Darmkrebs

Einleitung
An Ratschlägen zur Vorbeugung von Darmkrebs mangelt es nicht: Mehr Ballaststoffe, weniger Fleisch, zusätzliche Vitamine und sogar Medikamente finden sich auf einer langen Liste von Empfehlungen. Die Frage ist: Wie gut sind die häufigsten Behauptungen wissenschaftlich belegt?
Gesunde Menschen können ihr Darmkrebsrisiko senken, indem sie die Darmkrebs-Früherkennung nutzen. Die Untersuchungen werden allen Menschen ab 50 Jahren angeboten und können das Darmkrebsrisiko nachweislich senken.
Auch ein gesunder Lebensstil soll Darmkrebs vorbeugen. Doch was ist von den zahlreichen Ratschlägen vor allem zur Ernährung zu halten? Hilft es tatsächlich, viel Gemüse und Obst und möglichst wenig rotes Fleisch zu essen? Und nützt es, zusätzlich Vitamine einzunehmen?
Symptome
Darmkrebs verursacht anfangs oft keine Beschwerden und kann dadurch zunächst unbemerkt bleiben. Manchmal äußert er sich zum Beispiel durch Schmerzen im Bauch oder veränderte Stuhlgewohnheiten. So kann sich die Häufigkeit oder übliche Tageszeit der Toilettengänge verändern, man neigt eher zu Verstopfung oder Durchfall, oder beides wechselt sich ab. Schwarzer oder sehr dunkler Stuhl kann auf Blutspuren hinweisen und ebenfalls ein Anzeichen für Darmkrebs sein. Bei fortgeschrittenem Darmkrebs können unerklärlicher Gewichtsverlust, Übelkeit und Appetitlosigkeit hinzukommen.
Diese Symptome können jedoch auch viele andere Ursachen haben. Meist steckt entweder etwas Harmloses dahinter oder die Symptome deuten auf eine andere Erkrankung hin, zum Beispiel auf vergrößerte Hämorrhoiden oder eine entzündliche Darmerkrankung.
Ursachen
Darmkrebs entsteht, wenn Zellen in der Darmschleimhaut entarten, sich ungehindert vermehren und in umliegendes Gewebe hineinwachsen. Meist entstehen Zellveränderungen zufällig. Normalerweise beseitigt das Abwehrsystem des Körpers bösartig veränderte Zellen. Dies gelingt aber nicht immer: Mit zunehmendem Alter häufen sich Fehler bei der Zellteilung, gleichzeitig werden die körpereigenen Reparaturmechanismen schwächer. Die meisten Krebsarten treten deshalb vor allem bei älteren Menschen auf.
Bei den meisten Menschen lässt sich kein bestimmter Auslöser für Darmkrebs finden. Ungefähr 5 von 100 Erkrankten haben aber eine erbliche Form von Darmkrebs. Dabei handelt es sich entweder um die „familiäre adenomatöse Polyposis“ oder um das „hereditäre nicht polypöse kolorektale Karzinomsyndrom“. Diese beiden Formen treten meist schon in jungen Jahren auf.
Risikofaktoren
Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko für Darmkrebs etwas. Dazu gehören vor allem:
- chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
- Darmkrebs in der Familie: Wenn Eltern oder Geschwister bereits an Darmkrebs erkrankt sind, verdoppelt sich das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.
Andere Faktoren wie die Ernährung, Diabetes oder Übergewicht haben im Vergleich dazu einen eher geringen Einfluss.
Häufigkeit
Das Risiko für Darmkrebs nimmt mit dem Alter zu: Viele Menschen, die Darmkrebs haben, sind bereits über 75 Jahre alt. Bei unter 50-Jährigen ist Darmkrebs sehr selten.
Manchmal wird Darmkrebs als typische Männerkrankheit gesehen. Dies ist ein Irrtum: Zwar tritt die Erkrankung bei Männern häufiger und oft auch in einem früheren Alter auf, Frauen können aber genauso daran erkranken.
