Tennisarm und Golferarm

Einleitung
Spezielle Dehn- und Kräftigungsübungen können die Beschwerden bei einem Tennisarm lindern – auch wenn dazu etwas Ausdauer und Geduld nötig sind. Wie die folgenden Übungsbeispiele zeigen, sind sie leicht machbar und lassen sich gut in den Alltag einbauen.
Einen Tennisarm erkennt man daran, dass die Außenseite des Ellenbogens beim Bewegen des Armes schmerzt und das Zupacken schwerfällt. Bis sich die Beschwerden eines Tennisarms bessern, kann es einige Zeit dauern. Bei den meisten Menschen verschwinden die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen innerhalb eines Jahres auch ohne größere Behandlung wieder. Dehn- und Kräftigungsübungen können dazu beitragen, dass sie schneller wieder abklingen. Am besten untersucht ist die sogenannte exzentrische Trainingstherapie. Bei dieser Behandlungsform wird die Streckmuskulatur im Unterarm gedehnt und gestärkt – also die Muskulatur, die beispielsweise beim Rückhandschlag beim Tennis oder bei Schraubbewegungen belastet wird. Dehnen (Stretching) wird ebenfalls häufig empfohlen – auch wenn die Wirksamkeit von Dehnübungen bislang nicht erwiesen ist.
Welche Übungen sinnvoll sind, kann mit Physiotherapeutinnen oder Physiotherapeuten, Ärztinnen oder Ärzten besprochen werden.
Symptome
Tennisarm und Golferarm sind gut zu unterscheiden: Bei einem Tennisarm schmerzt die Außenseite des Ellenbogens, bei einem Golferarm die Innenseite.
Gemeinsam haben sie: Die Schmerzen treten meist bei Bewegung oder Berührung auf. Sie können bis in den Ober- und Unterarm sowie in die Hand ausstrahlen. Typisch sind Schmerzen, wenn man das Handgelenk streckt (Tennisarm) oder beugt (Golferarm). Manchmal ist der Arm weniger beweglich. In Ruheposition können die Schmerzen zwar nachlassen, manchmal treten sie aber auch nachts auf und stören den Schlaf.
Ursachen und Risikofaktoren
Im Ellenbogen setzen die Sehnen der Muskeln an, die an der Streckung und Beugung des Handgelenks beteiligt sind. Fachleute gehen davon aus, dass kleine Verletzungen und Verschleiß am Ansatz der Muskelsehnen die Schmerzen auslösen.
Die Beschwerden treten oft bei Menschen auf, die ihre Unterarmmuskulatur plötzlich ungewohnt stark belasten. Sie können sich aber auch durch regelmäßige einseitige Belastungen über längere Zeit entwickeln. Mögliche Ursachen sind:
- Sportarten wie Tennis oder Rudern (bei Tennisarm), Golf oder Wurfsportarten (bei Golferarm), Krafttraining
- Handwerksarbeiten wie Malern, Schreinern, Holzhacken
- schweres Heben
- Spielen von Musikinstrumenten, zum Beispiel Klavier
- Arbeit am Computer oder an einer Supermarktkasse
- Kochen, zum Beispiel Gemüseschneiden oder -schälen
Ein Tennisarm oder Golferarm kann also tatsächlich durch Tennis- oder Golfspielen verursacht sein. Bei den meisten Menschen haben die Beschwerden aber andere Gründe.
Häufigkeit
Etwa 2 % der Bevölkerung haben einen Tennisarm, weniger als 1 % einen Golferarm. Die Beschwerden treten meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf – wahrscheinlich, weil die Muskulatur ab dem mittleren Lebensalter anfälliger für Überlastungen ist. Frauen und Männer sind ähnlich häufig betroffen.
Verlauf
Manchmal verschwinden die Beschwerden schon nach wenigen Wochen. Oft dauern sie jedoch einige Monate an. Etwa 80 % der Betroffenen sind innerhalb eines Jahres schmerzfrei. Bei den anderen dauert es länger.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst, bei welchen Tätigkeiten die Beschwerden spürbar sind und ob es Vorerkrankungen gibt. Dann untersucht sie oder er den Arm und prüft, welche Bewegungen genau die Schmerzen auslösen. Dabei wird beispielsweise der Arm mit der Handfläche nach unten ausgestreckt und die Hand gegen Widerstand nach oben und unten gedrückt. Schmerzen am Ellenbogen beim Nach-oben-Drücken sprechen für einen Tennisarm, beim Nach-unten-Drücken für einen Golferarm.
Meist reicht die körperliche Untersuchung aus. Röntgenuntersuchungen, Ultraschall oder eine Magnetresonanz-Tomografie (MRT) sind nur sinnvoll, wenn ein Verdacht auf eine andere Erkrankung oder Verletzung besteht.
Behandlung
Es kann einige Monate dauern, bis die Beschwerden wieder verschwinden – meist auch ohne größere Behandlung. Sinnvoll ist es, die schmerzauslösenden Tätigkeiten möglichst erst einmal zu vermeiden oder die Belastungen zumindest so zu verringern, dass die Beschwerden nachlassen.
