Verhütungsmittel

Einleitung
Wer verhüten will, hat eine ganze Reihe von Verhütungsmethoden zur Auswahl – aber keine ist perfekt. Welche sich eignet, hängt auch von der individuellen Lebenssituation ab – zum Beispiel davon, ob man in einer festen Partnerschaft lebt, wie häufig man Sex hat, ob man sich auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen möchte und ob man sich irgendwann noch Kinder wünscht. Auch die eigenen Vorlieben und die des Sexualpartners oder der -partnerin sowie Wünsche und Erwartungen an ein Verhütungsmittel spielen eine wichtige Rolle.
Manche Menschen bevorzugen Methoden, die sie nur bei Bedarf nutzen, wie Kondome. Andere ziehen eine langfristige Lösung vor und möchten nicht vor jedem Geschlechtsverkehr an Verhütung denken – dann kommen zum Beispiel Spiralen infrage. Für viele Frauen spielt es eine Rolle, ob sie für die Verhütung Hormone nehmen müssen oder nicht.
Welche Verhütungsmethode die passende ist, kann sich im Laufe des Lebens immer wieder ändern. Bei Bedarf kann man sich kostenfrei und auf Wunsch anonym an eine Beratungsstelle für Verhütung, Familienplanung und Schwangerschaft wenden. Auch Ärztinnen und Ärzte beraten zu Verhütungsmethoden, vor allem in gynäkologischen Praxen. Die Beratung wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.
Verhütungsmethoden und ihre Wirkung
Es gibt folgende Möglichkeiten:
- hormonelle Verhütung: Pille (Kombi-Pille), Minipille (Gestagen-Pille), Verhütungsring (Vaginalring, Hormonring), Verhütungspflaster, Verhütungsstäbchen (Hormonstäbchen, Hormonimplantat), Hormonspirale, Dreimonatsspritze
Es gibt kombinierte hormonelle Verhütungsmittel mit den Hormonen Östrogen und Gestagen und Mittel, die nur Gestagen enthalten. Je nach Zusammensetzung und Dosis der Hormone verhindern hormonelle Verhütungsmittel die Befruchtung der Eizelle, indem sie den Schleim im Gebärmutterhals (Zervix) verdicken, sodass Spermien nicht in die Gebärmutter gelangen. Zudem hemmen sie den Aufbau der Schleimhaut in der Gebärmutter (Uterus), sodass sich keine befruchtete Eizelle einnisten kann. Manche verhindern auch den Eisprung.
- Barriere-Methoden (ohne Hormone): Kondom, Femidom („Frauenkondom“), Diaphragma
Sie verhindern eine Befruchtung, indem sie den Spermien den Weg in die Gebärmutter versperren.
- Spiralen (mit oder ohne Hormone): Kupferspirale, Kupferkette, Kupfer(perlen)ball, Hormonspirale
Sie werden in die Gebärmutter eingesetzt und geben dort entweder geringe Mengen Kupfer oder Hormone ab. Spiralen können den Schleim im Gebärmutterhals (Zervix) so verändern, dass Spermien nicht in die Gebärmutter gelangen. Außerdem wird die Bewegungs- und Befruchtungsfähigkeit der Spermien eingeschränkt, sodass es nicht zur Befruchtung kommt. Zudem verändert sich die Gebärmutterschleimhaut so, dass sich eine befruchtete Eizelle nicht einnisten könnte. Spiralen bleiben für gewöhnlich mehrere Jahre lang in der Gebärmutter, bevor sie wieder entfernt werden.
- Sterilisation: Sterilisation der Frau (Tubensterilisation und Salpingektomie), Sterilisation des Mannes (Vasektomie)
Bei der Frau werden in einer Operation die Eileiter verschlossen oder entfernt. Beim Mann werden die Samenleiter durchtrennt. Eine Sterilisation ist eine dauerhafte Verhütung. Sie kommt nur für Männer und Frauen infrage, die keine Kinder (mehr) bekommen wollen.
