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Skoliose bei Erwachsenen

Skoliose bei Erwachsenen
Nächstes Update: 2027
Quelle:Gesundheitsinformation.de

Einleitung

Eine Skoliose im Erwachsenenalter wird meist konservativ, also ohne Operation, behandelt. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören Bewegungstherapien, Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, spezielle Formen der und schmerzstillende Medikamente als Tabletten oder Spritzen.

Bei einer Skoliose im Erwachsenenalter verkrümmt und verdreht sich die Wirbelsäule, meist im unteren Rücken (). Dazu kann es kommen, wenn die Bandscheiben altersbedingt spröde und flacher werden (Bandscheiben-Degeneration). Werden die Wirbel dadurch stärker und ungleichmäßig belastet, kann sich die Wirbelsäule verformen. Fachleute sprechen dann von einer degenerativen oder „de novo“-Skoliose. Eine Skoliose im Kindes- und Jugendalter hat andere Ursachen, fällt aber manchmal erst im Erwachsenenalter auf, weil sie vorher keine Beschwerden ausgelöst hat.

Bei manchen Menschen ist die Krümmung nur leicht ausgeprägt und kann sogar unbemerkt bleiben. Bei anderen verformt sich die Wirbelsäule so stark, dass dies auch äußerlich sichtbar wird. Mögliche Beschwerden sind Schmerzen entlang der Wirbelsäule, Muskelverspannungen und Einschränkungen der Beweglichkeit. Die Wirbel können auch auf das Rückenmark drücken oder die Nerven reizen, die an den Wirbelkörpern austreten. Dann können Schmerzen ins Gesäß oder in die Beine ausstrahlen ( oder Ischias-Beschwerden genannt). Weitere nervenbedingte Beschwerden sind Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Beinen oder Füßen. Eine stark verformte Wirbelsäule kann auch die inneren Organe einengen und dadurch zu Beschwerden führen.

Wie eine Skoliose am besten behandelt wird, hängt unter anderem davon ab, welche Beschwerden im Alltag am meisten belasten und ob die Verformung behandelt werden soll, um ein schnelles Fortschreiten zu verhindern. Das Ziel nicht operativer (konservativer) Behandlungen ist, die Beschwerden zu lindern und Einschränkungen im Alltag zu verringern. Begradigen lässt sich die Wirbelsäule durch konservative Behandlungen nicht. Dazu ist eine Operation erforderlich.

Symptome

Normalerweise verläuft die Wirbelsäule von vorne betrachtet in einer geraden Linie: Der Kopf steht in einer Linie über dem Kreuzbein und der Oberkörper gerade über dem Becken. Diese Ausrichtung sorgt für Stabilität.

Bei einer Skoliose krümmt und verdreht sich die Wirbelsäule. Dadurch können sich Kopf und Kreuzbein sowie Oberkörper und Becken gegeneinander verschieben. Die Schulter, das Schulterblatt oder die Hüfte stehen dann auf einer Seite höher. Außerdem können Arme und Beine unterschiedlich lang wirken. Je ausgeprägter die Krümmung ist, desto eher wird sie äußerlich sichtbar und führt zu Beschwerden.

Skoliose der Lendenwirbelsäule
Skoliose der Lendenwirbelsäule

Von der Seite betrachtet kann der Oberkörper nach vorne gekrümmt sein und im Bereich der Brustwirbelsäule einen Buckel bilden (Hyperkyphose). Im Bereich der Lendenwirbelsäule kann sich dagegen ein Flachrücken bilden. Das genaue Erscheinungsbild und die Art der Beschwerden hängen neben dem Krümmungsgrad davon ab, welche Abschnitte der Wirbelsäule betroffen sind.

Schmerzen sind typischerweise entlang der Wirbelsäule zu spüren, manchmal auch in den Schultern oder Armen. Sie haben meist mehrere Ursachen – zum Beispiel müssen die Muskeln mehr arbeiten, um den Oberkörper trotz der Verkrümmung der Wirbelsäule aufrecht zu halten. Sie verspannen und ermüden dadurch schneller.