Spezielle Kräftigungsübungen für den Unterarm und das Handgelenk können helfen, die Beschwerden zu lindern – dies wird exzentrisches Training genannt. Ziel dabei ist es, die Schmerzen zu lindern sowie die Beweglichkeit und Belastbarkeit von Arm und Handgelenk zu verbessern. Übungen bei Tennis- und Golferarm kann man eigenständig zu Hause machen. Auch eine manuelle Therapie durch eine Physiotherapeutin oder einen Physiotherapeuten kann helfen.
Schmerzmittel wie Ibuprofen aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) können die Beschwerden kurzfristig lindern. Kortisonspritzen wirken ebenfalls schmerzlindernd, können den Heilungsprozess aber stören. Einige wenige Studien deuten an, dass sich die Schmerzen bei einem Tennisarm durch eine Ultraschalltherapie etwas bessern können.
Wenn die Beschwerden trotz Behandlung über lange Zeit anhalten, werden manchmal Operationen angeboten. Ihr Nutzen ist bislang aber kaum in Studien untersucht.
Daneben gibt es viele weitere Behandlungen, für die bisher aber nicht nachgewiesen ist, dass sie helfen. Dazu gehören verschiedene Spritzen (zum Beispiel mit Eigenblut oder Botox), Lasertherapie, Elektrotherapie, Massagen, Stoßwellentherapie und Akupunktur. Diese Behandlungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen meist nicht bezahlt.
Weitere Informationen
Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Informationen zur Gesundheitsversorgung in Deutschland helfen dabei, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und eine passende Arztpraxis zu finden. Mit dieser Frageliste kann man sich auf den Arztbesuch vorbereiten.
Was ist exzentrisches Training?
Grundsätzlich wird beim Muskeltraining zwischen konzentrischen und exzentrischen Bewegungen unterschieden. Bei einer konzentrischen Bewegung zieht sich der Muskel zusammen – bei einer exzentrischen Bewegung dehnt er sich. Ein Beispiel für eine konzentrische Übung ist, wenn eine Hantel in der Hand gehalten und zum Körper hingeführt wird. Bei einer exzentrischen Übung hingegen senkt man den Arm mit der Hantel langsam ab.
Exzentrische Übungen bei einem Tennisarm
Exzentrische Übungen stärken die Streckmuskulatur im Unterarm. Dafür gibt es unterschiedliche Übungen.
Beispiel 1:
- Eine Hantel in die Hand nehmen.
- Den betroffenen Arm auf einen Tisch legen, die Hand mit der Hantel über die Tischkante hängen lassen, sodass der Handrücken nach oben zeigt.
- Mit der freien Hand helfen, die Hantel so weit wie möglich nach oben anzuheben.
- Die Hand mit der Hantel langsam absenken.
- Etwa 10- bis 15-mal wiederholen.
- Nach einer kurzen Pause 2 weitere Durchläufe anschließen.
Wichtig ist, keine zu schwere Hantel zu nehmen. Sie soll etwa 30 % des Gewichts haben, das man maximal halten kann. Leichte Schmerzen sind in Ordnung, man sollte den Arm jedoch nicht überlasten.
Beispiel 2:
- Den betroffenen Arm mit dem Ellenbogen auf einen Tisch stützen. Den Unterarm so drehen, dass die Handfläche zum Tisch zeigt.
- Eine gefüllte Flasche in die Hand nehmen.
- Den Arm mit der Flasche langsam absenken, dabei bleibt das Handgelenk gestreckt.
- Die Flasche in die freie Hand fallen lassen und den Arm wieder in die aufrechte Position bringen.
- Mit der anderen Hand die Flasche anreichen.
- Etwa 10- bis 15-mal wiederholen.
- Nach einer kurzen Pause 2 weitere Durchläufe anschließen.
Exzentrische Übungen macht man am besten 3-mal täglich.
Dehnübungen (Stretching) bei einem Tennisarm
Beim Stretching wird die Streckmuskulatur des Handgelenks am Unterarm gedehnt. Stretching wird empfohlen, um die Beweglichkeit von Arm und Handgelenk zu verbessern. Solche Dehnübungen können entweder aktiv oder passiv durchgeführt werden. Aktiv heißt: Man führt sie selbst aus. Passiv bedeutet, dass zum Beispiel eine Physiotherapeutin oder ein Trainingspartner den Körperteil dehnt.
Hier ein Beispiel für eine aktive Dehnübung:
- Den betroffenen Arm ausstrecken, sodass der Handrücken zur Decke zeigt.
- Das Handgelenk lockerlassen, sodass die Hand nach unten fällt.
- Mit der anderen Hand die Hand des betroffenen Arms zum Körper ziehen.
- Die Dehnung für etwa 30 bis 45 Sekunden halten.
- Etwa 30 Sekunden Pause machen.
- Die Übung 3-mal wiederholen.
Dehnübungen sind etwa 2-mal am Tag sinnvoll.
Mehr Wissen
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