- natürliche Familienplanung (NFP): Kalender-Methode, Temperatur-Messung, Zervixschleim-Beobachtung, symptothermale Methode
Dabei wird versucht, anhand bestimmter Körperzeichen die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage der Frau zu erkennen. Dazu wird beispielsweise die Körpertemperatur gemessen und / oder der Schleim im Gebärmutterhals untersucht. Natürliche Methoden der Familienplanung erfordern Erfahrung in der Anwendung, um sicher zu sein.
- Coitus interruptus („Rückzieher“):
Beim Coitus interruptus zieht der Mann den Penis kurz vor dem Orgasmus aus der Vagina. Allerdings können schon vorher kleine Mengen Sperma austreten. Und nicht immer gelingt es, den Penis rechtzeitig herauszuziehen. Deshalb gilt er als sehr unsicher.
Perfekte und typische Anwendung
Um anzugeben, wie sicher eine Verhütungsmethode vor einer Schwangerschaft schützt, wird oft eine Prozentzahl verwendet. Diese gibt an, wie viele von 100 Frauen, die eine bestimmte Verhütungsmethode anwenden, innerhalb eines Jahres trotzdem schwanger werden. Viele kennen dies unter der Bezeichnung „Pearl-Index“. Da der Pearl-Index aber beispielsweise keine Einnahmefehler berücksichtigt, wird er von Fachleuten eher nicht mehr zur Berechnung der Verhütungssicherheit verwendet.
Unterschieden wird bei neueren Berechnungen meistens zwischen einer „perfekten Anwendung“ und einer „typischen Anwendung“, auch „Alltagsanwendung“ genannt:
- „Perfekte Anwendung“ bedeutet, dass die Nutzerin oder der Nutzer des Verhütungsmittels alle Anwendungshinweise beachtet, alles richtig macht und das Verhütungsmittel immer konsequent nutzt.
- „Typische Anwendung“ steht für die Anwendung im Alltag – und da kommt es eben auch zu Fehlern oder „Verhütungspannen“, zum Beispiel, wenn man eine Pille vergisst oder zu spät einnimmt.
Sicherheit der Verhütungsmittel
Die Sterilisation und Spiralen verhüten sehr sicher. Hat die Ärztin oder der Arzt die Spirale einmal korrekt eingesetzt, kann man nichts vergessen und auch keinen Anwendungsfehler machen. Das gilt auch für das Verhütungsstäbchen.
Andere hormonelle Verhütungsmittel gelten ebenfalls als sehr sicher – jedoch nur, wenn sie immer richtig und konsequent angewendet werden. Werden zum Beispiel eine oder mehrere Pillen vergessen, ist die Verhütung nicht mehr so sicher.
Etwas weniger sicher sind die Barriere-Methoden. Ihre Verlässlichkeit hängt sehr davon ab, ob man sie richtig und konsequent anwendet.
Die natürliche Familienplanung ist nur dann recht sicher, wenn mehrere Körpersignale beobachtet und die Anwendungsregeln sehr genau eingehalten werden.
Es können auch mehrere Verhütungsmittel kombiniert werden – zum Beispiel Kondom und Pille oder Kondom und natürliche Familienplanung.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Verhütungssicherheit gängiger Methoden. Dabei ist aber zu beachten, dass es schwer ist, das Verhütungsverhalten und die Anwendung von Verhütungsmitteln in Studien zu erforschen. Die Zahlen schwanken von Studie zu Studie zum Teil deutlich. Die folgende Tabelle bietet deshalb nur eine grobe Orientierung.