Drücken Teile der Wirbel auf die Spinalnerven oder den Wirbelkanal, kann es zu Beschwerden wie bei einem Bandscheibenvorfall oder einer Spinalkanalstenose kommen. Dazu gehören Schmerzen, die in die Beine oder Füße ausstrahlen, Taubheitsgefühle oder Kribbeln, seltener auch eine Muskelschwäche. Diese Beschwerden können ein- oder beidseitig auftreten und beim Gehen oder Stehen zunehmen.

Eine Skoliose kann auch die Beweglichkeit einschränken und das Gleichgewicht stören. Ist die Krümmung stark ausgeprägt, kann das zu Unsicherheit beim Stehen oder Gehen führen.

Ursachen

Eine Skoliose im Erwachsenenalter kann verschiedene Ursachen haben. Ist sie eine Folge altersbedingter Veränderungen an den Bandscheiben, spricht man von einer „degenerativen Skoliose“ oder „de novo Skoliose“. Sie kann entstehen, wenn die Bandscheiben spröde und flacher werden (Bandscheiben-Degeneration). Zudem werden auch die Bänder und Muskeln zwischen den Wirbeln und um die Wirbelsäule schwächer. Die Folge dieser Veränderungen: Es entsteht ein ungleichmäßiger Druck auf die Wirbelgelenke, sie verformen sich und werden instabiler. Dadurch können die Wirbel in verschiedene Richtungen kippen und die Wirbelsäule verbiegt sich. Einzelne Wirbel können sich auch verschieben (Wirbelgleiten). Meist geht die Skoliose vom unteren Rücken aus, da dort die Wirbelsäule am stärksten belastet wird.

Manche Erwachsene hatten bereits im Kindes- oder Jugendalter eine Skoliose, die aber lange Zeit kaum Beschwerden ausgelöst hat oder nicht aufgefallen ist. Seltener ist eine Skoliose die Folge anderer Erkrankungen, wie zum Beispiel der Parkinson-Krankheit oder von Nerven-, Muskel- oder Bindegewebserkrankungen. Auch Wirbelbrüche infolge von Osteoporose können zu einer Skoliose führen.

Häufigkeit

Mit steigendem Alter werden degenerative Skoliosen häufiger. Schätzungen dazu schwanken stark. Nach manchen Studien könnte etwa ein Drittel der Menschen über 60 Jahren betroffen sein. Bei vielen ist die Skoliose aber nur schwach ausgeprägt und bleibt unbemerkt.

Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Dazu tragen vermutlich hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren bei, die Bandscheiben, Bänder und Wirbelkörper schwächen können. Zudem haben Frauen nach den Wechseljahren öfter mit Wirbelbrüchen aufgrund von Osteoporose zu tun.

Verlauf

Die Krümmung der Wirbelsäule kann im Laufe der Jahre zunehmen. Wie schnell dies passiert und ob es zu Problemen führt, lässt sich aber nicht sicher vorhersagen. Manchmal bleibt eine Skoliose über lange Zeit fast unverändert, manchmal schreitet sie relativ schnell fort. Ab einem bestimmten Krümmungswinkel oder bei einer stark verdrehten Wirbelsäule steigt das Risiko, dass die Krümmung zunimmt.

Um das Fortschreiten der Skoliose im Blick zu behalten, werden regelmäßige Kontrolluntersuchungen empfohlen. Wie oft das sinnvoll ist, bespricht man am besten mit der Ärztin oder dem Arzt.

Folgen

Eine starke Krümmung der Brustwirbelsäule kann zu einem Buckel führen. Dadurch wird der Brustraum eingeengt, was die Ausdehnung der Rippen und des Zwerchfells einschränkt. Herz und Lunge können dann nicht mehr so gut arbeiten, was Beschwerden wie Kurzatmigkeit auslösen kann.

Eine ausgeprägte Krümmung oder gebückte Haltung kann auch zur Folge haben, dass man schneller erschöpft oder allgemein müder ist (Fatigue). Denn bei einer Skoliose muss die Muskulatur mehr arbeiten, um den Körper aufrecht und stabil zu halten.

