob die Art des Eingriffs die Chance beeinflusst, schwanger zu werden. Im Ergebnis zeigte sich aber kein Unterschied zwischen einem Eingriff mit Bauchschnitt und einer Bauchspiegelung: In beiden Gruppen bekam etwa ein Drittel der Frauen in den folgenden zwei Jahren ein Kind.
Manchmal werden Myome mit dem Ziel entfernt, die Fruchtbarkeit zu verbessern. Denn wenn ein Myom zum Beispiel unter der Gebärmutterschleimhaut sitzt, kann es verhindern, dass sich dort eine befruchtete Eizelle einnistet. Ob eine Myomentfernung die Chance auf ein Kind erhöht, wurde bislang aber kaum in guten Studien untersucht. Die wenigen vorhandenen Studien konnten nicht klären, ob eine Operation hier hilft.
Wann kommt eine Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) infrage?
Eine Entfernung der Gebärmutter ist eine Behandlungsmöglichkeit für Frauen, die besonders viele oder sehr große Myome haben oder Myome, die sich schwer entfernen lassen. Sie entscheiden sich für eine Gebärmutterentfernung in der Hoffnung, dadurch ihre Beschwerden ein für alle Mal loszuwerden.
Wie zur Myomentfernung gibt es auch zur Entfernung der Gebärmutter verschiedene Operationsmethoden: Sie kann über einen großen Bauchschnitt, eine Bauchspiegelung oder von der Vagina aus entfernt werden. Für alle drei Methoden ist eine Vollnarkose nötig. Die letzten beiden Verfahren sind aus medizinischen Gründen jedoch nicht bei allen Frauen möglich. Es gibt auch ein Verfahren, bei dem die Entfernung über die Vagina mithilfe einer zusätzlichen Bauchspiegelung kontrolliert wird.
Die Gebärmutter kann vollständig oder teilweise entfernt werden. Teilweise bedeutet, dass nur der Gebärmutterkörper entfernt wird. Die Zervix (Gebärmutterhals) bleibt erhalten. Die Eierstöcke können bei beiden Verfahren in der Regel im Körper bleiben.
Wie wirkt sich die Gebärmutterentfernung auf die Beschwerden aus?
Bei der Operation werden die Myome zusammen mit der Gebärmutter entfernt. Nach dem Eingriff hat man keine Periode mehr – daher hören auch die damit verbundenen Beschwerden auf.
Manche Frauen berichten, dass sie weiterhin Unterleibsschmerzen oder -krämpfe haben. Solche Beschwerden können eine Folge des Eingriffs sein oder andere Gründe haben, die schon vor der Operation bestanden.
Welche Komplikationen können bei einer Gebärmutterentfernung auftreten?
Bei bis zu 5 von 100 Frauen kann es während der Operation zu größeren Komplikationen kommen. Dazu zählen Verletzungen der Nachbarorgane (Blase, Harnleiter, Darm) oder an Blutgefäßen. Bei etwa 2 von 100 Frauen können erneute Operationen oder Krankenhausaufenthalte notwendig werden.
Kurz nach einem Eingriff sind Fieber, Blasen- oder Wundinfektionen möglich. Diese Beschwerden sind in der Regel gut behandelbar, wenn sie frühzeitig erkannt werden. Dann klingen sie nach einigen Tagen meist wieder ab.
Das Risiko für Komplikationen hängt unter anderem vom Operationsverfahren ab.
Hat ein bestimmtes Verfahren zur Gebärmutterentfernung weniger Risiken?
Eine Entfernung der Gebärmutter durch die Vagina ist weniger belastend als über einen großen Bauchschnitt. Die Erholungsphase ist um etwa zehn Tage kürzer und es bleibt keine Bauchnarbe zurück.
Die Bauchspiegelung hat gegenüber einem großen Bauchschnitt ähnliche Vorteile: Man erholt sich schneller und hat ein geringeres Risiko für Wundinfektionen. Allerdings ist bei der Bauchspiegelung das Risiko etwas höher, dass der Harnleiter oder die Blase verletzt werden. Diese Verletzungen kommen bei einer Bauchspiegelung bei etwa 2 von 100 Frauen und bei der Bauchschnitt-OP bei 1 von 100 Frauen vor.
Die Bauchspiegelung und die Entfernung über die Vagina führen insgesamt offenbar ähnlich selten zu Komplikationen und weiteren Nebenwirkungen.
Welche Folgen hat eine Gebärmutterentfernung?
Viele Frauen sind nach dem Eingriff zufrieden und bereuen ihn auch später nicht. Dies gilt jedoch nicht für alle: Manche haben das Gefühl, mit der Gebärmutter einen wichtigen Teil ihrer Weiblichkeit verloren zu haben. Wie Frauen den Verlust der Gebärmutter erleben, ist jedoch sehr unterschiedlich. So ist zum Beispiel das Sexualleben bei vielen Frauen nicht beeinträchtigt oder bessert sich durch den Eingriff sogar. Andere Frauen berichten hingegen, dass es sich verschlechtert.