| Ungewollte Schwangerschaften im ersten Jahr pro 100 Frauen (%) | ||
|---|---|---|
| Perfekte Anwendung | Typische Anwendung | |
| Zum Vergleich: keine Verhütung | 85 | 85 |
| Hormonelle Methoden | ||
| Pille, Minipille, Verhütungsring, Verhütungspflaster | 0,3 | 3 – 9 |
| Verhütungsstäbchen | 0,1 | 0,1 |
| Dreimonatsspritze | 0,2 | 4 |
| Barriere-Methoden | ||
| Kondom | 2 | 13 |
| Frauenkondom | 5 | 21 |
| Diaphragma | 4 – 14 | 12 – 18 |
| Spiralen | ||
| Kupferspirale, Kupferkette | 0,6 | 0,8 |
| Kupferball | unklar | unklar |
| Hormonspirale | 0,1 | 0,2 |
| Sterilisation | ||
| Sterilisation Frau | 0,5 | 0,5 |
| Sterilisation Mann | 0,1 | 0,1 |
| Natürliche Familienplanung | ||
| Symptothermale Methode | 0,4 | 2 |
| Zervixschleim-Beobachtung | 3 | 23 |
| Kalender-Methode | 5 | 12 |
| Temperatur-Messung | unklar (gilt aber als unsicher) | unklar (gilt aber als unsicher) |
| Sonstiges | ||
| Coitus interruptus | unklar (gilt aber als unsicher) | 20 |
Wo man Verhütungsmittel bekommt
Für hormonelle Verhütungsmittel ist ein Rezept nötig, das man nach einer ärztlichen Beratung erhält. Damit kann man die Pille, die Minipille, den Verhütungsring und das Verhütungspflaster in der Apotheke kaufen oder online bestellen. Das Verhütungsstäbchen kann nur von einer Ärztin oder einem Arzt eingesetzt werden und wird in der Regel über die Praxis bestellt. Das gilt auch für alle Spiralen, die ebenfalls rezeptpflichtig sind – ob mit oder ohne Hormone.
Kondome und Diaphragmen sind rezeptfrei erhältlich, zum Beispiel in Drogeriemärkten, Apotheken oder im Internet. Beim Diaphragma ist es allerdings sinnvoll, es in einer Beratungsstelle oder Arztpraxis anpassen und sich beim korrekten Einsetzen anleiten zu lassen. Denn die richtige Größe und der richtige Sitz sind wichtig für die Verhütungssicherheit.
Kosten von Verhütungsmitteln
Verhütungsmittel müssen in der Regel selbst bezahlt werden. Für junge Frauen bis zum 22. Geburtstag tragen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für rezeptpflichtige Verhütungsmittel. Dazu gehören die Pille und andere hormonelle Verhütungsmittel sowie manchmal auch Spiralen.
In einigen Städten und Gemeinden werden auch für Empfängerinnen von Sozialhilfe oder Bürgergeld die Kosten für rezeptpflichtige Verhütungsmittel übernommen. Am besten fragt man im Jobcenter, Gesundheitsamt oder einer Beratungsstelle nach.
Die Kosten für Verhütungsmittel hängen von der Methode, der Packungsgröße oder der Arztpraxis (bei Eingriffen) ab. Manchmal fallen einmalig höhere Kosten an, zum Beispiel für die Sterilisation oder das Einsetzen einer Spirale. Bei anderen Methoden hat man regelmäßige Ausgaben, zum Beispiel für die Pille. Die Kosten für Kondome wiederum fallen nur an, wenn man Sex hat und deshalb ein Kondom gebraucht wird.
So teuer sind Verhütungsmittel ungefähr:
| Verhütungsmethode | Kosten |
|---|---|
| Pille (Kombi-Pille) | etwa 20 Euro pro Monat |
| Minipille | 7 bis 25 Euro pro Monat |
| Verhütungsring | etwa 12 Euro pro Monat |
| Verhütungspflaster | etwa 13 Euro pro Monat |
| Verhütungsstäbchen (Hormonimplantat) | einmalig etwa 300 – 450 Euro (für 3 Jahre) plus etwa 40 Euro für das Entfernen des Stäbchens |
| Dreimonatsspritze | 30 bis 45 Euro pro Spritze |
| Hormonspirale | einmalig etwa 400 Euro (je nach Modell für 3 bis 8 Jahre) plus jeweils 20 bis 40 Euro für 1 bis 2 Kontrollen im Jahr |
| Kupferspirale | einmalig 120 bis 300 Euro (je nach Modell für 3 bis 10 Jahre) plus jeweils 20 bis 40 Euro für 1 bis 2 Kontrollen im Jahr |
| Kupferkette | einmalig 250 bis 300 Euro (für bis zu 10 Jahre) plus jeweils 20 bis 40 Euro für 1 bis 2 Kontrollen im Jahr |
| Kupferball | einmalig 300 bis 500 Euro (für bis zu 5 Jahre) plus jeweils 20 bis 40 Euro für 1 bis 2 Kontrollen im Jahr |
| Kondom | pro Stück ab 0,20 Euro latexfreie Kondome ab 1 Euro |
| Frauenkondom | pro Stück ab 2,30 Euro |
| Diaphragma | pro Stück 40 bis 60 Euro (kann mindestens 2 Jahre verwendet werden) plus Verhütungsgel (10 Euro) |
| Sterilisation Mann | einmalig 400 bis 750 Euro |
| Sterilisation Frau | einmalig 600 bis 1000 Euro |
| Natürliche Familienplanung | einmalige Kosten für ein Thermometer (5 bis 20 Euro), zusätzlich eventuell Kosten für Schulungsmaterialien und Beratung |
Verhütungspannen und „Pille danach“
Manchmal misslingt die Verhütung oder wird sehr unsicher – etwa, weil ein Kondom platzt oder die Pille vergessen wurde. Möchte man nachträglich noch verhüten, gibt es zwei Möglichkeiten: die „Pille danach“ oder die „Spirale danach“. Dies wird als Notfallverhütung bezeichnet.