Starke Beschwerden können den Alltag sehr einschränken. Das kann manchmal zu Depressionen, Schlafstörungen und ausgeprägten Ängsten führen. Manche Menschen finden auch die sichtbare Krümmung des Rückens belastend.

Ein seltener Notfall ist das sogenannte Kauda-Syndrom. Dabei werden die Nerven im Wirbelkanal so stark eingeklemmt, dass Nervenschäden drohen. Anzeichen hierfür sind eine zunehmende Schwäche in den Beinen, Lähmungserscheinungen, ausstrahlende Schmerzen oder Probleme mit der Blasen- oder Darmfunktion. Solche Beschwerden sollten sofort ärztlich abgeklärt werden. Es kann eine Notfalloperation erforderlich sein.

Diagnose

Bei einer sorgfältigen Diagnose fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den Beschwerden und nach körperlichen Veränderungen – zum Beispiel, ob man kleiner geworden ist. Sie oder er schaut sich an, ob Oberkörper, Hüfte und Knie in einer Linie ausgerichtet sind, wie die Haltung beim Stehen und Gehen ist und ob die Beine unterschiedlich lang sind – oder so erscheinen.

Bei der körperlichen Untersuchung tastet die Ärztin oder der Arzt die Wirbelsäule und den Beckenbereich ab und prüft, ob sich die hinteren Rippen beim Vorbeugen des Oberkörpers auf einer Seite zu einem Buckel hervorwölben. Bei diesem Vorbeugetest wird eine Art Wasserwaage an den Rücken gehalten, um die Neigung zu bestimmen – ein sogenanntes Skoliometer. Weitere körperliche Untersuchungen dienen dazu, Kraft und Reflexe zu prüfen, um mögliche Nervenstörungen zu erkennen.

Die Ärztin oder der Arzt sollte auch informiert werden über:

  • andere Erkrankungen
  • Medikamente, die man einnimmt
  • frühere Operationen an Rücken oder Gelenken
  • Erkrankungen in der Familie

Bildgebende Untersuchungen wie Röntgen, Computer-Tomografie (CT) oder Magnetresonanz-Tomografie (MRT) können die Wirbelsäule sichtbar machen. Um die Verformungen gut erkennen zu können, werden Aufnahmen aus verschiedenen Winkeln gemacht. Manchmal kommen weitere Untersuchungen hinzu, wie zum Beispiel ein Lungenfunktionstest bei Atembeschwerden.

Um festzustellen, wie stark die Wirbelsäule gekrümmt ist, wird der sogenannte Cobb-Winkel bestimmt. Dazu werden auf dem Röntgenbild zunächst die beiden am stärksten geneigten Wirbelkörper am oberen und unteren Ende der Krümmung markiert. Von diesen Wirbelkörpern aus werden dann zwei Linien gezogen, die parallel zu den Außenflächen der Wirbelkörper verlaufen. Dort, wo sich die beiden Linien schneiden, bilden sie den Cobb-Winkel. Ab einem Cobb-Winkel von zehn Grad sprechen Fachleute von einer Skoliose.

Die Grafik zeigt anhand einer schematischen anatomischen Darstellung des menschlichen Rückens mit Wirbelsäule, wie der Cobb-Winkel bei einer Skoliose ermittelt wird.
Die Grafik zeigt anhand einer schematischen anatomischen Darstellung des menschlichen Rückens mit Wirbelsäule, wie der Cobb-Winkel bei einer Skoliose ermittelt wird.

Daneben gibt es weitere Maße, die durch bildgebende Untersuchungen bestimmt werden können und die Auskunft über die Fehlstellung der Wirbelsäule geben. Zum Beispiel wird gemessen, wie weit der Oberkörper nach vorne ragt. Dies nennt man die sagittale vertikale Achse (SVA). Um sie zu bestimmen, wird von der Seite ein Röntgenbild gemacht. Anschließend werden senkrechte Linien durch den siebten Halswirbel und einen bestimmten Punkt auf dem Kreuzbein gezogen. Dann wird der Abstand zwischen diesen Linien gemessen.