Die folgenden Tabellen zeigen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, in einem bestimmten Alter in den folgenden zehn Jahren an Darmkrebs zu erkranken. Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte – das Erkrankungsrisiko eines Menschen hängt auch von seinen persönlichen Risikofaktoren ab.
| Alter | Anzahl der Männer, die in den nächsten zehn Jahren an Darmkrebs erkranken | Anzahl der Männer, die in den nächsten zehn Jahren an Darmkrebs sterben |
|---|---|---|
| 50 | 7 von 1000 | 2 von 1000 |
| 55 | 13 von 1000 | 4 von 1000 |
| 60 | 18 von 1000 | 6 von 1000 |
| 65 | 24 von 1000 | 9 von 1000 |
| Alter | Anzahl der Frauen, die in den nächsten zehn Jahren an Darmkrebs erkranken | Anzahl der Frauen, die in den nächsten zehn Jahren an Darmkrebs sterben |
|---|---|---|
| 50 | 5 von 1000 | 1 von 1000 |
| 55 | 8 von 1000 | 2 von 1000 |
| 60 | 10 von 1000 | 3 von 1000 |
| 65 | 14 von 1000 | 5 von 1000 |
Über das gesamte Leben betrachtet, sterben schätzungsweise 32 von 1000 Männern und 26 von 1000 Frauen an Darmkrebs.
Verlauf
Darmkrebs entwickelt sich über viele Jahre. Eine erste, noch harmlose Stufe sind gutartige Wucherungen der Schleimhaut – sogenannte Polypen. Sie sind bei älteren Menschen weit verbreitet: Etwa ein Drittel der Erwachsenen über 55 Jahre hat zumindest einen Polypen im Darm.
Manche Darmpolypen sehen wie Warzen oder kleine Hügel aus, andere wie gestielte Pilze. Die große Mehrzahl bleibt klein und harmlos. Manche wachsen aber über Jahre weiter, und einige werden bösartig.
Wenn sich ein Polyp bösartig entwickelt, wächst er tiefer in die Darmwand ein und wird zu einem Krebs (Karzinom). Schreitet er weiter fort, können sich Krebszellen in andere Organe wie die Leber ausbreiten und dort Absiedlungen (Metastasen) bilden.
Wie die Erkrankung verläuft, hängt von vielen Faktoren ab. Wenn ein kleiner, örtlich begrenzter Darmtumor im frühen Stadium entfernt wird, sind die Aussichten (Prognose) gut: Die meisten Menschen sind nach der Operation geheilt. Wenn ein Darmkrebs schon fortgeschritten ist, sind die Chancen auf vollständige Heilung schlechter. Haben sich Metastasen gebildet, ist eine Heilung meistens nicht mehr zu erwarten. Die Behandlung zielt dann darauf ab, das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen und trotz Darmkrebs so lange wie möglich eine gute Lebensqualität zu erhalten.
Ob ein Krebs vollständig entfernt wurde, zeigt sich in der Regel in den ersten fünf Jahren nach der Behandlung. Wie hoch das Risiko für ein erneutes Auftreten ist, hängt unter anderem davon ab, in welchem Stadium der Krebs war.
Diagnose
Bei einem Verdacht auf Darmkrebs wird zunächst eine Darmspiegelung gemacht. Dabei untersucht die Ärztin oder der Arzt den gesamten Dickdarm mit einem speziellen Endoskop. Es können auch Gewebeproben entnommen und im Labor auf Krebszellen untersucht werden. Normalerweise dauert es einige Tage, bis das Untersuchungsergebnis zurückkommt. Bei manchen Menschen ist es nicht möglich, den gesamten Dickdarm mit dem Endoskop zu untersuchen – zum Beispiel wegen einer Verengung oder Verklebung. In diesem Fall kann der Darm mittels Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) untersucht werden.