Die „Pille danach“ ist rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Die Apotheken beraten auch dazu, ob die Einnahme der „Pille danach“ sinnvoll ist und was zu beachten ist. Bis zum 22. Geburtstag tragen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten, sofern die Frau ein ärztliches Rezept hat. Unabhängig vom Alter werden die Kosten immer dann übernommen, wenn ein Hinweis auf einen sexuellen Missbrauch oder eine Vergewaltigung besteht. Auch dann ist ein Rezept nötig. Ansonsten kostet die „Pille danach“ je nach Präparat zwischen 15 und 30 Euro.
Die „Pille danach“ enthält Hormone, die den Eisprung verzögern. Dadurch können die Spermien die Eizelle nicht mehr befruchten. Die „Pille danach“ wird einmalig eingenommen, am besten spätestens 12 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr. Die Einnahme kann aber bis zu fünf Tage nach dem Sex sinnvoll sein, weil die Spermien so lange fruchtbar sein können.
Die „Pille danach“ kann nur dann wirken, wenn sie rechtzeitig vor dem Eisprung eingenommen wird. Deshalb verhindert sie nicht jede Schwangerschaft. Es ist also sinnvoll, einen Schwangerschaftstest zu machen, sollte sich die Monatsblutung nicht wie gewohnt einstellen.
Die „Spirale danach“ ist eine gewöhnliche Kupferspirale, die eine Ärztin oder ein Arzt in die Gebärmutter einsetzt. Die Spirale verhindert, dass sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnistet. Sie kann bis zu fünf Tage nach dem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden – oder bis zu fünf Tage nach dem vermuteten Eisprung. Sie ist sicherer als die „Pille danach“. Die Kupferspirale kann mehrere Jahre in der Gebärmutter verbleiben. Sie lohnt sich vor allem dann, wenn anschließend dauerhaft mit ihr verhütet wird.
Weitere Informationen
Die gynäkologische Praxis ist eine wichtige Anlaufstelle bei Fragen zur Verhütung. Männer können sich beispielsweise in einer urologischen Praxis beraten lassen. Informationen zur Gesundheitsversorgung in Deutschland helfen dabei, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und eine passende Arztpraxis zu finden.
Bei Fragen rund um Sexualität und Verhütung kann man sich auch an Beratungsstellen wenden, die zu Verhütung, Familienplanung und Schwangerschaft beraten.
Wie verläuft der weibliche Zyklus?
Der weibliche Zyklus besteht aus zwei Phasen:
- Phase der Eireifung: Sie dauert vom ersten Tag der Menstruation bis zum Eisprung. In dieser Zeit wird die Schleimhaut an der Innenwand der Gebärmutter (Uterus) dicker, damit sich eine Eizelle nach der Befruchtung dort einnisten kann. Zudem reifen im Eierstock die Eibläschen heran.
- Gelbkörperphase: Sie dauert vom Eisprung bis zum ersten Tag der Menstruation. Die Eizelle wandert durch den Eileiter in die Gebärmutter. Wenn sie nicht befruchtet wird, stirbt sie ab. Etwa zwei Wochen später wird die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen. Die Regelblutung setzt ein. Damit beginnt ein neuer Zyklus.