Auch bestimmte Winkel im Bereich des Beckens und der Oberschenkel spielen bei der medizinischen Beurteilung eine Rolle. Die Fehlstellung genau bestimmen zu lassen, ist vor allem für die Planung einer Operation wichtig.

Behandlung

Wie eine degenerative Skoliose behandelt wird, hängt von der Ursache, dem Ausmaß der Krümmung, der Stärke der Beschwerden und den Auswirkungen auf den Alltag ab.

Grundsätzlich wird empfohlen, im Alltag aktiv zu bleiben und auf ausreichend Bewegung zu achten, um die Muskeln und Knochen zu stärken und die Fitness zu erhalten.

Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören konservative (nicht operative) Behandlungen sowie Operationen. Es gibt jedoch kaum vergleichende Studien zu den Vor- und Nachteilen der Behandlungen. Die meisten Empfehlungen beruhen daher auf der Einschätzung von Fachleuten.

Konservative Behandlungen sollen Schmerzen lindern, den Alltag erleichtern und die allgemeine Belastbarkeit und Lebensqualität verbessern. Die Krümmung können sie aber nicht korrigieren. Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören:

  • allgemeine Physio- und Bewegungstherapien zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur (zum Beispiel angeleitete Kräftigungsübungen oder Wassergymnastik)
  • spezielle Physiotherapien bei Skoliose, zum Beispiel die Schroth-Therapie, eine Kombination aus Haltungs-, Streck-, Muskel- und Atemübungen
  • Ausdauertraining zum Erhalt der allgemeinen Fitness (zum Beispiel schnelles Gehen oder Radfahren)
  • orthopädische Hilfsmittel wie Schuheinlagen (wenn ein schiefes Becken zu unterschiedlich langen Beinen führt oder umgekehrt)
  • bei Bedarf entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen

Bei starken körperlichen Einschränkungen können Hilfsmittel wie Gehhilfen nützlich sein.

Manchmal werden auch orthopädische Rückenstützen genutzt, um die Rückenmuskulatur zu entlasten und dadurch Schmerzen zu lindern. Dazu gehören unter anderem Rückenorthesen, orthopädische Korsette, Rückenstützbandagen und Lendenstützgürtel. Die Vor- und Nachteile solcher Produkte sind bei Erwachsenen mit Skoliose kaum in Studien untersucht und lassen sich nicht allgemein beurteilen. Manche Menschen finden sie aber hilfreich. Ein möglicher Nachteil ist, dass das regelmäßige Tragen von Rückenstützen die Muskulatur schwächen und Probleme dadurch verstärken könnte.

Erwachsenen mit Skoliose wird zudem empfohlen, einer Osteoporose vorzubeugen. Denn die Krümmung kann die Wirbelkörper belasten und das Risiko für Wirbelbrüche erhöhen. Bei starkem Übergewicht wird außerdem zu einer Gewichtsreduktion geraten, um die Wirbelsäule zu entlasten.

Eine Operation kommt infrage,

  • wenn die Beschwerden durch konservative Maßnahmen nicht ausreichend gelindert werden können und den Alltag erheblich einschränken sowie
  • bei nervenbedingten Problemen wie ausstrahlenden Schmerzen oder Muskelschwäche.

Bei dem Eingriff wird die Wirbelsäule begradigt und fixiert, indem die Wirbelkörper mit Schrauben und Stäben verbunden werden. Mit dieser Methode lässt sich die Wirbelsäule weitestgehend wieder aufrichten. Die Operation wird Wirbelkörperfusion, Versteifungsoperation, Wirbelkörperversteifung oder Spondylodese genannt. Der Eingriff hat verschiedene Risiken, zum Beispiel Nerven- oder Wirbelschäden.

