Toripalimab (Loqtorzi) bei Nasenrachenkrebs

Einleitung
Einleitung
Toripalimab (Handelsname Loqtorzi) ist seit September 2024 für Erwachsene mit Nasenrachenkrebs, der nach einer Therapie wieder aufgetreten ist und für den eine Operation oder Strahlentherapie nicht infrage kommen, zugelassen. Der Wirkstoff kann zudem als Ersttherapie eingesetzt werden, wenn der Krebs Metastasen gebildet hat. In beiden Situationen wird Toripalimab mit Cisplatin und Gemcitabin kombiniert.
Nasenrachenkrebs, auch Nasopharynxkarzinom oder Epipharynxkarzinom genannt, ist eine seltene Krebserkrankung des Nasen-Rachen-Raums. Er entwickelt sich fast immer aus den Plattenepithelzellen, die die Oberfläche der Schleimhaut in diesem Bereich bilden.
Nasopharynxkarzinome bleiben meist lange ohne Symptome und werden häufig erst diagnostiziert, wenn sie eine gewisse Größe erreicht und am Hals bereits Lymphknotenmetastasen gebildet haben. In dieser Situation ist eine Heilung meistens nicht mehr zu erwarten. Die Behandlung zielt dann darauf ab, das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen und trotz der Erkrankung so lange wie möglich eine gute Lebensqualität zu erhalten.
Toripalimab soll das Immunsystem aktivieren, den Krebs zu bekämpfen.
Anwendung
Andere Behandlungen
Bewertung
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2026 geprüft, ob Toripalimab für Erwachsene mit Nasenrachenkrebs im Vergleich zu der Standardtherapie Vor- oder Nachteile hat.
Der Hersteller legte hierzu eine Studie mit 289 Patientinnen und Patienten vor. Bei den untersuchten Personen war der Krebs nach einer Therapie wieder aufgetreten und eine Operation oder Strahlentherapie kamen nicht infrage. Zudem wurden auch Patientinnen und Patienten eingeschlossen, die noch nicht behandelt wurden und bei denen der Krebs bereits Metastasen gebildet hatte. Die eine Hälfte wurde mit Toripalimab behandelt, die andere Gruppe erhielt ein Placebo. Alle Teilnehmenden wurden zudem mit Cisplatin und Gemcitabin behandelt. Sie waren zu Beginn der Studie in einem guten Allgemeinzustand und wurden im Mittel (Median) etwa bis zu 3 Jahren beobachtet. Es zeigten sich folgende Ergebnisse:
Welche Vorteile hat Toripalimab?
Lebenserwartung: Hier deutet die Studie auf einen Vorteil von Toripalimab für die Personen hin, bei denen der Krebs nach einer Therapie wieder aufgetreten war. In der Gruppe mit Toripalimab waren 34 von 100 Personen gestorben. Ohne Toripalimab waren es 62 von 100 Personen.
Kein Unterschied zeigte sich hingegen für Personen mit Metastasen. Hier waren 41 bis 46 von 100 Personen in beiden Gruppen gestorben.
Emotionale und kognitive Funktion (gesundheitsbezogene Lebensqualität): Hier deutet die Studie auf einen Vorteil von Toripalimab für die Frauen hin:
- Die emotionale Funktion (psychische Belastung) hatte sich bei den Frauen in dieser Gruppe bei 32 von 100 Frauen verschlechtert. Bei den Frauen ohne Toripalimab-Behandlung war das bei 59 von 100 Frauen der Fall.
- Die kognitive Funktion (wie beispielsweise Konzentrations- und Gedächtnisprobleme) verschlechterte sich bei 55 von 100 Frauen in der Gruppe mit Toripalimab. Ohne Toripalimab verschlechterte sie sich bei 74 von 100 Frauen.
Für die Männer zeigte sich hingegen kein Unterschied bei beiden Aspekten.
Welche Nachteile hat Toripalimab?
Schwere Lungenentzündungen: Bei dieser schweren Nebenwirkung deutet die Studie auf einen Nachteil von Toripalimab für die Personen hin, bei denen der Krebs nach einer Therapie wieder aufgetreten war. In der Gruppe mit Toripalimab traten bei 16 von 100 Personen schwere Lungenentzündungen auf. In der Gruppe ohne Toripalimab war das bei 1 von 100 Personen der Fall.
Kein Unterschied zeigte sich hingegen für Personen mit Metastasen. Hier traten bei 6 bis 7 von 100 Personen in beiden Gruppen schwere Lungenentzündungen auf.
Wo zeigte sich kein Unterschied?
Schwere Nebenwirkungen insgesamt: Hier zeigte sich kein Unterschied. Bei 90 von 100 Patientinnen und Patienten in beiden Gruppen traten schwere Nebenwirkungen auf.
Einschätzung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität insgesamt, körperliche Funktion, soziale Funktion, Rollenfunktion, Probleme in der Öffentlichkeit zu essen, Probleme mit Sozialkontakten und verminderte Sexualität: Bei diesen Aspekten der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigte sich kein Unterschied.
Zudem zeigte sich kein Unterschied bei:
- starker Erschöpfung (Fatigue)
- Übelkeit, Erbrechen, Appetitverlust, Verstopfung und Durchfall
- Schmerzen
- Atemnot
- Schlaflosigkeit
- Mundtrockenheit, Probleme beim Mundöffnen, klebriger Speichel, Schluckprobleme und Zahnprobleme
- Gefühlsstörungen
- Sprachprobleme
- Husten
- Krankheitsgefühl
- Einsatz einer Ernährungssonde
Welche Fragen sind noch offen?
Zu Therapieabbrüchen wegen Nebenwirkungen und immunvermittelten schweren Nebenwirkungen legte der Hersteller keine geeigneten Daten vor. Bei immunvermittelten schweren Nebenwirkungen greift der Körper als Folge der Therapie den eigenen Körper an.
Weitere Informationen
Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse des Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Toripalimab (Loqtorzi).
Quellen
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Toripalimab (Nasopharynxkarzinom) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Projekt A26-04. 09.04.2026. (IQWiG-Berichte; Band 2218); DOI: 10.60584/A26-04.
IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.
Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.