Durch einen Ultraschall des Bauchraums, ein Röntgenbild des Rumpfes und ein Abtasten des Mastdarms untersucht die Ärztin oder der Arzt, ob sich ein Krebs bereits ausgebreitet hat. Bei einem Verdacht auf Metastasen können weitere Untersuchungen Aufschluss geben, wie ein CT des Bauchraums oder des Brustkorbs.
Vor einer Behandlung wird außerdem Blut entnommen, um es auf einen Tumormarker zu untersuchen: das carcinoembryonale Antigen (CEA). Dieser Bluttest kann hilfreich sein, um den Erfolg einer Behandlung einzuschätzen.
Wenn ein Darmkrebs nach einer Behandlung erneut auftritt, wird manchmal eine Positronen-Emissions-Tomografie gemacht.
Früherkennung
Darmkrebs lässt sich früh erkennen und sogar wirksam vorbeugen. Aus diesem Grund bietet die gesetzliche Krankenversicherung allen Versicherten die Möglichkeit, an der Darmkrebs-Früherkennung teilzunehmen.
Die Untersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs richten sich an Menschen im Alter von 50 bis 75 Jahren ohne besonderes Darmkrebsrisiko. Menschen mit erhöhtem Risiko – zum Beispiel mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen – werden häufigere Untersuchungen empfohlen.
In Deutschland bieten die Krankenkassen zwei Untersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs an:
- Stuhltest: Dabei wird der Stuhl auf nicht sichtbare Blutspuren untersucht. Den Test können gesetzlich versicherte Frauen und Männer ab 50 Jahren alle zwei Jahre kostenlos in Anspruch nehmen – es sei denn, sie entscheiden sich für eine Darmspiegelung.
- Darmspiegelung: Dabei wird der gesamte Dickdarm auf Krebs und Polypen untersucht. Werden Polypen entdeckt, können sie direkt entfernt werden. Gesetzlich versicherte Frauen und Männer können zwei kostenlose Spiegelungen in Anspruch nehmen: die erste ab 50 Jahren; die zweite dann zehn Jahre nach der ersten. Wurden bei der ersten Darmspiegelung mehrere, größere oder auffällige Polypen entfernt, wird meist eine Wiederholung der Untersuchung in kürzeren Abständen empfohlen.
Eine dritte Variante der Früherkennung ist die kleine Darmspiegelung (Sigmoidoskopie). Diese Untersuchung wird in Deutschland im Rahmen der Früherkennung jedoch nicht von den Krankenkassen bezahlt.
Grundsätzlich gilt: Wer Beschwerden hat, kann die Ursache immer kostenlos abklären lassen – gleichgültig, ob und wann zuletzt eine Früherkennungsuntersuchung wahrgenommen wurde.
Vorbeugung
Zur allgemeinen Vorbeugung von Darmkrebs gibt es viele Empfehlungen: Dazu gehören ausreichend Bewegung sowie eine Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen, wenig rotem oder verarbeitetem Fleisch und wenig Alkohol. Bislang gibt es aber keine eindeutigen Belege dafür, dass dies vor Darmkrebs schützen kann.
In Studien wurde auch getestet, ob die längerfristige Einnahme bestimmter Medikamente wie ASS Darmkrebs vorbeugen kann. Dies wird derzeit nicht empfohlen, weil unsicher ist, ob sie tatsächlich schützen, und weil sie Nebenwirkungen haben können.
Behandlung
Durch eine Operation wird Darmkrebs nach Möglichkeit vollständig entfernt. Bei Tumoren im frühen Stadium ist unter Umständen gar keine weitere Therapie nötig. Wenn der Krebs weiter fortgeschritten ist, kommen weitere Behandlungen wie eine Bestrahlung oder Chemotherapie infrage.
Leben und Alltag
Wer Darmkrebs hatte, wird oft auch nach einer erfolgreichen Behandlung eine Phase der Unsicherheit durchmachen, weil man erst nach einigen Jahren sicher sein kann, dass man wirklich dauerhaft geheilt ist.