Wenn die Wirbelsäule nur leicht gekrümmt ist und einzelne Nerven beeinträchtigt sind, kommt manchmal auch eine sogenannte Dekompression infrage. Dabei werden am Wirbelkörper Teile von Knochen und Bändern entfernt, um Druck von eingeengten Nerven zu nehmen.

Entscheiden

Die Entscheidung für oder gegen eine Operation ist nicht immer einfach. Einerseits können konservative Behandlungen die Beschwerden manchmal nicht ausreichend lindern. Andererseits geht eine Operation mit Risiken einher. Deshalb sollte sie gut überlegt sein. Dabei spielen verschiedene Aspekte eine Rolle, wie der allgemeine Gesundheitszustand, die Erwartungen an die Operation und die persönlichen Ziele.

Ärztinnen und Ärzte, die bei einer degenerativen Skoliose eine Operation empfehlen, müssen ihre Patientinnen und Patienten auf das Recht auf eine zweite ärztliche Meinung hinweisen. Das bedeutet: Man hat die Möglichkeit, die Entscheidung für oder gegen den Eingriff noch einmal kostenlos mit einer anderen Spezialistin oder einem anderen Spezialisten zu besprechen.

Rehabilitation

Bei einer ausgeprägten Skoliose oder nach einer Operation kann eine Rehabilitation (Reha) infrage kommen. Das gilt auch, wenn andere Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Ziel ist, die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern, um Einschränkungen im Alltag zu verringern, oder eine Behinderung oder Pflegebedürftigkeit zu vermeiden. Eine Reha nach einem Krankenhausaufenthalt wird Anschlussheilbehandlung (AHB) genannt.

Für eine Rehabilitation stellt man zusammen mit der Ärztin oder dem Arzt einen Antrag. Wer für die Bewilligung und Kostenübernahme zuständig ist, hängt vom Erwerbsstatus ab. Bei erwerbsfähigen Menschen ist zum Beispiel die gesetzliche Rentenversicherung zuständig, im Ruhestand die Krankenkasse. Bestimmte Voraussetzungen müssen erfüllt sein und die medizinische Notwendigkeit der Maßnahme muss begründet werden. Wer nach einer Operation eine Anschlussheilbehandlung beantragt, kann sich an den Sozialdienst des Krankenhauses wenden. Die Verbraucherzentrale informiert ausführlich über die Antragsstellung.

Es kommt auch eine multimodale Schmerztherapie infrage – vor allem bei starken chronischen Schmerzen. Dabei wird man von Fachleuten aus verschiedenen therapeutischen Bereichen betreut, zum Beispiel aus der Medizin, der Physiotherapie und der Psychotherapie. Schmerzkliniken, psychosomatische Abteilungen oder orthopädische Rehabilitationszentren bieten multimodale Schmerztherapien an.

Leben und Alltag

Eine Skoliose kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen – zum Beispiel, weil der Rücken stark schmerzt, längeres Stehen und Gehen mühsam und anstrengend wird und man bei der Arbeit oder in der Freizeit eingeschränkt ist. Alltägliche Tätigkeiten wie das Aufstehen aus dem Bett können schwerfallen. Manchmal leiden auch die Kontakte im Freundeskreis, die Partnerschaft oder das Familienleben darunter.

Häufigere Pausen bei der Arbeit oder in der Freizeit können nötig sein, weil der Körper schneller ermüdet. Nicht alle Menschen haben hierfür Verständnis. Auch der zusätzliche Aufwand zum Beispiel für Arzttermine oder physiotherapeutische Behandlungen kann auf Dauer belasten – zum Beispiel, weil die Fahrten zu Arztterminen viel Zeit kosten und die Behandlung sehr aufwendig ist, etwa im Rahmen einer Physiotherapie. Den meisten Menschen gelingt es aber mit der Zeit, sich mit ihrer Erkrankung zu arrangieren.