Die fruchtbaren Tage beginnen etwa fünf Tage vor dem Eisprung, denn so lange können Spermien nach dem Geschlechtsverkehr in der Gebärmutter und den Eileitern überleben. Die Eizelle kann nach dem Eisprung etwa 24 Stunden lang befruchtet werden.
Während des Zyklus kommt es zu Veränderungen der Körpertemperatur, des Zervixschleims und des Muttermunds. Durch Beobachtung dieser Veränderungen können die fruchtbaren Tage eingegrenzt, aber mit keiner Methode genau bestimmt werden.
Welche Methoden der natürlichen Familienplanung gibt es?
Zu den Methoden der natürlichen Familienplanung gehören:
- Kalender-Methode: Auf der Basis der vorausgehenden Zyklen wird der wahrscheinliche Zeitpunkt des nächsten Eisprungs berechnet.
- Temperatur-Messung: Die Körpertemperatur der Frau schwankt im Verlauf des Zyklus. Ein anhaltender Anstieg der Temperatur deutet darauf hin, dass der Eisprung stattgefunden hat und die unfruchtbare Phase im Zyklus beginnt. Die Temperatur muss immer zur gleichen Zeit und morgens vor dem Aufstehen gemessen werden – das nennt man die Basaltemperatur.
- Zervixschleim-Beobachtung: Der Schleim im Gebärmutterhals (Zervix) verändert sich im Verlauf des Zyklus. Die Frau kann den Zervixschleim am Ausgang der Vagina untersuchen und daraus ableiten, ob der Eisprung bevorsteht oder schon stattgefunden hat.
- Ertasten des Muttermunds: Der Muttermund ist der untere Teil des Gebärmutterhalses. Er ist direkt nach der Monatsblutung geschlossen und fühlt sich fest an. In der fruchtbaren Zeit ist er weich, leicht geöffnet und liegt tiefer in der Vagina. Diese Veränderung lässt sich ertasten.
- symptothermale Methode: Sie kombiniert die Temperatur-Messung und die Zervixschleim-Beobachtung.
- Ovulationstests und Hormonmessungen: Der Körper der Frau schüttet am Ende der Eizellreifung das sogenannte LH-Hormon aus. Weitere Hormone können den Eisprung mehrere Tage im Voraus ankündigen. Mithilfe von Teststreifen oder Zyklus-Computern werden sie im Urin oder Speichel gemessen.
- Zyklus-Apps, Fruchtbarkeitsmonitore und Eisprungrechner: Es gibt eine Vielzahl digitaler Tools, die auf den genannten Methoden beruhen und bei der Messung und Dokumentation unterstützen.
Es werden noch weitere Methoden angeboten, über deren Sicherheit sich aber nicht genug sagen lässt.
Gut zu wissen:
Neben den Methoden der natürlichen Familienplanung gibt es weitere Verhütungsmethoden, zum Beispiel Barriere-Methoden (wie das Kondom), hormonelle Methoden (wie die Pille), Spiralen und die Sterilisation.
Wie sicher sind Methoden der natürlichen Familienplanung?
Die Methoden der natürlichen Familienplanung sind weniger sicher als viele andere Verhütungsmethoden – vor allem, wenn man sich auf ein einziges Körperzeichen verlässt. Denn das Messen und Erkennen einzelner Körperzeichen kann fehler- und störanfällig sein.
So ist beispielsweise das alleinige Messen der Körpertemperatur nicht sicher, weil es noch weitere Gründe für eine erhöhte Körpertemperatur geben kann – Krankheit, eine zu kurze oder gestörte Nachtruhe, Alkohol oder spätes Essen am Abend. Auch die Konsistenz des Zervixschleims kann sich unabhängig vom Zyklus verändern, beispielsweise durch Infektionen in der Vagina. Die Kalender-Methode allein ist sehr unsicher, weil bei vielen Frauen die Zykluslänge und der Zeitpunkt des Eisprungs von Monat zu Monat schwanken – und damit der Zeitraum der fruchtbaren Tage. Kombiniert man jedoch mehrere Methoden, verbessert sich der Verhütungsschutz.