Nach der Behandlung fühlen sich viele Menschen noch für eine Weile geschwächt und können im Alltag nicht mehr so aktiv sein wie vorher. Es braucht seine Zeit, bis es gelingt, die Diagnose, die Therapie und ihre Folgen zu verarbeiten.
Wenn der Mastdarm von Krebs betroffen ist und operiert werden muss, gelingt es nicht immer, den Schließmuskel zu erhalten. Dann ist ein künstlicher Darmausgang (Stoma) erforderlich. Es kann länger dauern, sich daran zu gewöhnen, da man den Stuhlgang nur noch eingeschränkt kontrollieren kann und den Umgang mit dem künstlichen Darmausgang erst einmal erlernen muss. Gerade am Anfang schämen sich viele Menschen und ziehen sich zurück.
Obwohl eine Darmkrebs-Erkrankung einen großen Einschnitt im Leben bedeutet, gelingt es mit der Zeit oft, damit umzugehen und trotzdem ein erfülltes Leben zu führen.
Weitere Informationen
Weitere Informationen über Darmkrebs und verschiedene Behandlungsmöglichkeiten finden sich beim Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums und den Patientenratgebern der medizinischen Leitlinie zur Behandlung von Darmkrebs. Dort gibt es auch Informationen zu Unterstützungsangeboten wie Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen.
Wir informieren auch darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.
Warum sind Studien zum Einfluss des Lebensstils oft unzuverlässig?
Viele Vermutungen über den Zusammenhang zwischen Lebensstil und Gesundheit stammen aus sogenannten Beobachtungsstudien. Diese Studien können unterschiedlich aufgebaut sein. Im günstigsten Fall dokumentieren gesunde Menschen über einen langen Zeitraum ihre Lebensgewohnheiten. Nach vielen Jahren lässt sich dann beispielsweise feststellen, ob Menschen mit bestimmten Ernährungsgewohnheiten häufiger an Darmkrebs erkranken als andere.
Beobachtet man dann, dass Menschen, die zum Beispiel häufig rotes Fleisch essen, öfter an Darmkrebs erkranken als Menschen, die kaum rotes Fleisch essen, liegt die Vermutung nahe, dass der Verzehr von rotem Fleisch Darmkrebs begünstigen kann. Denkbar ist aber auch, dass Personen, die viel rotes Fleisch essen, auch häufiger rauchen, mehr Alkohol trinken oder öfter übergewichtig sind – alles Faktoren, die bestimmte Krebsarten begünstigen. Theoretisch kann man solche verzerrenden Faktoren bei der Auswertung einer Studie berücksichtigen. Das Problem ist aber, dass Menschen sich auch in anderen Aspekten voneinander unterscheiden, die man nicht oder nicht ohne Weiteres erkennen kann, wie zum Beispiel ihren Genen, Arbeitsbedingungen und Wohnverhältnissen. All dies in einer Studie zu berücksichtigen, ist praktisch unmöglich. Es setzt außerdem voraus, dass man alle Faktoren kennt, die mit Darmkrebs in Verbindung stehen, und sie auch messen kann. Deshalb besteht bei Beobachtungsstudien immer die Möglichkeit, dass man etwas Wichtiges übersehen hat.
Um die tatsächliche Ursache für etwas herauszufinden, sind sogenannte randomisierte kontrollierte Studien besser geeignet. In solchen Studien werden Freiwillige nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt (randomisiert). Eine der Gruppen wird dann beispielweise zu einer Ernährung mit wenig rotem Fleisch angehalten, die andere Gruppe ernährt sich wie gewohnt. Das Zufallsprinzip sorgt dafür, dass die beiden Gruppen wirklich miteinander vergleichbar sind. Denn der Zufall sorgt nicht nur dafür, dass zum Beispiel Männer und Frauen, Alte und Junge oder Raucher und Nichtraucher gleichmäßig auf die beiden Gruppen verteilt werden. Auch unbekannte Einflussfaktoren sind so in beiden Gruppen ähnlich.