Wenn die Belastungen durch die Skoliose zu psychischen Problemen oder Erkrankungen führen – zum Beispiel zu Niedergeschlagenheit oder Depressionen –, kann es sinnvoll sein, sich Unterstützung zu holen. Psychotherapeutische Behandlungen wie die Verhaltenstherapie können auch zur Schmerzbehandlung eingesetzt werden. Ziel ist dabei, den eigenen Umgang mit den Schmerzen in den Blick zu nehmen. Denn wie jemand Schmerzen empfindet und wie gut es einem Menschen gelingt, mit ihnen umzugehen, wird auch von der Psyche beeinflusst.

Weitere Informationen

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Informationen zur Gesundheitsversorgung in Deutschland helfen dabei, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und eine passende Arztpraxis zu finden. Mit einer Frageliste kann man sich auf den Arztbesuch vorbereiten.

Der Bundesverband Skoliose-Selbsthilfe e. V. bietet eine Suche nach ärztlichen und therapeutischen Fachkräften sowie Kliniken an, die nach eigenen Angaben Erfahrung mit der Behandlung von Skoliose haben.

Für Menschen mit chronischen Rückenerkrankungen gibt es in Deutschland zahlreiche Angebote zur Unterstützung. Dazu gehören Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, passende Angebote zu finden.

Worauf kann ich im Alltag achten?

Grundsätzlich ist es sinnvoll, auch bei Beschwerden so aktiv wie möglich zu bleiben. Bewegung stärkt Muskeln und Knochen und sorgt für einen besseren Halt der Wirbelsäule. Das ist auch wichtig, um weiteren Problemen wie einer Osteoporose vorzubeugen. Außerdem ist Bewegung gut für Herz und Kreislauf, hält insgesamt fit und wirkt sich positiv auf die Stimmung aus. Bei Skoliose werden häufig Wassergymnastik, Schwimmen, oder Radfahren empfohlen. Wer sich unsicher ist, welche Übungen und Sportarten im eigenen Fall geeignet sind, bespricht dies am besten mit einer ärztlichen oder physiotherapeutischen Fachkraft. Wichtig ist, etwas zu finden, das einem Freude macht, damit man motiviert bleibt.

Bei einer Skoliose müssen die Muskeln mehr arbeiten, um das Gleichgewicht zu halten und den Oberkörper aufzurichten. Das kann zur Folge haben, dass der Körper schneller ermüdet. Dann gilt es, auf ein ausgewogenes Verhältnis von Be- und Entlastung zu achten. Bei der Suche nach dem gesunden Mittelweg hilft es manchen Menschen, Aufgaben und Tätigkeiten in kleinere, leichter zu bewältigende Portionen aufzuteilen, Wichtiges vorzuziehen und Unwichtiges auch mal zu vernachlässigen. Dazu gehört auch, Pausen zu machen, wenn man sie benötigt. Um Enttäuschungen zu vermeiden, kann es hilfreich sein, die persönlichen Ziele anzupassen und Aktivitäten vorausschauend zu planen, statt nur auf Schmerzen zu reagieren.

Welche Hilfsmittel gibt es?

Besonders bei starken Einschränkungen oder wenn andere gesundheitliche Probleme hinzukommen, können Hilfsmittel nützlich sein. Wenn es schwierig wird, das Gleichgewicht zu halten, können zum Beispiel ein Gehstock, ein Gehgestell oder ein Rollator Unterstützung bieten. Rollatoren haben in der Regel auch eine Sitzfläche, auf der man sich zwischendurch ausruhen kann. Das kann zum Beispiel hilfreich sein, wenn durch die Skoliose der Wirbelkanal verengt ist und die Beschwerden bei längeren Gehstrecken zunehmen, oder auch bei .

Manchmal werden auch orthopädische Rückenstützen eingesetzt, um die Rückenmuskulatur zu entlasten und Schmerzen zu lindern. Dazu gehören orthopädische Korsette, Rückenorthesen, Rückenstützbandagen und Lendenstützgürtel. Anders als bei Kindern und Jugendlichen werden sie bei Erwachsenen nicht eingesetzt, um die Krümmung zu korrigieren, sondern um Schmerzen zu behandeln und dadurch den Alltag zu erleichtern.