Zu den meisten natürlichen Methoden gibt es keine guten und ausreichend großen Studien. Recht gut untersucht ist aber die symptothermale Methode. Es gibt verschiedene Varianten der symptothermalen Methode. Diese unterscheiden sich danach, wie viele Körperzeichen ausgewertet werden und nach welchen Regeln.
Die symptothermale Methode mit der höchsten Sicherheit ist die sogenannte Double-Check-Methode. Dabei kombiniert die Frau die Temperatur-Messung mit der Beobachtung des Zervixschleims. Sie bietet bei perfekter Anwendung eine hohe Verhütungssicherheit: Etwa 0,4 % der Frauen, die geschult wurden und ein Jahr lang konsequent mit der symptothermalen Methode verhüten, werden schwanger. Zum Vergleich: Bei der Pille sind es 0,3 % – bei perfekter Anwendung.
Bis die Körperzeichen richtig gedeutet und ausgewertet werden können, dauert es meist einige Zeit und braucht etwas Erfahrung. Es wird deshalb empfohlen, erst einige Zyklen lang zu üben, bevor man sich auf die Verhütung mit der symptothermalen Methode verlässt. Die symptothermale Methode kann auch in Schulungen erlernt werden.
Ob natürliche Methoden sicher funktionieren, hängt nicht zuletzt davon ab, wie konsequent an den fruchtbaren Tagen ein anderes Verhütungsmittel verwendet wird, zum Beispiel Kondome.
Wie wird die symptothermale Methode angewendet?
Die gemessenen Werte und Beobachtungen werden genau dokumentiert und ausgewertet – entweder auf Tabellenblättern oder mithilfe einer App.
Bei der Anwendung der symptothermalen Methode geht die Frau folgendermaßen vor:
Messung der Aufwachtemperatur
- Sie misst ihre Körpertemperatur jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen, aber vor dem Aufstehen (Basaltemperatur), und notiert sie oder gibt sie in eine App ein.
- Die Temperatur kann in der Vagina oder im After gemessen werden. Die Messung sollte aber immer an derselben Stelle stattfinden, da sich die Temperatur an verschiedenen Körperstellen unterscheiden kann.
- Am besten eignet sich ein Digitalthermometer, das auf zwei Nachkommastellen genau misst.
Ist die Temperatur an drei Tagen hintereinander um mindestens 0,2 Grad Celsius höher als an den sechs Tagen zuvor? Dann hat mit hoher Wahrscheinlichkeit der Eisprung stattgefunden. Die unfruchtbaren Tage beginnen.
Besonderheiten wie Krankheiten oder stark abweichende Messzeiten sollten notiert werden, da sie die Körpertemperatur beeinflussen können.
Beobachtung des Zervixschleims
Die Frau achtet darauf, wie sich das Aussehen des Schleims am Ausgang der Vagina im Laufe ihres Zyklus verändert. Sie erfühlt die Veränderungen der Konsistenz und achtet darauf, ob sie in der Vagina ein eher trockenes oder eher feuchtes Gefühl hat. Kurz vor dem Eisprung ist der Zervixschleim eher flüssig und durchsichtig und zieht zwischen den Fingern Fäden. Nach dem Eisprung verfestigt er sich und wird zäh, klumpig und weißlich.
Wie sinnvoll sind Eisprungrechner, Zyklus-Apps und andere digitale Tools zur Verhütung?
„Zyklus-Apps“, „Fruchtbarkeitsmonitore“, „Kalender-Apps“ und „Eisprungrechner“ sind digitale Tools, mit deren Hilfe der Eisprung und die fruchtbaren Tage im Zyklus der Frau bestimmt werden sollen. Viele davon versprechen eine Menge: natürliche Verhütung ohne Hormone, selbstbestimmt und partnerschaftlich. Dabei ist aber wichtig zu wissen: Digitale Tools, Apps und Geräte können immer nur so gut sein wie die Methode, auf der sie beruhen. Deshalb ist es wichtig, immer zuerst zu prüfen, nach welcher Methode sie arbeiten.