Bei Studien zum Lebensstil wird diese Methode allerdings nur selten eingesetzt. Daher muss man Studienergebnisse und Empfehlungen zum Lebensstil oft mit Skepsis betrachten. Wie wenig verlässlich solche Forschungsergebnisse sind, zeigt sich auch darin, dass sich zum Beispiel Ernährungsempfehlungen immer wieder ändern.
Schützen Ballaststoffe?
Ballaststoffe sind Nahrungsbestandteile, die in der Regel aus Kohlenhydraten bestehen und vom Körper nicht verdaut werden können. Ihnen wird allgemein eine gesundheitsförderliche Wirkung zugeschrieben. Es gibt verschiedene Theorien dazu, warum Ballaststoffe vor Darmkrebs schützen könnten. Unter anderem beschleunigen sie den Transport des Stuhls durch den Darm und binden möglicherweise krebsfördernde Stoffe, die mit der Nahrung aufgenommen werden.
Beobachtungsstudien deuten auf einen Zusammenhang zwischen ballaststoffreicher Ernährung und Darmkrebs hin: Menschen, die ballaststoffreicher essen, erkranken offenbar etwas seltener an Darmkrebs. Das hat sich aber in randomisierten kontrollierten Studien nicht bestätigt: Einige dieser Studien haben untersucht, ob es vor Darmkrebs schützt, wenn man mehr Ballaststoffe isst. Diese Studien haben keinen Unterschied gezeigt. Weil viele Menschen ihre Teilnahme an den Studien vorzeitig beendeten, sind aber auch diese Ergebnisse unsicher.
Können Obst und Gemüse Darmkrebs vorbeugen?
Obst und Gemüse enthalten sogenannte Flavonoide, auch sekundäre Pflanzenstoffe genannt. Ihnen wird eine krebsvorbeugende Wirkung zugeschrieben. Eine Theorie ist, dass sie vor Molekülen schützen, die die Zellen schädigen können, sogenannten freien Radikalen. Auch in Pflanzensamen und Sprossen, Tee, Kakao, Schokolade und Wein sind Flavonoide enthalten.
Eine Wissenschaftlergruppe des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration wertete mehrere randomisierte Studien aus, in denen der Zusammenhang zwischen einer flavonoidreichen Ernährung und Darmkrebs untersucht wurde. Sie fand jedoch keine überzeugenden Belege dafür, dass Menschen, die viel Obst und Gemüse essen, seltener an Darmkrebs erkranken.
Was ist dran an der Warnung vor rotem und verarbeitetem Fleisch?
Als Lebensmittel, die Darmkrebs eher begünstigen sollen, gelten rotes Fleisch und verarbeitete Fleischprodukte wie Wurst, gepökeltes oder geräuchertes Fleisch. Manche Beobachtungsstudien zeigen einen Zusammenhang: Je mehr Rind, Lamm oder verarbeitetes Fleisch Menschen essen, desto häufiger erkranken sie an Darmkrebs. Für unverarbeitetes Geflügel- und Schweinefleisch gilt das nach aktuellem Kenntnisstand nicht. Es gibt bisher keine randomisierten Studien, die belegen, dass es vor Darmkrebs schützt, wenn man weniger rotes und verarbeitetes Fleisch isst.
Kann Übergewicht das Darmkrebsrisiko erhöhen?
Bei einem Body-Mass-Index (BMI) zwischen 25 und 30 spricht man von Übergewicht. Möglicherweise haben Männer mit Übergewicht ein leicht erhöhtes Risiko für Darmkrebs, bei Frauen spielt Übergewicht eher keine große Rolle. Betrachtet man die Gesundheit allgemein, ist es zweifelhaft, dass mäßiges Übergewicht schadet. Ob es vor Darmkrebs schützen könnte, etwas abzunehmen, lässt sich aus bisherigen Studien nicht ableiten.