Manche Menschen finden solche Rückenstützen entlastend und hilfreich. Ein möglicher Nachteil ist, dass das regelmäßige Tragen die Muskulatur schwächen und dadurch zu anderen Problemen beitragen könnte. Die Vor- und Nachteile sind aber kaum in Studien untersucht.

Was wird bei einer Physio- oder Ergotherapie gemacht?

Bei einer degenerativen Skoliose wird oft eine Physiotherapie zur Kräftigung der Muskulatur empfohlen. Kräftige Muskeln stabilisieren die Wirbelsäule, verbessern die Körperhaltung und die allgemeine Fitness. Dadurch werden die Gelenke und Bandscheiben entlastet.

Da viele verschiedene Muskeln an der Körperstabilität beteiligt sind und sich die Skoliose auf die Haltung des gesamten Körpers auswirken kann, werden ganz unterschiedliche Muskelgruppen trainiert: die Rücken- und Rumpfmuskulatur, aber auch die Hüft-, Gesäß- und Beinmuskulatur. Auch andere Techniken wie bestimmte Dehn- und Haltungsübungen können Teil der sein. Physiotherapeutinnen und -therapeuten können außerdem zu geeigneten Sportarten beraten. Unterstützend werden manchmal sogenannte passive Behandlungen eingesetzt, wie zum Beispiel manuelle Therapien, TENS-Geräte oder Massagen.

In einer Ergotherapie lernt man, im Alltag leichter mit Einschränkungen zurechtzukommen – zum Beispiel, indem man neue Bewegungsabläufe einübt.

Welche Behandlungen sinnvoll sind, ist individuell und hängt unter anderem von der Stärke der Beschwerden, dem Krümmungsgrad der Wirbelsäule und den gesundheitlichen Voraussetzungen ab. Weil es kaum vergleichende Studien zu den Behandlungen gibt, lässt sich nicht genau sagen, was man von den einzelnen Therapien erwarten kann.

Welche Medikamente gegen die Schmerzen kommen infrage?

Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR)

Meist werden bei Rückenschmerzen entzündungshemmende Schmerzmittel wie Diclofenac, und Naproxen empfohlen – sogenannte nicht steroidale Antirheumatika (). Die Medikamente können gegen Schmerzen helfen, werden aber am besten ergänzend zu anderen Behandlungen eingesetzt.

In niedriger Dosierung sind entzündungshemmende Schmerzmittel rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Magenbeschwerden wie Bauchschmerzen. Bei häufiger oder längerer Einnahme können die Mittel zu Magengeschwüren oder -blutungen führen. Das Risiko dafür lässt sich senken, indem man zusätzlich Medikamente nimmt, die den Magen schützen. Am besten nimmt man Schmerzmittel nur bei Bedarf und in der geringsten wirksamen Dosierung ein. ist ebenfalls rezeptfrei erhältlich, hilft bei Rückenbeschwerden aber nicht.

Gut zu wissen:

Vor der Einnahme von Schmerzmitteln ist es sinnvoll, sich über Neben- und Wechselwirkungen zu informieren ­– und darüber, wie man die Mittel sicher anwendet.

Selten kommen Medikamente infrage, die nur auf Rezept erhältlich sind. Wenn Gründe wie beispielsweise ein Magengeschwür gegen die Einnahme von Mitteln wie sprechen, kommt manchmal eine Behandlung mit Metamizol infrage. Metamizol lindert Schmerzen und senkt Fieber, gehört aber nicht zu den entzündungshemmenden Medikamenten.

Opioide

Von Opioiden wie Fentanyl, Morphin, Oxycodon und Tramadol wird eher abgeraten. Sie wirken bei Rückenschmerzen meist nicht besser als entzündungshemmende Schmerzmittel wie . Weil sie zu Gewöhnung und körperlicher Abhängigkeit führen können, sollten sie höchstens kurzzeitig, in möglichst geringer Dosierung und nur unter sorgfältiger ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden. Mögliche Nebenwirkungen von Opioiden reichen von Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung bis hin zu Schwindel, Atemnot und Blutdruckschwankungen.