Eisprungrechner im Internet gehen von einem Zyklus von 28 Tagen und einem Eisprung am 14. Zyklustag aus – also in der Mitte des Zyklus. Ausgehend davon werden die fruchtbaren Tage berechnet. Einen solchen „Standard-Zyklus“ hat aber nur etwa jede zehnte Frau. Andere Zyklus-Apps beruhen auf der Kalender-Methode. Bei dieser wird der Zeitpunkt des Eisprungs auf der Basis der Länge der vorangehenden Zyklen im Voraus geschätzt. Das ist etwas sicherer als reine Eisprungrechner, weil individuelle Schwankungen der Zykluslänge einbezogen werden. Aber auch mit diesen Apps kann der Zeitpunkt des Eisprungs nicht verlässlich eingegrenzt werden.
Andere digitale Hilfsmittel beruhen auf der Temperatur-Messung – etwa Zyklus-Computer oder Fertilitätsmonitore mit integriertem Thermometer. Es gibt auch Systeme, die die Körpertemperatur mit einem Ring in der Vagina oder einem Armband laufend messen und an eine App oder Software übertragen, die sie auswertet. Hormoncomputer messen die Konzentration des Hormons LH, manchmal auch weiterer Hormone, im Urin oder Speichel der Frau und werten sie aus. Sie gelten aber als unsicher.
Digitale Tools und Apps, die sich auf ein einziges Körperzeichen verlassen, eignen sich nicht für eine sichere Verhütung. Sie können aber die Dokumentation und Auswertung einfacher und bequemer machen. Apps, die auf der Grundlage der symptothermalen Methode arbeiten, können deren Anwendung unterstützen.
Was kostet die natürliche Familienplanung?
Welche Vorteile haben die natürlichen Methoden?
Vorteile der natürlichen Verhütungsmethoden sind:
- Sie haben keine Nebenwirkungen durch Hormone.
- Frauen lernen ihren Körper und ihren Zyklus besser kennen.
- Sie kosten wenig Geld – sofern man auf ein teures Gerät oder App-Abo verzichtet.
- Es sind keine Arztbesuche dafür nötig.
- Sie können einen partnerschaftlichen Umgang mit Verhütung fördern. Denn Paare müssen sich darüber austauschen, in welcher Zyklusphase sich die Frau gerade befindet, und gemeinsam Verantwortung für die Verhütung übernehmen.
Welche Nachteile haben die natürlichen Methoden?
Nachteile der natürlichen Verhütungsmethoden sind:
- Sie sind (außer die symptothermale Methode) weniger sicher als andere Methoden, zum Beispiel hormonelle Mittel oder Spiralen.
- Die natürliche Familienplanung ist relativ aufwendig, da regelmäßig Körperzeichen beobachtet und dokumentiert werden müssen.
- Die Sicherheit hängt davon ab, wie gut und konsequent Körperzeichen beobachtet und ausgewertet werden. Das braucht Übung und Erfahrung.
- An den fruchtbaren Tagen muss zusätzlich verhütet oder auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden.
- Die Anwendung ist in bestimmten Lebensphasen schwierig, zum Beispiel in der Stillzeit oder während der Wechseljahre. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass der Zyklus in diesen Phasen sehr unregelmäßig sein kann.
Mehr Wissen
Extras
Quellen
FSRH Guideline (January 2019) Combined Hormonal Contraception (Revision due by January 2024). BMJ Sex Reprod Health 2019; 45(Suppl 1): 1-93.
FSRH Guideline (March 2023) Intrauterine contraception. BMJ Sex Reprod Health 2023; 49(Suppl 1): 1-142.
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Familienplanung.de: Verhütungsmethoden. 2023.
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Hormonelle Empfängnisverhütung (S3-Leitlinie, in Überarbeitung). AWMF-Registernr.: 015-015. 2020.
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Nicht hormonelle Empfängnisverhütung (S2k-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 015-095. 2023.
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Teal S, Edelman A. Contraception Selection, Effectiveness, and Adverse Effects: A Review. JAMA 2021; 326(24): 2507-2518.
World Health Organization (WHO). Family Planning. A global handbook for providers. 2022.