Anders ist es bei Männern und Frauen mit starkem Übergewicht (Adipositas): Ab einem BMI über 30 nimmt das Risiko für Darmkrebs deutlich zu – und zwar umso stärker, je höher das Gewicht ist. Zur Frage, ob eine Gewichtsabnahme das Darmkrebsrisiko bei stark übergewichtigen Menschen senken kann, gibt es allerdings keine randomisierten Studien.
Schützt Bewegung vor Darmkrebs?
Menschen, die körperlich aktiver sind, haben anscheinend ein geringeres Risiko für Darmkrebs. Wie sich Bewegung auf das Risiko für Darmkrebs auswirkt, ist bislang aber nicht in randomisierten Studien untersucht worden. Ob mehr Bewegung tatsächlich vor Darmkrebs schützt, ist daher unklar.
Körperlich aktiv zu sein, sorgt aber bei vielen Menschen für mehr Wohlbefinden, verbessert die Fitness und hat andere Vorteile für die Gesundheit.
Welche Rolle spielt Alkohol bei Darmkrebs?
Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Alkohol und Darmkrebs: Je mehr Alkohol ein Mensch trinkt, desto höher ist das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.
Aber auch unabhängig vom Einfluss des Alkoholkonsums auf das Darmkrebsrisiko, gibt es viele gute Gründe, Alkohol nur in Maßen zu trinken. Übermäßiger Alkoholkonsum hat meist viele gesundheitliche, psychische und soziale Folgen, wie etwa Probleme in Partnerschaft und Familie oder bei der Arbeit. Zuviel Alkohol kann auch die Leber dauerhaft schädigen. Zudem können psychische Probleme und Erkrankungen wie zum Beispiel Depressionen verstärkt werden. Nicht zuletzt steigt das Risiko für Unfälle, Stürze und Verletzungen.
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen empfiehlt gesunden Erwachsenen ohne Alkoholproblem, an mindestens zwei Tagen in der Woche keinen Alkohol zu trinken. Für einen risikoarmen Alkoholkonsum gelten unterschiedliche Empfehlungen für Männer und Frauen.
Erhöht Rauchen das Darmkrebsrisiko?
Nicht zu rauchen gehört zu den besten Dingen, die man für seine Gesundheit tun kann. Wer raucht, hat ein vielfach höheres Risiko für viele Krebsarten, insbesondere Lungen-, Rachen- und Kehlkopfkrebs. Rauchen ist eine häufige Ursache für chronische Lungenerkrankungen und begünstigt viele andere Krankheiten, zum Beispiel des Herz-Kreislauf-Systems. Auch das Risiko für Darmkrebs ist bei Menschen, die rauchen, etwas höher. Der Zusammenhang ist allerdings viel schwächer als etwa bei Lungenkrebs.
Was ist über Nahrungsergänzungsmittel bekannt?
Glaubt man der Werbung, haben Nahrungsergänzungsmittel alle möglichen günstigen Einflüsse auf die Gesundheit. Einen triftigen Grund, Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen, gibt es aber nur bei einer Mangelernährung – oder wenn sie zur Behandlung einer Erkrankung eingesetzt werden. Und auch dann sollte nachgeprüft werden, ob die Mittel tatsächlich vor Krankheiten schützen oder Beschwerden lindern.