Wahrscheinlich kommen Frauen, deren Gebärmutter entfernt wurde, etwas früher in die Wechseljahre. Als Grund vermuten Fachleute, dass nach einer Gebärmutterentfernung die Eierstöcke schlechter durchblutet werden und die Hormonproduktion deshalb nachlässt. Wurden außer der Gebärmutter auch die Eierstöcke entfernt, setzen die Wechseljahre sehr plötzlich ein. Studien deuten außerdem darauf hin, dass eine Gebärmutterentfernung das Risiko für eine Osteoporose erhöht. Zudem vermuten Fachleute, dass auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen etwas steigen könnte. Beides muss aber noch besser untersucht werden.
Es ist auch möglich, dass die Operation die Funktion der Harnblase beeinträchtigt. Bei den meisten Frauen treten solche Probleme nicht auf. Der Eingriff könnte aber das Risiko erhöhen, dass eine Blasenschwäche entsteht („Stressinkontinenz“). Dabei geht beim Husten, Niesen, Lachen oder beim Heben schwerer Lasten ungewollt etwas Urin ab.
Die Zervix (Gebärmutterhals) ist eng mit der Blase und dem Darm verbunden. Nach der Gebärmutterentfernung können die Blase oder der Darm daher ihren Halt verlieren und sich senken. Auch die Scheide kann absinken. Mögliche Folgen sind Druckgefühle und -beschwerden im Unterleib. Das Risiko für eine Organabsenkung betrifft vor allem Frauen, die schon vor dem Eingriff einen geschwächten Beckenboden hatten.
Wie schneiden Myomentfernung und Gebärmutterentfernung im Vergleich ab?
Das Risiko für kurzfristige Komplikationen ist bei einer Myomentfernung und bei einer Gebärmutterentfernung vermutlich ähnlich hoch, wenn per Bauchschnitt operiert wird. Welche Vor- und Nachteile die Eingriffe langfristig im Vergleich zueinander haben, lässt sich aber nicht sicher sagen, da die Frage noch nicht untersucht wurde.
Die Myomentfernung hat den Vorteil, dass die Gebärmutter erhalten bleibt. Nach dem Eingriff ist es daher noch möglich, schwanger zu werden. Gleichzeitig kann diese Operation bei vielen Frauen die Beschwerden genauso lindern wie eine Entfernung der gesamten Gebärmutter. Allerdings können die Myome nachwachsen und erneut Beschwerden auslösen. Dies kann nach einer Gebärmutterentfernung nicht passieren.
Welcher Eingriff ist für mich der richtige?
Eine Myom-Operation ist in der Regel kein Notfall. Deshalb ist es meistens möglich, sich vor einer Entscheidung ausführlich über die Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Dabei kann eine Entscheidungshilfe unterstützen, die die wichtigsten Vor- und Nachteile der Behandlungsmöglichkeiten kurz zusammenfasst und gegenüberstellt.
Wer sich durch die Ärztin oder den Arzt zu einer bestimmten Behandlung gedrängt fühlt, holt am besten eine zweite ärztliche Meinung ein. Auch nahestehende Menschen können manchmal Druck ausüben, sich für eine bestimmte Behandlung zu entscheiden.
Welche Operation geeignet ist, hängt neben der medizinischen Begründung sehr von der persönlichen Situation und den eigenen Wünschen ab. Auch die Erfahrung der operierenden Ärztinnen oder Ärzte spielt eine Rolle. Viele Kliniken haben sich zudem auf bestimmte Operationsverfahren spezialisiert und bieten nur diese an. Wenn in einem Krankenhaus nur eine bestimmte Behandlung empfohlen oder auf Alternativen nicht ausreichend eingegangen wird, kann eine zweite ärztliche Meinung besonders wichtig sein.
Was Studien sagen
Mehr Wissen
Extras
Quellen
Berufsverband deutscher Anästhesisten (BDA). Die meistgestellten Fragen zur Allgemeinanästhesie. 2021.
Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Ratgeber Krankenhaus - Was Sie zum Thema Krankenhaus wissen sollten. 2021.
Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV). Informiert und selbstbestimmt - Ratgeber für Patientenrechte. 2017.
Sawicki PT. Qualität der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Ein randomisierter simultaner Sechs-Länder-Vergleich aus Patientensicht. Med Klin 2005; 100(11): 755-768.
Statistisches Bundesamt (Destatis). Fallpauschalenbezogene Krankenhausstatistik (DRG-Statistik): Operationen und Prozeduren der vollstationären Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern (4-Steller) - 2018. 2019.