Muskelrelaxantien

Auch von Medikamenten zur Muskelentspannung (Muskelrelaxantien) wird abgeraten. Sie können Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden auslösen und zu Benommenheit, Schwindel und erhöhter Sturzgefahr führen. Auch die Fahrtüchtigkeit kann beeinträchtigt sein. Muskelrelaxantien sollte man nicht länger als zwei Wochen einnehmen.

Antiepileptika

Antiepileptika wie Pregabalin werden normalerweise bei Epilepsie eingesetzt, sollen aber auch Nervenschmerzen (Neuralgien) lindern. Nach bisherigem Wissen helfen sie bei Ischias-Beschwerden nicht. Sie führen aber häufig zu Nebenwirkungen wie Benommenheit und Erschöpfung. Auch diese Mittel können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Zudem gibt es Hinweise, dass Pregabalin abhängig machen kann – insbesondere, wenn es zusammen mit anderen Mittel wie Opioiden oder bei einer bestehenden Sucht eingesetzt wird.

Antidepressiva

werden normalerweise zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Einige dieser Mittel sind aber auch zur Behandlung chronischer Schmerzen zugelassen. Bei Rückenschmerzen ist die Wirksamkeit von jedoch nicht gut untersucht.

Helfen wirbelsäulennahe Spritzen?

Zur kurzfristigen Schmerzlinderung können örtliche Betäubungsmittel und / oder in die Nähe gereizter Nervenwurzeln oder in den gespritzt werden. Wie wirksam solche Spritzen bei einer Skoliose sind, ist nicht gut untersucht. Typischerweise lindern sie Beschwerden aber nur begrenzt und für wenige Wochen.

Die vereinfachte anatomische Grafik zeigt eine Injektion in den Periduralraum: Links am sitzenden Oberkörper, rechts in Detailansicht.

Kortisonspritzen können die Nerven vorübergehend reizen und zu Nebenwirkungen führen wie Kribbeln oder Jucken, Übelkeit, Fieber, Schwindel oder plötzlichen Hitzewallungen im Gesicht. Sehr selten kommt es durch Nachblutungen, Infektionen oder Nervenverletzungen zu ernsten Komplikationen wie bleibenden Lähmungen. Es gibt auch Hinweise darauf, dass wiederholte Spritzen mit möglicherweise die Knochen schwächen und dadurch Wirbelbrüche etwas wahrscheinlicher machen könnten.

Was kann ich bei starken anhaltenden Schmerzen tun?

Wenn die Schmerzen chronisch und sehr belastend werden, kommt eine multimodale Schmerztherapie infrage. Dabei wird man von Fachleuten aus Medizin, und Psychotherapie betreut. Die Behandlung kombiniert Bewegung, Schulungen, Entspannungstechniken und psychotherapeutische Behandlungsansätze. Letztere können helfen, im Alltag besser mit chronischen Schmerzen umzugehen. Auch ein Behandlungsplan mit Medikamenten kann Teil der multimodalen Schmerztherapie sein, wobei das Ziel ist, mit möglichst wenig Medikamenten auszukommen.

Ein wichtiger Teil ist, die Selbstwirksamkeit zu stärken. Das bedeutet: wieder Vertrauen in den eigenen Körper zu gewinnen und zu erkennen, dass man selbst etwas gegen die Schmerzen tun kann. Außerdem entwickelt man gemeinsam mit den Fachleuten einen realistischen Plan, der hilft, den Weg zurück in einen aktiven Alltag zu finden.

Wann kommt eine Operation infrage?

Wenn die Beschwerden stark sind und den Alltag sehr belasten, nicht operative Behandlungen nicht ausreichend helfen oder wenn Nervenstörungen auftreten, kann eine Operation infrage kommen.

Die Entscheidung für oder gegen eine Operation kann man in Ruhe treffen. Zur Abwägung der Vor- und Nachteile kann eine Entscheidungshilfe genutzt werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich eine zweite ärztliche Meinung einer Spezialistin oder eines Spezialisten einzuholen.

Quellen

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