In randomisierten Studien wurden bereits viele Nahrungsergänzungsmittel zum Schutz vor Darmkrebs untersucht: unter anderem Kalzium, Folsäure, Selen und die Vitamine A, C, D und E. Nicht alle sind gleich gut untersucht. Klar ist aber, dass bislang für keins dieser Mittel nachgewiesen wurde, dass es vor Darmkrebs schützen kann. Einige Studien deuten sogar darauf hin, dass bestimmte Nahrungsergänzungsmittel das Risiko für Darmkrebs oder Krebs allgemein erhöhen oder die Lebenserwartung verkürzen könnten. Gezeigt wurde ein möglicher schädlicher Effekt für hohe Dosierungen von:
- Vitamin A
- Vitamin E
- Betacarotin
- Folsäurepräparaten
Die Studienergebnisse dürfen allerdings nicht missverstanden werden: Der Körper braucht Vitamine und Mineralstoffe und bekommt sie normalerweise durch eine ausgewogene Ernährung. Ist das nicht der Fall oder besteht in bestimmten Lebenslagen ein erhöhter Bedarf (wie etwa an Folsäure vor und während einer Schwangerschaft), kann eine Nahrungsergänzung sinnvoll sein.
Eine dauerhafte Überdosierung mit bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln ohne konkreten Grund könnte aber riskant sein.
Gibt es Medikamente, die vor Darmkrebs schützen können?
Bestimmten Arzneimitteln wird manchmal eine vor Darmkrebs schützende Wirkung zugesprochen. Der Einsatz von Medikamenten zur Vorbeugung von Krebs ist aber heikel: Um einen Schutz zu bieten, müssen sie regelmäßig über einen sehr langen Zeitraum, womöglich Jahrzehnte, eingenommen werden. Damit steigt auch das Risiko von Nebenwirkungen.
Zu den Medikamenten, die das Risiko für Darmkrebs senken könnten, gehört die Acetylsalicylsäure (ASS). Dieses Medikament wird oft gegen Schmerzen oder als Blutverdünner eingesetzt. In Studien zur Vorbeugung von Folgeerkrankungen bei Menschen mit einer Herzkrankheit hat man beobachtet, dass ASS anscheinend auch einen gewissen Schutz vor Darmkrebs bietet. Allerdings waren bisher nur wenige Studien darauf angelegt, dies gezielt zu untersuchen. Eine abschließende Bewertung des Nutzens ist deshalb noch schwierig. Klar ist: Das Mittel muss über mindestens zehn Jahre eingenommen werden, damit sich überhaupt eine vorbeugende Wirkung zeigen kann.
Die Nebenwirkungen von ASS sind zum Beispiel Magengeschwüre und Blutungen, vor allem im Magen-Darm-Trakt. Die wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland und anderen Ländern sprechen sich bislang gegen den Einsatz von ASS zur Vorbeugung von Darmkrebs aus.
Was kann ich allgemein tun, um Darmkrebs vorzubeugen?
Für Menschen ohne bestimmte Risikofaktoren ist die Wahrscheinlichkeit, an Darmkrebs zu erkranken, nicht besonders hoch. Die Frage, ob es das Risiko senken kann, seinen Lebensstil und die Ernährung zu ändern oder Medikamente einzunehmen, lässt sich nicht sicher beantworten. Bestimmte Nahrungsergänzungsmittel können sogar schaden.
Die beste Möglichkeit zur Vorbeugung von Darmkrebs bietet die Darmkrebs-Früherkennung. Hierzu werden zwei Untersuchungen angeboten: der Stuhltest und die Darmspiegelung (Koloskopie).
Was Studien sagen
Erfahrungsberichte
Mehr Wissen
Extras
Quellen
Adelstein BA, Macaskill P, Chan SF et al. Most bowel cancer symptoms do not indicate colorectal cancer and polyps: a systematic review. BMC Gastroenterol 2011; 11: 65.
Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom. AWMF-Registernr.: 021-007OL. 2019.
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Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Einladungsschreiben und Entscheidungshilfen zum Darmkrebs-Screening: Abschlussbericht. Auftrag P15-01. 2016.
Jellema P, van der Windt DA, Bruinvels DJ et al. Value of symptoms and additional diagnostic tests for colorectal cancer in primary care: systematic review and meta-analysis. BMJ 2010; 340: c1269.